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Der Israelit · 1887-12-08 · Heft 95 (8.12.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 95 (8.12.1887)
Date
1887-12-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1G80, Wir müssen den Midrasch in zwei nicht im unmittelbaren Zusammenhänge mit einander stehenden Theile theilen. Ter erste Theil bezieht sich auf das Verhalten Josephs gegen die Gemahlin des Potiphar während der ersten Zeit seiner Gesangenschast. Allen ihren trügerischen Verheißungen, allen ihren Drohungen, all den Qualen, die sie ihm bereitete, setzte er eine unerschütterliche Ebarakterfestigkeil entgegen. Ticscr erste Theil detz Midrasch redet ausschließlich vom Lobe Josephs, daß er lediglich auf Gott seine Zuversicht setzte und nicht auf das stolze, lügnerische Weib hörte, trotz ihrer Verheißungen, ihrer Drohungen und der über ihn verhängten Marter. — Ter zweite Theil des Midrasch aber lehrt uns etwas Anderes. Ter Frau dcS Potiphar gegenüber setzte Joseph nur auf Gott und lediglich auf Gott seine Zuversicht: nicht aber dem Lbcrmundschenk gegenüber, den er zweimal ’ir.-c: •jrrosn um seine Fürsprache anging. Wir haben oben gefragt, was Joseph Unrechtes dadurch begangen, daß es im Gcgcntheilc gcrathcn und geboten ist, die Hilfe, die Rettung auf natürlichem Wege zu suchen, daß man stets das Scinige thun und sich nicht auf ein göttliches Wunder verlassen soll. Dem ist allerdings so in Bezug auf jeden Menschen. Jeder Fromme müßte in ähnlicher Lage ebenso handeln; in Bezug aus Joseph jedoch lagen die Verhältnisse anders. Tie Prüfung war ihm nicht unfreiwillig zugekommen; er hatte sie vielmehr gefordert, ’rx nccoj jcn nc:ro. (Sr hatte von Gott verlangt, daß er in ähnlicher Weise wie seine Ahnen geprüft werde, um die Versuchungen überwinden und auS allen Gefahren als Sieger hcrvorgeheu zu können. Daher harte er nicht das Recht, seine Prüfungszeit durch eigenes Bemühen abkürzeu zu wollen; geduldig hätte er ansharrcn müssen, bis seine Prüfung zu Ende ging, und weil er zweimal den Qbcrmundschcnk um seine Fürsprache ersucht hatte, wurde seine Lcidenszeit um zwei Jahre verlängert. Wir aber, wir beten tagtäglich zu Gott, daß Er uns nicht in Versuchung führe, und dcßhalb ist cs uns nicht allein gestattet, cs ist vielmehr unsre Pflicht, selbstthätig, ans natürlichem Wege, die Rettung aus jeglicher Roth unter göttlichem Beistände herdcizuführcn uns zu bemühen. Durch die Prüfungen, die über Joseph gekommen und die er so heldemnüthig bestanden hat, ist er ein Wohlrhäter seines Volkes, ein leuchtendes Vorbild den keuschen Jünglingen aller Rationen geworden. Ihn stellte der sterbende Marharhias — in der Geschichte des herannahcnden Festes — seinen (öhnen alS Muster auf. „Meine Kinder," sprach der von dieser Welt Abschied nehmende Greis, „wir leben jetzt in der Zeit der Roth und des Drangsals. Denkt an Joseph. Er wurde als Sclave verkauft, wurde ins Gefängnis geworfen, wurde gequält und gemartert. Weil er aber treu blieb der Tugend und der Gottesfurcht, zog ihn Gott aus dem Gefängnisse empor, mrd er wurde der Herrscher des Landes." Auch unsrem Volke gereichten die Prüfungen der damaligen Zeit zum Heile und zum Segen. Was wäre aus Juda geworden ohne die Verfolgungen des Antiochus Epiphanes? Ter hellenische Geist hätte sich wahrscheinlich' nach und nach des ganzes Volkes bemächtigt und es zu Sünde und Abfall verleitet. Gleich der schönen Herrin, die de» Joseph verführen wollte, so erschien der Geist des Gricchenthums im Lande unsrer Väter. Die Griechen waren die Herren. Tie Beherrscher Egyptens, dem unmittelbar nach dem Tode Alexanders des Großen, Judäa unterthan gewesen, wie die Beherrscher Syriens, die später Judäa eroberte», waren Griechen. Sie gräcisirren alle ihre Länder und deren Bewohner, nicht allein durch die Macht der Herrschaft, sondern noch viel mehr durch daS Bestrickende des Eultus der Schönheit, durch die Pflege der Künste und der Wissenschaften. Wäre cs Judäa anders ergangen als den großen Völkern der Nachbarschaft? Der volle Genuß dcS Lebens, noch verzehnfacht oder vertausendfacht durch die Art des Genusses — durch Schönheit und Anmuth vergeistigt — das war das verlockende Lebensziel de» Griechcnthums. Wer konnte ihm widerstehen? Verloren wäre Juda gewesen, hätte nicht die wahnsinnige Verfolgung des syrischen Tyrannen die Juden zum Bewußtsein ihrer selbst gebracht und zur hcldenmütüigcn Vcrthcidigimg der höchsten Güter Israels erweckt. Nachdem die Leiden überwunden, da war ein neues Volk erstanden, durchdrungen vom Gottcsgeistc, gefeit gegen alle Vcrführungskünste. :.-v.272E irs pN jra rrVcn er j*p „Ein Ende macht Er der Finstcrniß, jeden Endzweck erforscht Er, bis Er heraus führt aus Finsternitz und Todesscharten zum ewigen Licht." (Jjob 28. 3). So zog Gott den frommen Joseph aus dem finstern Kerker, so beendete Er die schreckliche Finstcrniß der syrischen Verfolgung, indem Er den heldenmüthigen Hasmonäern in wunderbarer Weise den Sieg verlieh, und zum Andenken daran leuchten unS die Ehannkah-Lichrlein als Symbol, daß Gott uns führt Ha iw r.'rrxe, aus Finstcrniß zum ewigen Licht. —

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