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Der Israelit · 1887-12-19 · Heft 98 (19.12.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 98 (19.12.1887)
Date
1887-12-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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■wagngmgffBBB 1752 steht an der Fc^ade einer Kircheein Bild zur öffentlichen Tchaü ausgestellt, auf dem ein Rabbiner der Synagoge mit einem Messer dargestellt ist. im Begriff, einem Christen die .Kehle durchzuschnciden, während andere Juden ein Becken in der Hand halten, um das herausstießende Blut aufzunchmen. Sodann stellt der Cardinal alle Gegenbeweise ins Treffen, zunächst ein geharnischtes Schreiben des H. Bernard gegen den Mönch Rudolf von Mainz, einen Briesdcs Papstes Innocenz I V., der der »thränenreichen Klage der Juden Deutschlands, die sich in einer drückenderen Lage als ihre Väter unter den Pharaonen in Aegypten befinden-. Gehör schenkt und die Blutbeschuldigung als eine dem jüdischen Religionsgcseye widersprechende boshafte Verleumdung zurückweist. Mit glänzender Bercdtsamkeit widerlegt dann das Gutachten die vorliegende Blutbeschuldigung. er bedauert den Irrthum des Bischofs von Luccria, der „sich zu schnell erklärt hat -u glauben, was nicht sein konnte", er fordert mit den Worten des Tominikanergencrals Giovanni Battista auf, von der.Kanzel herab zu mahnen, „durch die wutherfüllte Mißhandlung -dieses unglücklichen Volles unfern Gott nicht zu beleidigen", cs weist nochmals juristisch die llnhalrdarkeir, die Lächerlichkeit der „sabricirtcn" Anklage nach. Man erinnere sich doch, ruft Ganganelli, wie jüngst ein zartes Mädchen entt'evlich verstümmelt aufgesunden wurde, und, als die Menge heulend gegen die Juden zog, bekannte , voni eigenen Barer so mißhandelt worden zu sein! Man erinnere sich doch, wie nach dem Zeugnisse Tertullians, daß dieses Gcschwäv vom Kindcrmord in den ersten Jahrhunderten von den Heiden unserer, der christlichen Religion zugcschricbcn worden ist! „Daher ergründet cs, wenn Ihr es glaubt, oder glaubet cs nicht, wenn Ihr nicht geforscht habt." Das Gutachten schließt unter dem stammenden Appell au den hl. Stuhl, für die Verfolgten cinzulreren, mit den Worten : „Aus dem bisher Angeführten kann erkannt werden, mit welchem lebendigen Glauben wir von Gort erbitten müssen mit dem Psalmistcn (118, i:>4): Rette mich vor den Verleumdungen der Menschen. Man kann nicht leugnen, daß die Verleumdungen den Weisen trüben und die Kraft eines jeden Gcmüthcs verderben, wie der Prediger im 7. Kapitel, Vers 7 sagt." Das Gutachten, welches am 24. (Monat fehlt) 1759 im Cardinalskollegium geprüft wurde, batte einen glänzenden Erfolg. Alle Motive wurden bestätigt und unter dem 9. Februar 17U0 richtete der Cardinal Corsini an den Nuntius Visconti in Warschau den Beschluss des Papstes : „Der IudeLelek, der Verfolgung entflohen, hat beim Papst Benedikt XIV. Hilfe für seine unglücklichen Glanbcnsbrüder in Pole» gesucht. Ter Nachfolger Papst Clemens XIII. hat eine Untersuchung der gegen die Juden erhobenen Blutbeschuldigungen anstcllcn lasten; dieselbe hat ergeben, daß die Juden unschuldig feien. In Folge denen wird der Jude Sclck bei seiner Rückkehr nach Polen dem Schutze Viscontis ancmpfohlen und zugleich im Namen des apostolischen Stuhls demselben die Ergreifung der geeignetsten Mittel zur Beseitigung des ungerechten Hasses zur Pflicht gemacht." Nicht lange daraus starb Clemens XIÜ. und Cardinal Ganganelli bestieg als Pabst Clemens XIV. den päpstlichen Thron. — So schrieb ein katholischer Kirchenfürst im Dienste der Menschenliebe vor 130 Jahren. Hätte er, dessen Lebcnsmolto hieß: „Alle Menschen sind' meine Brüder; meine Wonne ist es, wenn die Unglücklichen sich an mich wenden," hätte er es träunicn nlögen, daß lange, lange nachdem die Fluthen der Geschickte über ihn und feine Zeit dahrngerauscht, dieselbe wahnsinnige Lüge, gegen die er geeifert, ein halbes Dutzend Menschen in die unmittelbarste Todesgefahr bringen würde? Hätte er cs ahnen mögen, daß am AuSgange des erleuchteten 19. Jahrhunderts die vcrvehmte Wahrheit aus der Kerkernacht von Rircgyhaza würde rufen müssen: „Ist kein Ganganelli da?" Das Gutachten Clemens XIV. ist ein kostbares geschichtliches Tocumcnt und dem Ucbcrsctzer und Commcntator desselben gebührt reicher Dank, daß er cs in mühevoller Arbeit aus dem Staube des Archivs in das Helle Licht des Tages gezogen hat. Zcitungsnachrichtcu und Correspoudcuzcn. Deutschland. Würzburg. Am 10. Dezember feierte Sc. Exzellenz der kommandircnde General des II. bair. Armee-Corps von Cr ff seinen 70. Geburtstag. Dieser wurde zu Ehren des hohen Jubilars von der Militärbehörde festlich begangen. Tie kgl. Eommandantur ließ unter Zusendung des Festprogrammezur Bctheiligung an der Feier Einladungen ergehen, darunter auch an Herrn Distrikts-Rabbiner Bamberger dahier, welcher derselben durch Theilnahme am Gratulationsempsange Folge leistete. Se. Erccllcnz schenkte dabei Herrn Rabbiner besondere Aufmerksamkeit und beehrte ihn am 14. ds. mit einem Besuche. Diese Auszeichnung verdient gewiß auch in weiteren .Kreisen bekannt zu werden, indem sie beweist, welche Achtung man in der obersten Militärbehörde auch der jüdischen Confcssion zollt und wie

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