Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 94 (5.12.1887)
- Date
- 1887-12-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Wien Erlasse, wonach diejenigen Mittckschul-Profcssorcn. welche Abgeordnete sind, für die ganze Zeit der Mandatsdauer von Amtswcgen zn dcurlandcn sind. Hiervon werden die Abg. Stemmender, Ficgl, Kraus, Fuß. Siichtcr, Schuklje und Bendel betroffen. Abgesehen davon, dag diese Professoren während ihrer Beurlaubung einen materiellen Schaden erlcidcu und auch bezüglich des. Avancements verkürzt werden, dürfte überdies diese' Angelegenheit im Wiener Gemcindcrath zu lebhaften Auseinandersetzungen führen, da die Kommune Wien für die vier erstgenannten Professoren, welche an Wiener Kommunalschulcn unterrichten, auch Ersatzlchrcr besolden müßte. Wenngleich der Erlast die Verfügung des Ministers auf pädagogische Rücksichten zurückführt, ist dennoch klar, daß damit den antisemitischen und nationalen Agitationen ein Dämpfer aufgesetzt werden soll. Budapest. Herr Moritz Wahrmann, bat fünfzigtanscnd Gulden zu einer Stiftung gespendet, welche den Namen: „Wabrmann - Lilcratursriftung" führen soll und die zum Zwecke haben soll. Schriftsteller zu unterstützen, deren Werke zur Förderung des Judenthums und des jüdischen Schrifuhums dienen. Im Schostc der Pesthcr Eultnsgemcindc wird ein eigenes (somit« gebildet, welches die cinlaufcnden Werke prüfen und über den Werth derselben zu entscheiden haben wird. Es bedarf wohl keines Wortes um da? edle Werk Wahrniaun's erst feinem volle» Wcrthc und seiner ganzen Bedemuug nach zu würdigen; die segensreiche Wirkung, die demselben zweifelsohne folge» wird, dürfte selbst am überzeugendsten sprechen. Pnpa, im November. Den 5. n. 6. dss. MtS. wurde hier ein großartiges Eoncert zum wohlthärigen Zwecke gegeben. Mitgcwirkt hatten: Hr. Schomogyi, Frl. M. Komarony, Hr. Fr. Licdl. Hr. Joh. Hock, Rcichsiagsabgcordnetcrn. n.M. DcrNcincrtrag wurde für die hiesigen Annen ohne Unterschied der Eonfcssionen bestimmt und so wurde auch den jüdischen Armen, rcsp. den „Malbisch Arnmim" (isr. Kreuzcrverein)-Vcrein eine cnlsvrcchcnde Lumme — 47 fL — zu Thcil. Hr. Tr. Franz Fenyweschi, Reichstagsabgcordnctcr, schreibt in seinem hier erscheinenden Blatte „Papai Lapok." nachdem er den Mitwirkcndcn, und für die große Thcilnahmc des verschiedenen Glaubens angchörcndcn Pnblikunrs feine Anerkennung zollt, unter Anderem: ..... „Noch ist nicht ganz ausgerottet die abscheuliche Klette des Antisemitismus. Wahrlich! ein verrücktes Sttcben, ja noch mehr ein Berrath des Landes ist es, in unserem Lande den Frieden zwischen den Eonfessionea oder wenigstens die gegenseitige Toleranz mit nichlosem Vorhaben zu stören. Ein Landesvcrrath ist es, denn nicht 'eine Eonfcfsion kann dieses Vaterland bloß für sich vindizircn.Daher war dieses „unser" Eoncert eine wahrhafte patriotische Feierlichkeit in der eminentesten Bedeutung dcS Wortes. Eine Feierlichkeit dcS RcligionSfriedenS, der Eintracht und Nächstenliebe." — Wie alljährlich fand auch Heuer an die armen jüdischen Normalschülcr eine Bcrthcilung von verschiedenen Kleidungsstücken statt, welche theils von dem zu diesem Zwecke gegründeten „Malbisch Annnim»" Verein gekauft wurden, theils von edelmüthigcnPhilantropeu gespendet wurden. Tic AnStheilung, welche mit einer Feierlichkeit verbunden ist, fand den 27. November, Sonntag Nachmittag um 3 Uhr. in unserem prächtigen Schullokale statt. Die Intelligenz unsrer Stadt war bei dieser edlen Sache vertreten. Abwechselnde Gesänge und Deklamationen der kleinen Schüler hoben die Feierlichkeit. Nun folgte die Verthcilung. Welche Freude dieselbe den armen Kindern verursachte, die nun muthig dem Eiuzichcn des rauhen Winkers cutgegensehen können, bedarf kaum der Schilderung. 14G Schüler wurden mit Fußbekleidung und anderen Kleidungsstücken versehen. Auch will ich nicht unerwähnt lassen, daß im vergangenen J'.hrc (1SSG/7) der „Malbisch Armnim"-Berein 527 Mitglieder zählte. Die Mitglied-Gebühren betrugen 242 fl. 5S fr. Die ganze Einnahme mitgerechnet die Spenden, war 429 ft. 99 kr., verausgabt wurden ebensoviel, nämlich 429 fl. 99 kr. Möge dieser Verein, dessen Zweck ein heiliger ist, auch ferner fortblühcn und an Protektoren und Mitgliedern immer zunchmcn. G. L—y. Rußland. Ans Rnstland, im November. Einer Reihe von Aussätzen des St. Petersburger Herold über das erste Jahrzehnt der allgemeinen Wehrpflicht Rußlands entnehmen wir folgende Daten: Für das Jahrzehnt 1874—1 SS3'cii:neicn für die Gesammtheit der Rekruten des ganzen Reiches auf die Juden 3.45 pEt. Getrennt betrachtet kamen aus die Juden des Eurc-päischen Rußland (ohne Weichsclgebict und Finnland) 2,79 pEt., auf die des asiatischen weniger als 1 pEt. (doch unterlag hier nur ein Thcil dcr Bevölkerung dem Wehrgcsctz.) Im Wcichfelgcbict entfielen auf die Juden 11,84 pEt. Bctrens des ^relativen Maße? des Wuchses schreibt der Herold lehr bcmcrkcnswerth: Für das Weichsclgebict sehen wir uns verge-