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Der Israelit · 1887-12-01 · Heft 93 (1.12.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 93 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1656 gemacht haben. Tessenungcachtet wußte ich. daß die Ansicht eine verfehlte ist. und obwohl ich schon seit 1878 bezw.. 1S79 und solgcnde Jahre mich in der Lache bcmühcte, war cs das von dem Herrn Prosesior abgegebene Unheil, Welches mich so recht erst in meinem Vorsatz die önentliche Mciuung des Auslandes über die rumänischen Israeliten richtig zu stellen, bestärkte, und damals habe ich cs mir gesagt, daß weil die Meinung einem Vorurtheil entspringt, sie ohnehin mit einem Schlage und nur einer Person gegenüber nicht zu besiegen war, sondern im Einzelnen zerbröckelt werden müsse. Ich machte es mir daher zur Bornahme, das Ansland, welches, wie ich mich vier Jahre lang vorher, 1878—1882, überzeugte, nur vage Begriffe und darum unrichtige Meinungen über Rumänien in seiner Gesammlheir hat, objektiv und gewissenhaft 'auszu klären, die Voreingenommenheit in der speziellen Lache zu zerstreuen durch wahrheitsgetreue Berichte über Thatsachen. die in allerncucstcr Zeit wirklich geschehen, diese Thatsachen zu kritissrcn, zu kommcntiren, aus den Laudesgcbräuchcn. Linen, beschichte zu begründen und aus dem pulsirenden Leben die entsprechenden Belehrungen zu ziehen, besonders die, daß man in Berg.eichen zwischen Rumänien und dem Auslande jenes Land nicht mit europäischem, sondern nur mit orientalischem Blaß zu messen hat, danach also auch die einzelnen Aeußerungcn des dortigen Lebens. Indem ich mich in die Ausführung meines Entschlusses immer mehr hineinledte. traten vor mein geistiges Auge immer mehr Thatsachen aus älterer Zeit, die ich selbst miterledt habe. Immer Heller wurde cs in meinem Gedächtniß, welches für manche Lachen, obwohl ich damals nur fünf Jahre alt war. bis zum Jahre U'M* reicht. Und diese Möglichkeit so weit zurückzuschauen, ist es, die mich den Zusammehang vollendeter und heute bestehender Zustände erkennen ließ, und sie mir ganz begreiflich und folgerichtig machte Ich habe seit 1882 über Rumänien öfter nachgedacht und gefunden, daß daS Land im Allgemeinen nur in seinem Aeußcrn sich alS ein modernes Gebilde darstellt, im Innern aber gänzlich verrottet ist, daß . man nicht verlangen kann, die rumänischen Israeliten sollen besser sein, als ihre Umgebung, daß daS schwere Urthcil über die rumänischen Israeliten darum, weil von falschen Vorstellungen und Prämissen ausgehend und die Wirkung für die Ursache nehmend, nur in gewisser Weise richtig. sonst aber gänzlich haltlos und in der praktischen Turchführung an dem Fehler krankt, daß das Ausland und der von mir hochverehrte Herr Professor die rumänischen Israeliten von jetzt fl882) als eine dem Anscheine nach plötzlich hincingcschucicte Generation ansicht, die physisch freilich eines Tages ausgestorben sein muß, moralisch und geistig aber nicht nur schon vor 21 Iah reu-lebte, sondern auch in denselben Bedingungen in Ewigkeit weiter leben wird, wenn sie sich selbst überlassen bleibt. Wir wollen unS verständigen. Ich selbst bin nach so langer Zeit zwar nicht abgeneigt, der Meinung bcizupstichtcn. daß die konkret jetzige Generation ausstcrbcn soll und. daß erst die kommende Generation besser sein wird. Indeß mit Unterschied: man muß der jetzigen Generation das Sterben erleichtern und der ncuerstehendcn das Leben ermöglichen. Mit anderen Worten, es muß etwas dagegen gethan werden, wenn man nicht will, daß die jedes Jahr erstehende Generarisn (bezw. Gcnitur) in dieFußtapfeu der ab st erbenden trete. Ties geschieht leider seit 21 Jahren regelmäßig und offenbar hat Niemand darari^ gedacht, daß bei dem ununterbrochenen Lichgchenlanen die Generation von jetzt moralisch keine andere ist, als die von 186« bezw. früher, auch keine andere werden wird, weil die rumänischen Verhältnisse allein nicht dazu augerhansind, Altbcstchcndes über den Haufen zu werfen. Es hätte demnach während des in Rede stehenden Zeitraumes das Alte langsam hinwcggeräumt und dem Reuen freie Bahn geschafft werden müs'cn, d. h. zwischen der alten Generation und dem jungen Rachwuchs durch entsprechende neuzeitliche Einrichtungen eine scharfe Trennung dergcstcllt, die Einwirkung der früheren auf die spätere und das Verhalten der späteren im Gange der früheren Generation verhindert werden müssen. Insofern aber dies alles nicht geschehen, insofern die rumänischen Israeliten seit 1866 ohne Leitung aus dem „Midbor" nicht hinaus können, insofern sie durch die Last einundzwanzigjähriger Verfolgung, des Schlendrians, des Fatalismus, ungeklärter BildungSverhältnisse kein eigenes Bewußtsein und keineInitiarive besitzen und rarhlos dastchcn, können wir niemals erwarten, daß die „alte* Generation irgendwann ausstcrbcn, und daß die „neue* ganz von selbst besser gerathen wird. Notwendig war daher durch Ordnung und Beistand die Erziehung der rumänischen Israeliten, in ihrem Gemeinwesen nach innen, damit es im Aeußcrcn wirken kann, sodann: Hebung des Moralische». Erziehung zur Selbstständigkeit und Sclbsthilse. Tiefe letzteren, von der Erziehung stammenden Eigenschaften würden nicht nur eine neue beirere Generation gcschanen, sondern auch von einer im-

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