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Der Israelit · 1887-12-19 · Heft 98 (19.12.1887) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 98 (19.12.1887)
Date
1887-12-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1753 i i t 5 4 % ,r 3 | ) | j; von ihr der Geist der Toleranz und der Parität im bair. Staate zum Ausdruck gebracht wird. Dir friiiimcn in den allgemeinen Wunsch ein, daß sich das Lebendes allverehrtc», rubmgckrönten Eommandeurs in Glück und ungeschwächrer Gesundheit noch auf Jahrzehnte hinaus erstrecke! Berlin. Tie „Rorbd. Allg. Ztg." bringt gegen die Christlich-Sozialen neuerdings einen sehr entschiedenen Artikel, der angesichts der vielberufcnen. Srabrmifsions-Vm'ammlung beim Grafen Waldersee bemerkenSwcrthist. Da? Kanzlerblatt tritt zunächst der Behauptung, daß die jüngsten Beschlüsse des konservativen Gcsammtvorstandes sich gegen das Kanell richten, auf Grund „guter Informationen" entgegen; dann wird der ,Hrcuz-Ztg." folgende Pille verabreicht: „Wenn eine politische Partei sich zu der Marime bekennt: Credo, quia absurdum est, so hört eben das Tiskutiren auf... . Daß es absurd wäre, wenn die.konservativen den Mittel- Parteien in der Berliner Bewegung keinen Raum gewährten, bedarf keines eingehenden Beweises. Wenn die hiesigen Konservativen, anstatt mit den Mmclparrcrcn zu geben, eine extreme Richtung cinschlagcn und sich beispielsweise mit den Christlich- Sozialen ümalgamiren wollten, so würden sic sich mit einem tobten Gewicht belasten und jede Aussicht auf einen Erfolg a limine verlieren. Wie die Tinge in Berlin liegen, kann man für die konservative Sache nur dadurch Anhänger erwerben, daß mau sie in einer gemäßigten Schanirung vertritt. Tie Erfahrungen des lebten Jahres lasten darüber keinen Zweifel. Einen Achtung gebietenden Erfolg haben die Kouscrvativcn erst bei den letzten Wahlen erreicht, und sic verdanken dies ihrem damaligen maßvollen Auftreten, dem Entgegenkommen gegenüber den Rarionalliberalen und Freikonfervanven und der Abwehr aller politischen und religiösen Fanatiker." Rach einem Hinweis aus etwaige dem Reiche drohende Gefahren und auf die Rothwcndigkeit der Eintracht unter den nationalen Parteien sagt das ofstziöse Blatt zum Schluß: Wenn eine der Parteien noch politische Elemente in sich birgt, die keinen Frieden zn^baltcn vermögen, die kurzsichtig genug sind, die Sonderintcrestcn der politischen oder religiösen Fraktion, der sie angeboren, für da? Wesentliche zu halten, so wünschten wir, daß diese Gegner des.Kartells doch noch gcnng patriotisches Emvnnden besitzen, um auf eine weitere polnische Thängkeit zu verzichten. Herr Stöcker hat mit seiner Resignation bei den letzten Wahlen darin ein anerkennenSwetthes Beispiel gegeben. Wo aber .daS erforderliche patriotische Gefühl mangeln sollte, find die Kartellparteien verpflichtet, mit rücksichtslosem Zwange nachzuhelfen." Herr Stöcker wird sich für bas zweifelhafte Lob, das hier feinnr Resignation gezollt wird, bedanken, und ferne Anhänger werden zu einem freiwilligen Verzicht schwerlich zu bewegen sein. Dann wird man also „mit rücksichtslosem Zwange nachhclfcn" und den Stöckcrianera den Stuhl vor die Thür setzen müssen. Berlin, 15. Dez. (Deutscher Reichstag.) Bei der beutigen Berathung des GesetzenwurfeS, betr. die Abänderung des Zolltarifcs, nahm der bekannte autisemilsche Abgeordnete BödeI Anlaß, seinen feindseligen Gesinnungen gegen die Juden Ausdruck zu verleihen. Er sprach: „Ich kann Ihnen den §2 des Gesetzentwurfes nur ans das Wärmste empfehlen. Das Gesetz soll in erster Linie der produktiven Arbeit förderlich sein. Es soll dahin wirken, daß der deutsche Dauer wieder von seiner Arbeit mehr Verdienst hat alS in den lctzrcn Jahren. Es soll ein Gesetz für den deutschen Bauer sein. Wenn eS daS fein und bleiben soll, so ist § 2 unbedingt zu demselben gehörig. Ten Fall deS 8 2 würde ich für identtsch halten mit der Abstumpfung des ganzen Gesetzes. Mit dem g 2 wird daS Gesetz dem deutschen Bauernstand Stuken bringen, ohne denselben aber nur den Spekulamcn oder — sagen wir es einmal deutsch — den Juden. (Große Heiterkeit. Lachen links.) Wenn Sie auch lachen, ich werde da? immer wrcder im Hause wiederholen, so lange ihm noch das Vcrständniß für die Judenfrage abgeht. Man bat gesagt, die Kornbörse sei nicht so gefährlich. Ich will Ihnen jedoch ganz kurz die Praxis der Kornbörse beleuchten an der Hand eines Buches von einem Manne, der kein Antisemit ist. von Gustav Cohn. (Heiterkeit.) Dieser Cohn beweist unS, daß bereits 1808 sich 80 Firmen an der Getreidetcrminbörse in Berlin befinden, welche mit Getreide selbst nichts zu thun hatten, für welche dasselbe lediglich auf dem Papier als Lpekulationsobjekt cxisiirte. Ter erwähnte Cohn beweist weiter, daß 1868 die Einfuhr nur 100,000 Wispcl, der Umsatz aber über 2 Millionen Wispc! betrug. (Hört, hört! rechts.) Ist das nicht Humbug? Ich nenne eS so. Wenn man aber bcdcnkr, daß die Leute, welche an " der Berliner Getreidebörse fungiren, Juden sind, so wundert man sich nicht mehr darüber. Don dieser Rationalität ist man das schon gewohnt. Welche Juden aber bei der Getreidebörse sich be-

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