Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 99 (22.12.1887)
- Date
- 1887-12-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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17«, gern raiD freudig ihr Leven hm zur Heiligung deS göttlichen Namens. Jetzt find die Zeiten milder geworden; aber wir bedürfen nun noch mehr des Schutzes der götttliche« Vorsehung. Viele unserer Brüder nnd Schwestern und der neuen Zeit zum Opfer gefallen. Wenn man sicht, wie der Abfall vom Gottcrgcses immer größere Ausdehnung gewinnt, so möchte man schier verzweifeln; aber die Verheißungen unseres Gottes halten uns aufrecht. Gr. der uns sicher geführt hat durch alle Noth und Gefahr Jahrtausende lang. Er wird uns auch jetzt nicht versinken lauen. .177 c: -ftrK Ich, spricht Gott, Ich werde dich hcrauffüdrcn, und stetwieder beraufführcn; Ich werde dich aus jeder Versumpfung wieder cmporsrcigcn lassen, bis Israel die höchste Höhe des MenschenbcrufeS erreicht haben und niemals wieder sinken wird. Zeituugsuachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Nieder-Ingelheim, ,8. Dezember. Dem „Mainzer Anzeiger" wird von hier geschrieben: Heute wurde Herr Louis Mayer von hier auf dem israelitischen Friedhöfe beerdigt. Ter Verstorbene hatte den Feldzug von ,870 mirgcmacht. Ter Kriegcrvereiu mir seiner Musik gab demselben in würdiger Weise das Geleite, und die üblichen Salven am Grabe konnten cs weithin verkünden, daß hier noch nicht die giftige Aussaat Wurzel geschlagen hat, welche man von gewisser Seite ans als die heilsamste für die Zukunft des Vaterlandes und der Menschheit anpreist. Lolche Beerdigungen jüdischer Krieger., die ja nicht weniger zahlreich im Verhälmine sind, als die der Christen, sollten doch den konservativen „Nationalen" und „Rcichsfrcunden", die einem Böckel zujauchzen, zu denken geben. Der Redner am Grade gab diesem Gedanken auch ungcschcut Ausdruck. Berlin, ,6. Dezember. Beiden Antisemiten der scharfen Tonart ging es gestenr Abend hoch her. Herr Böcke! war der Held des Tages; dieser bescheidene junge Mann erklärte. er sei mit seiner Rede im Reichstage sehr zufrieden, „da er eine bedeutende Wirkung von derselben auf das Parlament bemerkt Labe." Die Hauptsache war aber die Antwort auf die Stöcker scheu Angrine gegen dicBöckel'sche ttonturrcnz. Dieses Geschäft hatte der Borsivendc, ein Herr Klavier, übernommen; auf die cingcgangcne Interpellation: „Gedenkt der deutsche Rcformvercin bezüglich der offenen Angriffe deS Herrn Stöcker und der versteckten des Herrn von Liebermanu Stellung zu nehmen?" antwortete er Folgendes: Ich halte Herrn Stöcker für einen Gegner Böckel'S. (Rufe: Nein! Ja! Ruhe!) Sowohl Stöcker als Liebermünn haben die „verschiedenen Arten des Antisemitismus" behandelt. Ich kenne nur eine: die die Juden unter Frcmdcngcsetze stellen will. Die Konservativen haben die Kraft des Antisemitismus blos für ihre Zwecke ausgenützt. Sie haben einen Mann als Aushängeschild benützt, um die Antisemiten zu ködern, das war Hofprediger Stöcker. (Widerspruch.) Redner wirst dem letztgenannten Halbheit vor, beschwert sich, daß Stöcker den Tr. Böcke! so verächtlich behandelt, nennt den Konservatismus „Kohnservatismus" und führt die „Derbeugungcn des Herrn v. Licbermann vor Stöcker" auf dessen plötzlich bekannt gewordene Beliebtheit in sehr hohen Kreisen zurück. Endlich hofft Herr Dlavicr, daß alle Konservativen, die noch etwas Ideales erstreben, dem deutschen Reformverein zustimmcn werden, und ebenso alle Sozialdemokraten, die sich noch Glauben, Hoffnung und Liebe im Herzen bewahrt haben. (Beifall.) Die Versammlung nimmt darauf gegen eine starke, durch Gegenprobe ermittelte Minorität folgende Resolution an: „Tie heule in den Arminhallen versammelten Antisemiten erklären sich mit dem bisherigen Auftreten des Herrn Rcichstagsabgeordneten Dr. Böckel einverstanden, sprechen ihm ihre Anerkennung dafür aus und prolcstiren gegen die Angriffe der Herren Stöcker und Licbermaun gegen den besten aller Antisemiten."!!! , > , . Berlin, 18. Dez. Tie Kornzolldebatten im deutschen Reichstage gaben wieder einmal Veranlassung, auf die Börse im Allgemeinen und die „jüdische Spekulation" im Besonderen die ganze Schale des dem Mißmmhc der Agrarier entsprungenen Zornes zu gießen. Es hat noch nie ein vernünftiger Mensch behauptet, daß alle Juden lauter Engel seien und daß sie allein von den Folgen ungesunder volkswirthsschastlichcr Zustände unberührt bleiben mußten, und cs wird lein Einsichtiger Einspruch erbeben, wenn die Gesetzgebung gegen eine ungerechtfertigte Börsenspekulation, inag diese von Juden oder Urgermanen ausgehen, die strengsten Maßregeln ergriffe. Daß aber die Eonscrvativcn eS sich nicht nehmen ließen, alle wirthschaftlichen Rothstände auf die Rechnung der Juden zu setzen und im offenen Rcichsrag: -ine kleine Jndcuhetze zu insccnircn, darf nicht Wunder nehmen. Mitten, in her recht langweiligen Debatte meldete sich zu all-