Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 95 (8.12.1887)
- Date
- 1887-12-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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„Diese Anhänglichkeit wird gelockert werden, sobald das Mädchen erfährt, daß cs nicht im Iudenthume geboren, daß es eine geborene Ehristin ist. — Ihr zwingt mich, Krakauer, zu glauben, daß Ihr mir weder ein treuer Diener noch ein wahrhafter Freund seid, daß Ihr Eure eigene Interessen höher stellt als die mcknigen. Rahcl hat mir gestern vcrrathen, daß sie eine besondere Zuneigung für ihren vermeintlichen Bruder Ahron hat. Ihr wollt, daß sie Jüdin bleibe, damit Euer Sohn einst die reiche Erbschaft erringe." ./»Verzeihen die gnädigste Frau Baronin! Nicht im Entferntesten ist mir ein solcher Gedanke oder ein ähnlicher in den Sinn gekommen. Gott, der Allwissende, der Herz und Nieren prüft, weiß es, daß ich nicht einen Augenblick lang daran gedacht habe, für meinen Sohn die Erbschaft der Topolski'- schen /Güter zu erringen. ES ist wahr, die Kinder haben sich lieb, und mein Sohn Ahron würde großen Kummer habe», wenn seine vermeimlichc Schwester Rahcl mein Hans verlassen und in andere Verhältnisse cintrctcn würde. Allein, ich habe ihn so erzogen, und er ist unter göttlichem Beistände so gerathcn, daß sein Herz nicht ausschließlich am Irdischen hängt. Er wird diesen riesen.Kummer überwinden. ES ist wahr, gern möchte ich meinem Sohne diesen Schmerz ersparen; allein, jedes materielle Interesse liegt mir dabei fern. Wenn Eure Gnaden die Tochter nicht anerkennen, so daß sie keinen Kreuzer zu erben Aussicht hat, so werde ich doch nicht zögern, sie mit meinem Sohne zu verloben, da es mir jevt gestattet ist, zu enthüllen, daß ihrer Vereinigung kein verwandtschaftliches Verhältniß im Wege steht."" „Ihr stellt Euch ja merkwürdig uneigennützig! Zwanzig Jahre lang habt Ihr das wcrthvolle Vachtgut fast ohne Entgelt gehabt, und nun wollt Ihr meines Vaters letztem Willen nicht Nachkommen! Ihr sagt. Euer Sohn soll uleine Tochter heiratheu, selbst wenn diese keinen Kreuzer besitzt — Ihr seid viel zu klug. um. nicht zu berechnen, daß meine mütterliche Liebe dennoch, trotz Allem, für das Kind besorgt sein wird, welches ich einst unter meinem Herzen getragen. Ich bin trotz meines ReichthumS eine arme, verlassene Frau, arm an Liebe. Mein Barer ist todt, mein Gatte ist todt, ich habe nichts alS das Kind; ich bttte Euch, entzieht mir mein Kind nicht!" „„Das sei ferne von mir! Aber ich bitte Sie, gnädigste Frau Baronin, machen Sie das Kind nicht unglücklich, indem sie eS zwingen . . ..." „Nicht unglücklich? Glücklich will ich mein Kind machen. Ich will cs überhäufen mit mütterlicher Liebe, will eS erheben auf eine hohe Stufe der menschlichen Gesellschaft; aber zu diesem Zwecke muß sie als Ehristin leben, muß sie Ehristiu fein. Wie könnte ich eine Jüdin liebes!" „„Die gnädige Frau Baronin sprechen das Wort Jüdin mit einer Geringschätzung aus, an die wir nur zu sehr gewöhnt sind. ES wäre vergebenes Bemühen, Eure Gnaden überzeugen zu wollen, daß auch eine Jüdin werth sein kann, geliebt zu werden. Meine Nahe! ist ein seltenes Mädchen, von lauterem Eharakter und edler HerzcnSgüte; mag sie wählen zwischen dem, was die Geburt und dem, was die Erziehung auS ihr gemacht hat oder machen wird. Ich will sie nickt beeinflussen und die Entscheidung ihrer eigenen Wahl überlassen."" „Das genügt mir nicht. Ihr müßt dem Mädchen sagen, daß sie keine Jüdin ist, und keine Verpflichtung hat, Jüdin zu bleiben. Ich ermächtige Euch, ihr mitzutheilcn, daß sie meine Tochter ist. Ich erwarte mit Bestimmtheit, daß Ihr mein Kind spätestens morgen hicrhcrschickt.. auf daß eS für immer bei nur bleibe." (Fortsetzung folgt.) »Ter Israelis erscheint wöchentlich zweimal» MontagS und Donnerstags» jedesmal iu mindestens 2 Loge». Preis deS Jahrgangs für Ternschland und Oesterreich IS Reichs.Mark, für's Ausland 16 RcichS-Mark. Man abonniit ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. All« Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Le» Fachhandel zu beziehe» bei <k. £. ßtrinadicr. fripjig. Dvßplatz 16. — Inserate 25 Pfennige dir dreigrspaNrne Perirzeile oder der« Raum. — Lestrrrrichische Banknoten laut e?our4. — Tirecre Franrozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reiche-Mark oder 8 fl. österr., fürs Lusland 16 Reichs-Mark an dieErprdüisn franko einzuseuden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Joseph. — Zeitungsnachrichten undEorrespondenzra: Deutschland: Vreschen. Pieschen. Posen. — C esterr. - Ungar. Monarchie: Lmal L-ira. Eördö Pine;ede!o. — SLtvci;: Zürich. — Frankreich: Paris. — England: Smal London. — Ru ul and: Petersburg. — Palästina: Jerusalem. — Asten: Bombay. — Amerika: Netv-Aork. — Zrnilleton: Tie Hrrrin von Zitlaoitz. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Das isr. Serneindelkben in Rumänien. — Zeitungsnachrichten und Eotrrspondenren: Teutschland: Berlin. — Oestcrr.-Nngar. 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