Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-12-08 · Heft 95 (8.12.1887) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 95 (8.12.1887)
Date
1887-12-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449789--27632-2517548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

> 5^ 1Ü8L nes Regiments für geleistete Dienste eine besondere Auszeichnung. , A m e r i k a. New Dort. Herr Philipp Benjamin wurde zum Aldermanu des 8. Distrikts erwählt. Feuilleto n. Die Kerrin von ZiliawiH. XI. „Krakauer," sagte die Baronin, als dieser am andern Tage zur bestimmten Stunde vor ihr erschien, „Ihr seid iiumer ein treuer Treuer, ja, ich kann wohl sagen, ein Freund des Grafen, meines hochscligcn Vaters, gewesen; ich hoffe, daß Ihr dieselbe Treue und Freundschaft seiner Tochter bewahrt." „„Sie können, gnädigste Frau Baronin,"" - cntgcgncte Krakauer, üch tief verneigend, „„versichert sein, daß ich stets bereit bin. Ihnen mir der größten Aufopferung zu dienen und die Interessen »reiner gnädigen Gulsherrschafl meinen eigenen voranzustcllcn."" „Ich Zweifele nicht daran. Doch nicht nur materielle Tinge habe ich Euch hicrhcrbcschicden. ES handelt sich gegenwärtig um etwas ganz Andere«. Zunächst habe ich Euch tm Aufträge des hochscligcn Grasen dieses Tocnmcnt zu überreichen. Leffnet cs und leset cs gleich." Krakauer nahm das Schriftstück, welches die Baronin ihm überreicht Halle. Während er cs las, stog ein Strab! der Freude über sein Angesicht. „„Gott sei Dank,"" sagte er, „„das; endlich diese Last von meinem Herzen genommen, daß ich das Geheimniß offenbaren darf, welches namentlich in letzter Zeit mich so schwer bedrückt hat!"" „Ihr sollt die volle Wahrheit wissen, Krakauer. Leset auch dieses an mich gerichtete Schreiben meines Vaters." „„Was auch darin stehen mag,"" sagte der Gutspächrer, daS ihm dargereichte Schreiben nehmend, „„die gnädigste Frau Baronin können meiner strengsten TiScrction versichert sein."" Aachdcm Krakauer das Schreiben des Grafen durchgclesen harte, war sein Antlitz schneeweiß geworden. „„Gnädigste Frau Baronin,"" sagte er, mit zitternder Hand das Schreiben zurückgedcnd, „haben Eure Gnaden die Absicht, die Narhschläge des hochseligen Grafen zu befolgend" „Gewiß. Ich will mein Kind zunächst als Gesellschafterin zu mir nehmen, ihre Erziehung vollenden lassen und sie dann adoptiren. Findet dann Rahe! — sie ist ja noch .nicht gelaust und muß natürlich in der Taufe einen andern Ramcn annehmen — an dem BrudcrSsohne des seligen BaronS Gefallen, so mögen die jungen Leute ein Paar werden, wo nicht, so wird cs doch für die Erbin der Topolski'schen Güter an einer paffenden Parthie nicht fehlen." „„Mögen mir die gnädigste Frau Baronin gestatte», gegen diesen Plan Einsprache zu erheben. Als in jener Rächt der hochscligc Herr Graf mir und meiner Frau das Kind übergab, sprach er: Tas Kindchen da schenke ich Euch; cs gehört Euer und Ihr müßt mir schwören, daß Ihr eS erziehen wollt, wie Euer eigenes Kind. — Das haben wir redlich gcthan, meine Frau und ich. Rahe! ward uns wie unser eigenes Kind, und kein Mensch in der Welt konnie die Beobachtung »lachen, daß wir sie anders hielten als unsre übrigen Kinder. Wir haben Nahe! als Jüdin erzogen, und sie ist wie alle meine Söhne und Töchter, treu dem Gesetze Israels und dem Glaube» an den einzigen Gott. Meinen Frau Baronin, man könne seine tiefinnerste Ilebcrzeugung ablcgen — wie man ein altes Gewand adlcgt — um einen neuen Glauben anzuziehcn? Ter Herr Graf hat mir das Kind geschenkt, das Kind gehört mir, und es wird Jüdin bleiben. Glauben Sie nicht, gnädigste Frau Baronin, daß ich die Absicht hätte, das Minb seiner Mutter zu entziehen; aber ich bitte Sie flehentlichst, lasse» Sic das Mädchen in den Verhältnissen, in denen es erzogen worden ist."" Die Baronin erhob sich. „Krakauer," sagte sie strenge, ,Ihr maßt Euch Rechte an, die Euch nicht zukommen. Das Kind gehört nicht Euch, selbst wenn cs Euch mein Vater geschenkt hat. Wer gab dem Grafen das Recht, mein Kind zu verschenken und über dessen Erziehung zu verfügen? Ihr habt ja auch gelesen, daß nrein Vater c« als selbstverständlich vorausgesetzt hat, daß Ihr das Kind zurückgcbct, sobald ich eS verlange. Run, ich fordere mein .Kind. Schickt es, sobald Ihr nach Hause znrnckgekchrt seid, zu mir auf's Schloß!" „„Eure Gnaden wollen mir nicht zürnen:' ich habe schon gesagt, daß ich das Mädchen seiner Mutter nicht vorcnthalten kann und darf. Allein, die gnädigste Frau Baronin haben sich ja bereits gestern überzeugt, daß Nahe! fest an dem bängt, was sie für den Glauben ihrer Väter hält.""

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.