Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 98 (19.12.1887)
- Date
- 1887-12-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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dem Stöcker-Prozeß annehmen zu können, denn auch dort habe es sich darum gehandelt, den sittlichen Werth einer Person zu prüfen und die Strafe nach dem Grade dieses sittlichen Werthes zu bemesicn. Auch hier handle cs sich um einen Mann, der mit Prätension sein Gift gegen die Juden ausspritzc, aber nach der Behauptung des Angeklagten so bedeutende sittliche Defekte habe, daß die auf ihn angewandten Ausdrücke berechtigt erscheinen müssen. Der Antisemitismus sei ein Blatt voll Schmutz, und auf diesem Blatt siche der Name des Klägers nach der Ansicht des Angeklagten mit hervorragenden Lettern verzeichnet. Gr glaube, dag man diesen Beweis ebensowenig abschnciden könne, wie den Beweis, daß die „Antisemitische Korrespondenz" mit ganz gemeiner Brutalität die Satzungen der jüdischen Religion in den Kolh ziehe. — Tie Motivirung der Bewcisanträge und die Verlesung der betreuenden Stellen aus antisemitischen Blättern und Büchern hatte so viel Zeit in Anspruch genommen, daß der Vorsitzende sich in der dritten Rachmittage stunde außer Stande erklärte, weiter zu verhandeln und deßhalb die Fortsetzung der Verhandlung aus Tonnetsiag 1 Uhr vertagte. Berlin, 16. Dez. Eine entzückende bhauukafcier fand am Sabbat Abend in den eleganten Räumen der Frau Sophie Lipmann Wulf in der Steplitzcrsiraßc statt. Die genannte bhrendame verschiedener Anstalten der hics. jüdischen Gemeinde hatte zu diesem Abend 40 arme jüdische Knaben mit ihren Müttern zu sich entboten, um ihnen dort ans dem Ertrag einer größeren Samntlung eine prächtige „bhannkabcfchccrung" zu überreichen. Zunächst zündete der Herr des Hauses die bhanukalickiter an. seine Familie und alle sangcskundigcn Knaben stimmten die Fcsthnmne an, dann wurde an einer festlich geschmückten Tafel den Kindern bhokoladc und Kuchen scrvirt und schließlich ein anderer erleuchteter Saal geöffnet, in dem für jeden .Knaben ein Packet bereit lag, bestehend aus einem Anzug, Winterüberzichcr, Stiefel, Handschuhe , Schulmappe u. s: w. Freudestrahlenden Antlixes verließen die Beglückten das religiöse Heim der edlen Wohlthäterin. — In den nächsten Wochen wird im Reichstagsgcbäudc eine Büste des Abgeordneten Lasker ihre Ausstellung finden. — Tie oberste Leitung der Logen „B'nc B'r:th"liat angcordnet, daß jedes Mitglied einen jährlichen Mindestbetrag von 50 Ps. für p a! ä st i n c n s i s ch c Zwecke zu zahlen hätte. Einige Vereinigungen haben die vierfache Höhe dieses Betrages zu erheben beschlossen. Der jährliche Gewinn dürfte sich auf 20,000 Mark belaufen. Der Beschluß ist eine Folge der Palästinareise des Herrn Sigmund Simmel. — Ter „Bibliographische Anzeiger", welcher, wie wir bereits meldeten, vom 1. Januar ab verbunden mit dem „Magazin für die Wissenschaft des Iudenthmns" erscheinen sollte, wird nach neuerer Bestimmung als besondere Zeitschrift unter dem Titel: „Hamask!r" hcrauszcgcbcn werden. Ll. V. Berlin. 838 arme, jüdische Kinder, welche hiesige Eommunalschulen besuchen, Knabe» und Mädchen, wurden vom „Verein zur Bcschcerung für artne, jüdische Kinder hiesiger Eommunalschulen" am jüdischen Ehanukafcste reich beschenkt. Sämmtlicht Kinder wurden vollständig neu mit Leibwäsche, .Kleidungsstücken und Stiefeln, rcsp. Schuhen ausgcstattct und durch andere nützliche Gaben, Schulbücher u. s. w. erfreut. Die Lcschecrung selbst — fand bezirksweise, in den Häusern der ciuzelnen Vorstandsdamen statt. Frankfurt a. M. Frau Baronin Salomo» von Rothschild in Paris har zum Andenken an ihren verstorbenen Vater Karl von Rothschild 120,000 M. den hiesigen israelitischen Vereinen überwiesen. Die Verthcilnng hat die Frau Baronin Karl v. Rothschild übernommen. Lestcrr. - Ungar. Monarchie. SSici«, 7. Dezember. Nicht geringe Sensation rief während der gestrigen Gcmcindcrathssitzung die folgende Mitthcilnng des GR. Tr. v. Kliantz, Vertreters von Mariahils, hervor: In die blasse einer städtischen Mittelschule tritt vor einigen Tagen der Rcligionsprofeffor ein. Es herrscht in der Klasse ein wüster Lärm. Der Professor ruft z „Ja, ist denn hier eine Iudenschnle?" — „Rein!" tönt ihm der vielstimmige bHorns der Schüler entgegen, „aber eine Antrscmitcnschule!" Wien. In der Nacht zum 5. d. wurde» im israelitischen Tempel in Fünfhaus, Turncrgasse Nr. 22, nach llebersetzung eines kleinen Vorbaues in den Hof des Gotteshauses und nach Ocffnung der Emgaugsthür zehn Thoramäntelchcn ans weißer Seide und aus verschiedenfarbigem Sammt mit Goldstickereien, ein hoher silberner Leuchter und vier blecherne L'prcrbüchscn santutt Inhalt, zusammen im Werthe von mehr als 300 fl., gestohlen. Als unmittelbarer Tbätcr wurde der Hausknecht Anton Pencr, zu Krems in Nicderösterrcich gebürtig, nach Langenfeld zuständig, 24 Jahre alt, zuletzt angeblich unterftandslos, eruirr, und zugleich fcstgcllt.