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Der Israelit · 1887-12-01 · Heft 93 (1.12.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 93 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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’M.:, ,tn.;Zj^^^^^iM^£siisä^iiii^mS^ssi&ä^ili^äiSä^iSSSWä!SSä&äi^ss^^sttäixss^ieä^siSä3uxsssi XXVni. Jahrgang. Anlage zu Nr. 93 des Israelit. Leitender Artikel. Aas israefitische chemcindcleven in Rumänien. Lwkile ÄblhcNung: Remediea (VH—1). i1«» Dp. KIj«ee X. Cor man. Wir haben in dem ersten Theil dieser Aussätze gesehen, in welch desolatem Zustande die israelitischen KulluSgcmeindcn in Rumänien sich bcsinden, auch die Ursachen dieser Zustande au den einzelnen Zweigen der Kultusbcdürfniiie sowohl, als in ihrer Gesammthtir erkannt, durch die kurze Kritik, die ich r'nebcnherlaufcnd) dabei walten ließ. Wie ein rother Faden zieht sich die ganze Narration hindurch der Mangel an Einigkeit für die Hauptsache: den Bestand einer Gemeinde einerseits, und die Rcgcllosigkeit und systemlose Führung für die Nebensachen: die einzelnen KultuScinrichtungcn» die den Bestand einer Gemeinde ausmachen andererseits. Gleichwohl wird umn nach all' dein Dargcstelltcn den rumänischen Israeliten. wenngleich sie die Verkörperung der Schuld sind, recht eigentlich eine Schuld nichl bcimcisen können. Es sind verschiedene mit einander konkurrircndc Umstände, die die Lage derselben so gestaltet und scstgebannt halten, aus welchen sie seit Jahren allein nicht im Staude sind, sich hcrauszureißcn. Tie heterogene Zusammensetzung ihrer einzelnen Bcstandtheilc. die man nur noch im weiteren Criciit und ncustens vielleicht im amerikanischen Hauptccntrum, sonst aber nirgends antrifft: die dadurch ganz naturgemäßen Reibungen untereinander und das Nichtzusammcngchcnkönncn miteinander: die orientalischen Lebcnsgewohnhciten und Siucn des Landes, in welchem sie leben und die sie beeinflussen: die Haltung der Negierung seit lSGG, die cs nicht nur unterläßt eine Ordnung der Gcmcindcverhältniffe von Staats- und Verwaltungswegen zu fordern, sondern sogar eine Ordnung durch allerhand Mittelchcn stetshintcrtricben undunmöglich gemach! hat; die regierungsseitige Verfolgung im Wege der Gesetze und Verordnungen, namentlich in den letzten zwölf Jahren: der Mangel an Selbstachtung und an Bewußtsein ihrer selbst, der Pessimismus und Fatalismus, der in den 2 t Jahre» bis jetzt dadurch entstanden; die mit den Verfolgungen hereingebrochene unbeschreibliche Armuth, die jede Initiative durch den Mangel an pekuniärer Unterstützung von vornherein hinfällig macht-dies alles, und es ließe sich noch manches anführen, bildet eine lange Kette von ineinander greifenden Umständen, die die rumänischen Israeliten nicht herbeigeführt, also nicht verschuldet haben, sondern die in der Natur ihrer eigenartigen Stellung als „rumänische Israelitenliegen bezw. von Anderen ihnen aufgezwungen tvurden. Alle diese Umstände haben die Hauptursache, den Mangel an Einigkeit oder richtiger an Einheit erzeugt und, ist einmal die Hauptnrsache festgcstellt, so weiß man auch, wo mau den Hebel zuerst auzusctzen hat. In einer Unterredung, dir ich im Ma! 18Ä2 in Leipzig — damals noch als Studierender der Nechtswiffenschaft in Berlin — mir einem sehr berühmten israelitischen Professor Deutschlands «. 51. über die rumänische „Iudenfragehatte, gab derselbe sicher in Uukemmnst der eben ausgezählteu Umstände, das niederschmetternde Uriheil: „Die „jetzigenrumänischen Israeliten sind das „Var ha-Midbor“ (Geschlecht der Wüste), sie müssen alle ausstcrbcn, die Generation, die „nach ihnen kommt-, wird besser sein.- Ich war über dieses vernichtende Nrthcil derart betroffen, daß ich im Augenblick keine Antwort fand und die Unterredung adkürzte, weil ich in dem Gehörten den Ausdruck der europäischen und jedenfalls deutsche» bezüglichen Meinung über die rumänischen Israeliten erblicken mußte, einer scheinbar richtigen, aber in Wahrheit vorgefaßten und unklaren Meinung, der ich seit iST.s in Berlin und anderwärts unter verschiedenen Formen öfters begegnet bin. Ich fühlte damals nichl die Kraft in mir, derselben entgegenzurreten und ich gestehe, daß ich daselbst im ersten Augenblick von der augenscheinlich treffende» Sicherheit des Todcsurtheils — ein solches ist esia — bestochen wurde und so zu sagen suggestiv noch lange unter dem Banne dcffclben gestanden bin. Ich glaubte selber die Rechtfertigung dcffclben eben nur in einem flüchtigen Rückblicke aus die de st cd enden unordentlichen Verhältnisse gefunden zu haben, ich hatte während der Konversation nicht die Zeit, auch darüber zu forschen, i n welcher Weise die rumänischen Israeliten zu ihrer „jetzigen- Lage gekommen, mit anderes Worten, ich konnte mir nicht gleich Rechenschaft geben über die Ursachen, die die rumänisch-israelitischen Verhältnisie bestehend

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