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Der Israelit · 1887-12-08 · Heft 95 (8.12.1887) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 95 (8.12.1887)
Date
1887-12-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1696 dem dies geschehen, kam es dem Manne wie eine Erleuchtung; er hatte jetzt einen Vorwand, vordem General zu erscheinen, da er ihm die Aufnahme des Verwundeten melden mußte. (5t machte sich and) sofort aus den Weg. Als er das Haus der Frau Hauptmann K. betrat, stürzte U)iii diese und ihre unverheirathetc Schwester laut jammernd entgegen. „Ach Herr i'.," riefen die Damen, „wir sind verloren! Heute Abend wird geplündert-und nachher soll unsere Stadt in Flammen aufgehen. Der Prinz ist ganz rabiat." „tan ich zu ihm gelangen, gnädige Frau?" fragte V. „Vielleicht gelingt mir, bei Seiner Durchlaucht für unsere Stadt Gnade zu erlangen." „Golr gebe es," entgegnete die Angcrcdcte. „Kommen Sic, ich führe Sic oben herum durch ein iciteuzimmcr, sonst werden Sie doch nicht vorgelalten!* üe führte ihn Hlntertreppe hinaus und von dort durch eine lange Reihe von Zimmern bis in das Vorzimmer des Generals. „Wie kommen Sie hierher, was wollen Sic?" schrie ihn ein Adjutant in französischer Sprache an. „Die Eigcrrthümcriu dieses Hauses," antwortete L. in derselben Sprache, „hat mich hicrhcrgeführt. Ich habe dem General eine Meldung zu machen." Der General mußte diese Worte gehört haben: er öffnete die Dhüre seines Zimmers und rief in deutscher Sprache: „Treten Sie ein!" „Was haben Sic mir zu melden?" „„Durchlaucht, ich wollte gchortamst melden, daß ein verwundeter französischer Soldat, den ich aus der Straße liegen fand, in meinem Hanse große Straße Nr. 88 Ausnahme gesunden har."" „Wie heißen Sie?" O UM Ter General wiederholte die Meldung auf französisch und sein Sccretär schrieb sie nieder. „Es in gut. Sie können gehen!" „„Durchlaucht wollen mir gnädigst noch eine Frage gestatten. Ist cs wahr, daß heute Abend., „geplündert werden und dann Euer Rest angezünoct werden soll? So ist cs! Eigentlich sollte ich die ganze Bürgerschaft niederschießen lassen. Ihr habt illnminin, weil Euer Kaiser, der siegreiche Held, bei Leipzig unterlegen ist. Das ist Landcsvcrrath. denn hier ist Frankreich!"*) ' *) Die xüüomiidbf cn der Nordsee grh-nrn fcemelS ja .Zrankreich. wädrrrrd daL übrig« Hannover fcon Königreiche Lrsiphcten;ngrrbeitl war. . „„Durchlaucht sind doch ein deutscher Prinz.. „Ich bin französischer Genera! und nun — ich habe zu thun." Traurig ging der Kaufmann von dannen, denselben Weg. den er gekommen. Bor der Thüre warteten die beiden Damen auf ihn, und als sie vernahmen, daß der Prinz bei seinen schlimmen Absichten beharre, erhoben sie ein lautes Weheklagen. Ganz niedergeschlagen kam Herr L. nach Hanse. Bei ihm waren, außer dem Verwundeten, zwei französische Soldaten, Elfäffer, einquartiert. „Meine Freunde," sagte er zu ihnen, „Ihr seid ja eigentlich unsere Landsleute! Helft mir in dieser schweren Noch; ich gebe jedem von Euch hundert Napoleons, wen»Ihr in der kommenden Nacht mein Haus und meine Familie beschützt." „Daß wir Narren wären," antworteten^die Soldaten. „Tie Stadt ist reich, und wir hasten. Viel mehr zu ciucuicn.” Tie Nacht nahte heran; es war der erste Abend des Ehanukah-Festes, ein trauriger Fcstesanfang. Herr L. holte den Ehanukah-Leuchtcr herbei. die Lichter zum Anzündcn vorzudcrciten. Sonst pflegte das seine Frau zu thun; aber diese lag jetzt krank zu Letl. Er seufzte schwer auf, als er die zwei Dochte drehte und in die Lämvcken steckte. Neben ihm standen seine zwei ältesten Töchter, die eine fünf, die andere drei Jahre alt. „Vater," fragte das ältere Mädchen, „warum seufzest du? Hast du uns nicht erzählt, daß die Lichter uns erinnern an die Wunder, die der liebe Gott für uns gethan hat?" Herr L. hob das Kind empor und küßte es. „Du hast Recht, mein Kind. Ter allmächtige Gott, der unsren Voreltern Wunder gethan, wird auch für uns Wunder thun." „Küffe mich auch, Vater!" bat das kleinere Kind. Herr L. hob auch cs empor und küßte es auf die Stirne. „Betet zu Gott, Kinder, daß Er auch uns ein Wunder thnc und uns crrene aus großer Gefahr!" Tic .Kinder hoben ihre Händchen empor, das älteste sprach und das zweire wiederholte die Worte: „Lieder Gott, thue auch für uns ein Wunder, daß wir nicht unter den Wagen kommen!" Tie Worte: „aus großer Gefahr" hatte das Kind seiner kindlichen Anschauung angcpaßt. Herr L. mußte lächeln trotz aller Angst und Sorgen. Dann goß er das Del in die Lämpchen; zum Anzüuden derselben war noch eine halbe Stunde Zeit. Er verschloß die Hausrhüre und stellte mir Hilfe

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