Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 95 (8.12.1887)
- Date
- 1887-12-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Lma.3-tr,<mj. J& 95, ' El» Zentral - Grgan für das ortßodore Zudenthum. Heransgezeben von Dr. Lchurana in Mainz. Donnerstag, den 8. Dezember 5648 <1887).- Telegramm. Jerusalem, A. Dez. Freitag Nachmittag wurde an der Wcstmauer dcS heiligen Tempels von der hiesigen deutsch-israel. Gemeinde ein feierlicher Gottesdienst abgchaltc» und für die baldige Genesung Sr. Kaiserlichen Hoheit, des Deutschen Kronprinzen, gebetet. Möge der allgütige Gott unsere hcißinnigen Gebete erhören! — - Leitende Artikel. Zosep?. II. Mainz, 5. Dezember. Die Gemahlin des Potiphar hatte alles aufgeboten, um den schönen, fremden Jüngling zur Sünde zu verleiten. Als er unerschütterlich blieb, verleumdete sie ihn und veranlaßtc ihren Gemahl, den Obersten der königlichen Leibwachen, dem auch die Gefängnisse untergeordnet waren, den standbasten Jüngling in den Kerker werfen zu lassen. Dieses Verfahren der Frau Poriphar's wird gewöhnlich dahin erklärt, daß sich die verschmähte Liebe in Haß verwandelt habe. Wenn dem so wäre, so würde das die heilige Schrift wohl angedcutet haben, wie ja von Amnou erzählt wird, daß feine verbrecherische Liebe zu Thamar in das Gegcntheil umgcschlagen sei. Unsre Weisen erkläreu das Vorgehen der Gemahlin de« Potiphar anders. Nicht aus Haß veranlaßtc sie ihren Gatten, den Joseph ins Gcfängniß zu werfen, sondern in der Absicht, um ihn dort ihrer verbrecherischen Leidenschaft gefügig' zu machen. Als Gemahlin des Obersten der königlichen Leibwachen haue sie freien Zutritt zu dem Gefängnisse, das unter der Oberaufsicht ihres Gallen stand: der Kerkermeister war ein Unterbeamter des Poriphar und daher der Gemahlin desselben ein gehorsamer Knecht. Als nun Joseph im Gefängnisse war, besuchte, ihn daS Weib des Potiphar auch dort, um ihn zu verführen. Sie versprach ihm Freiheit und Wohlleben — Joseph blieb ihren Litten unzugänglich. Da bedrohte sie ihn mit harten Strafen; allein die Drohungen »rächten ebensowenig Eindruck auf den Heldenmüthigen Jüngling wie früher die Bitten und Lcrsprechungen. Nunmehr ließ sie die Drohungen zur Wahrheit werden; sie ließ seine Füße ln dm Block " spannen; das war ein Marterinstrument, in welchem die Füße eingeschränkt wurden, während der Oberkörper freiblicb. Joseph ertrug die Pein und hörte nicht auf ihre Verlockungen. Da ließ sie ihn in ein Eisen schmieden, dessen spitze Kanten sich bei der geringsten Bewegung in sein Haupt bohren mußten. Frechheit, Wohlleben, Glück auf dem Wege des Lasters — auf dem Pfade der Tugend entsetzliche Qual! Allein, Joseph ließ sich nicht beirren; standhaft crttug er alle Schmerzen. Da ließ sie endlich von ihrn ab, und sein Geschick gestaltete sich auch im Gefängnisse zu einem günstigeren. Daher be-. richtet die heilige Schrift -ncn rvza er *m „che er die Gunst des Kerkermeisters gewann, mußte er alle Leiden des Gcfäugnißlebens erdulden.- Nurnnehr wird es uns leicht werden, den räthselhaftcn Midrasch, den wir im vorigen Kapitel erwähnt haben, zu erklären, erm bi* res jö weee er -ex -im irx e*prr“ ir? icxr vr by ,*p? n: ('n 'o * jnn) w :c*:r *nr £ *.EoyTC 'tohi »rror „Heil dem Manne, der auf den Ewigen seine Zuversicht gesetzt hat und sich nicht gewendet hat zu den Stolzen und den trügcrischm Verführern — das ist Joseph. Dadurch, daß er zu dem Lbermundschcnk sprach: Mögest du mein gedenken und mögest du mich in Erinnerung bringen, wurde seine Lcidc«l?zeit um zwei Jahre verlangen."