Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 99 (22.12.1887)
- Date
- 1887-12-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449793--27719-2517591- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
17 Gö daß fte sich mit den Aegyptern vennischt und verschwägert hätten? Allein durch die besondere Fürsorge Gottes bewahren sie die Reinheit ihres Geschlecht«. Al» sie später verfolgt und geknechtet wurden, da wäre da« Natürliche gewesen, daß sie in Armuth und Glend verkbmmen wären, um dann spurlos von dem Erdboden zu verschwinden. Aber die besondere Fürsorge Gottes hielt sie aufrecht und ließ sic die schrecklichsten Leiden überdauern. Zu Ende schien cs mit dem israelitischen Volke zu sein, als der König Ncbukadnezar Jerusalem eroberte, den heiligen Tempel zerstörte und die Juden in die Verbannung trieb. Alle Bande waren gelöst. Wie konnten die Israeliten, gemischt unter die Bewohner des Lande«, ihre eigenthümlichcn Sitten und Gesetze aufrecht erhalten! Erloschen für immer schien der Stern Jakobs. Da geschah etwas gar Wunderbares. Gerade in der Verbannung wurde die Liede und Verehrung für den einzigen Gott in die Herzen unserer Väter und Mütter fest eingewurzelt. Tie Neigung zum Götzendienste, welche unendliches Leid über das Volk gebracht hatte, verschwand ganz und gar. Seit Abraham hatte Niemand dem Tode sich preisgegebcn, um dem Zwange zum Götzendienste zu entgehen. In Babel war cs, wo drei seiner späten Enkel: Ehananjah, Mischakl und Asarjah sich standhaft weigerten, dem Götzendilde des Königs Ncbukadnezar göttliche Ehre zu erweisen; sie wurden in den feurigen Kalkofcn geworfen, und Gott errettete sie. In Galuth Babel war cs, da Daniel um seines Glauben« willen, dem Tode Trotz bot. in die Löwcngrube geworfen und in wunderbarer Weise errettet wurde. Nicht wieder sielen die in das heilige Land zurückgckchrtcn Israeliten dem Götzendienste anheim. Vielfach erduldeten edle Männer und Frauen den Tod zur Heiligung des göttlichen Namen». Gottes Majestät waltete in Babel über ihnen,- so daß sie nicht allein Juden blieben, sondern auch sich ihrer Aufgabe, die Träger des göttlichen Nameus zu sein, voll und ganz bewußt wurden. Noch wunderbarer zeigt sich das Walten der göttlichen Vorsehung überund für Israel im dritten Galuth. Waren die Israeliten in Mizrajim und in Babel beisammen geblieben, so wurden sie. nunmehr über alle Länder des Erdbodens zerstreut: hatten sie in Mizrajim und in Babel inmitten von Völkern gelebt, welche dem abscheulichsten Götzendienste huldigten, so traten ihnen im Laufe des dritten Galuth Religionen gegenüber, welche, dem Judenthume entstammend, viel leichter zum Aufgeben des eigentlichen jüdischen Berufes verleiten konnten. Christen und Muhamedaner verehren den Schöpfer des Weltalls; auch ihnen gilt das Won unseres Gottes heilig. Dazu kam noch ein anderes Moment. Tie heidnischen Völker waren mit wenigen Ausnahmen sehr tolerant und suchten nur feiten zum Uebertrirte zu zwingen oder zu verführen. Anders verhält es sich mir den zwei soeben genannten Religionen; ihre Bekenner suchten durch Feuer und Schwert, durch Ueberrcdung oder in Aussicht gestellte Belohnung die Nachkommen Jakobs zum Abfalle vom Glauben der Väter zu verleiten. Ta erkennt man so recht deutlich da» Walten der göttlichen Vorsehung. Wohin auch die Juden geworfen wurden oder wo immer sie freiwillig ihren Aufenthalt nahmen, fanden sie sich, oft in winzig kleinen Gemeinden, zusammen, um gemeinsam dem Gotte der Lärer zu dienen und die Institutionell unsere» heilige» Glaubens zu begründen. Als sich die ersten Juden in Deutschland ansiedelten, war dieses meist noch Urwald, in welchem uebeu wilden Völkern Bären und Auerochsen hausten. Sluv wenige, meist von den Römern gegründete Städte gab es damals in Deutschland. In diesen: Speyer, Worms, Mainz, Köln, Nürnberg rc. siedelten sich einige wenige Juden an. Wo zehn männliche Israeliten sich zusammcnfandcn, richteten sie eine Suuagoge ein, eine Schule für die Kinder, ein rttuelles Bad, und handhabten das Schlachten de» Viehes nach religiöser Vorschrift. Wenn die Gemeinden sich vergrößerten, so ließen sie sich au» weiter Ferne, meist au» Italien, einen Talmudgclehrten kommen, der als Rabbiner sungire und die religiösen Angelegenheiten besorge. So wurden Rabbi Moscheh Hasaken und Rabbi Kalouymos aus Lucca nach Mainz und Rabbi Kalonymos aus Rom nach Worms berufen. So suchten die einzelnen jüdischen Gemeinden unter dem sichtlichen Beistände der göttlichen Fürsorge den Gc'st des Judenthums zu erhalten, in ihrer Mitte zu pflegcrr und zu fördern bis über den Tod hinaus. Nur mit den größten Schwierigkeiten gelang es oftmals, einen eigene» Friedhof für die Verstorbenen zu erwerben. So wird in fast allen alte« Memorial-Büchern der jüdischen Gemeinden in Deutschland eines Herrn Jizchak und seiner Gemahlin, Frau Rachel, segnend gedacht, weil sie für die jüdische Gemeinde in Mainz den Friedhof erworben hatten. Aus diesem Umstande ersieht mau. wie schwer es damals unseren Vorfahren geworden sein muß, sich einen eigenen Begräbnißplay zu verschütten. Ader unsere Ahnen scheuten kein Opfer, wo es galt. sich und ihren .Kindern die heiligen Institutionen unsere» Glaubens zu schütten und zu erhalten. — Dann kamen die Zeiten der Verfolgungen: und Tausende uud aber Taufende gaben