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Der Israelit · 1887-12-01 · Heft 93 (1.12.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 93 (1.12.1887)
Date
1887-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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auch für die bedrängte« Brüder. Immerwährend haben die in Sicherheit wohnenden Brüder die Verfolgten und Austzcwiesenen freundlich und zuvorkommend ausgenommen und waren bestrebt, ihr hartes Loos noch Kräften zu lindern. Und so geschieht es auch heute noch; so haben wir es erlebt bei den Verfolgungen in Rußland, bei den Ausweisungen aus Deutschland, indem die Ausgestoßcncn mit Hilfe der sie untcrfrüvendcu Brüder eine neue Heimath in Holland, England, Frankreich und Amerika gefunden haben. Vielfach wird die Frage aufgeworfen, warum überhaupt unsrem Volke eine so schwere Leidensgeschichte bcschicdcn ist worden. Unsre Weisen beantworten diese Frage im Midrasch. Nachdem Esaw sich mit Jakob ansgcsöhnt und das ihm dargebotene Geschenk angenommen haue, da sprach er: ryc: ■pW rc» „wir wollen ziehen, und wollen gehen, und ich will dir gegenüber gehen.- Tiefe cigcmhümliche Ausdruckswcise wird im Midrasch dahin erklärt, das; Esaw dem Jakob den Vorschlag nrachte, diese Welt ebenso wie die künftige Welt miteinander zu tbcilcn. Jakob aber lehnte diesen Vorschlag ab. r"*22 C'*£\~ 2. „Tie ftiubcr werden schwach sein in Erfüllung der Gottes geböte; cprfr rsn cry tvc* cs, wenn sie ungestört die Freuden dieser Welt genießen dürften, er 272-» pn er ,*r;s, so würde sie dereinst der eine Dag, der Dag des Gerichts, hinwegraffcn, *,sn bz vci iss 'syzr bx-ixr mit» verloren wäre die ganze Heerde Israels cb'V2 r.rrr, :yn ny .rey 'szb ':~s s: -ey „Dlöge doch mein Herr (Esaw) vorhcrzichcn vor seinem Unechte und sich ausschließlich erfreuen des Glückes dieser Welt -ncys pesr r.^rens *:s; vtr»; t.7:c. „Ich aber werde langsam vorwärts streben und ausharre» auf nreincm Wege, wenn ich auch Niedrigkeit und Verbannung tragen muß. 77 rrvyv \r.s i-s scs rrs. Bis daß ich kommen werde z» meinem Herrn nach Sür. Rabbi Abahu sagte: Wir finden nirgendwo angcdcntet, daß Jakob während seines ganzen Lebens jemals in Lür gewesen; c5 beziehen sich vielmehr diese Worte ans die mcssianische Zeit, von der es heißt (L^dadja E. l. V. 21): Und es werden Heraufziehen die Helfer aus den Berg Zion, zu richten den Berg Esaw, und Gottes wird seirl die Regierung.- Unser Vater Jakob wollte nicht, daß seine Kinder sich mit denen Esaws vermischen und zu einem Volke werden. Wohl sah er voraus im prophetischen Geiste, welche große Rolle dem Bruder Edom (Rom) in der Weltgeschichte zn sviclen Vorbehalten war. Er aber wollte nicht thcilnehmcn an der .Hoheit, an der Macht, an dem Rcichrhume, au dem Glücke des Bruder?: er verzichtete für sich und seine Nachkonrmen aus die ungestörten Freuden dieser Welt; er wußte, daß der hohe Beruf Israels, ein Gottesvolk zu sein, nicht leicht vereinbar mit dem Bollgenusse der irdischen Freuden. „Tie Binder sind schwach in der Erfüllung der Gottesgcbote,- sie würden das Glück nicht ertragen können und von dem höchsten und edelsten Berufe sich abwendcn und dann dem Strafgericht Gottes, der Vernichtung, verfallen. Teßhalb zog Jakob für die Seinen Niedrigkeit und Verbannung vor. Jakob wollte nicht der Begründer werden eines Volkes, welches in glänzenden Bahrren dahinziehe, um daun in Verfall zu gerathen und zu sterben. Jakob wollte für die Ewigkeit bauen; feine Nachkommen sollten die Treue zn Gott bewahren in Niedrigkeit und Verbannung, um das köstliche Erde zu erhalten für die Zeit, in der es Tod und Vernichtung nicht mehr geben wird. Tie Erfahrung hat nur zu sehr unsrem Vater Jakob Recht gegeben; unser Volk hat während seiner vieltauselldjährigen Geschichte die nur kurze Zeit währenden Sonnenblicke des Glückes am schwersten zu ertragen vermocht. Auch unsre Zeit legt Zengiriß hiervon ab. Tie jüdischen Grafen und Barone, die jüdischen Profcfforen und Koryphäen der Wissenschaft und der Kunst, die jüdischen Millionäre, Minister, Staatsbeamte. Juristen und Acrzte — wie wenige von allen diesen gehören dem gcsevestrcucn Judentlmme an? Tie Beobachtung der jüdischen Rcligionsgcsctze ist aus ihren Famittcn verschwunden , und wie Viele von ihnen verlassen bei dem geringsten Anlaye das theure Vatcrerbe ganz und gar! Tie Töchter der Finanzbarone oerhciralhcn sich mit hochadeligen Verschwendern, um sich unglücklich zn machen für alle Zeiten! Ein verblendetes Geschlecht greift genußsüchtig nach den Freuden dieser Welt und gibt leichtsinnig das echte Gold unsres VärerglaubcnS für allerlei Tand und Flitter her. — Auch in dieser Beziehung können wir sagen: Esaw ist gekommen, und hat das^ eine Lager vernichtet; möge wenigstens das noch ubriggcbliebene Lager errettet werden. Es find Hane, Hane Kämpfe, die wir zu durchkämpfcn haben. Ter Engel Esaws kämpft mit Jakob und lähmt ihm die Hüfte. Tic ganze Nacht des Galuth hindurch dauert der Kampf, bis daß der Morgen anbricht» der Morgen der Erlösung. Tann wird das trotz Elend und Niedrigkeit seinem Gotte treugcbliebene Lager Jakobs sich als Gottessrrciter bewähN haben, und die ganze Menschheit,, auch der Engel Esaws, wird diese Gonesstreirer segnen. Sie aber werden hlnanfzichcn als Bringer des Heils nach dem Berge

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