Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 93 (1.12.1887)
- Date
- 1887-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVIIL Jahrgang. J\s 93< Der Israelit. Ei» KenLrak - Organ für das orthodoxe Zudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehmauu in Mainz. Donnerstag, de« I. Dezember SS-48 <1887). Leitender Artikel. Au 'Karaschaiö Wajifchtach. n. Mainz, 28. November. Die Boten kehren zu Jakob zurück und bringen ihm die Nachricht, daß Efaw in seiner Feindschaft gegen ihn beharre und mit einer (Gefolgschaft von -mu Mann ihm cntgegcnziche. Ta fürchtete sich Jakob gar sehr und cS war ihm bange, und er bereitete sich in dreifacher Weife vor, seinen Bruder zu empfangen. Zuerst zum Kriege. Glicht hoffte er, den feindlichen Bruder zu besiegen; er thcilte vielmehr all das Seinigc in zwei Lager, darnit, wenn das eine geschlagen würde, wenigstens, das andere entrinnen könne. Unser Barer Jakob hat hierdurch seinen Nachkommcn eine große Lehre gegeben und es wird uns erzählt (!. B. d. M. E. 8, B. daß der Prophet Lbadjah, der Haushofmeister des Königs Achab, in ähnlicher Weife verfahren. Bor dem Mordfchmcrtc der.böscn Königin Iscbcl barg er hundert Prophetenschülcr, je fünszia in einer Höhle, und versorgte sie mit Speise und Trank während der Jahre der Hungersnoth. Nicht zusammen lies; er sie wohnen, damit, wenn 2scbcl die eine Höhle entdecken und deren Insassen eusrotten würde, die Prophetenschülcr in der andern Höhle errettet werden möchten. 2» allen den Leiden und Verfolgungen der lange» und oftmals traurigen Geschichte unsres Volkes hat sich dieses Verfahren unsres Vaters Jakob vielfach bewährt. Als das römische Weltreich den Ueberrest Israels ganz und gar zu zermalmen drohte, da erblühte dem bedrängten Volke ein neuer Frühling an den Usern des Euphrath und des Tigris unter der Herrschaft der Parthcr und Gabrier. Als später der schwere Truck der Khalifeu unsrem Volke im Osten gefährlich wurde, da erblühten zahlreiche jüdische Gemeinden in den Ländern des Westens, in Spanien und Portugal, in ' 2tnltcii, in Frankreich, in England und Deutschland. Als in den zuleptgenanuten Ländern Verbannung und Verfolgung überhand nahmen, da öffnete sich ihnen der Norden, und Kasimir der Große gestaltete ihnen.. sich in Polen und Liuhaucn anzusicdeln. Als nach mehr als hundert Jahren viele Hundcrttanscnde die pyrenäische Halbinsel verlassen mußten, gewährte ihnen das nengegründete türkische Reich eine Zufluchtsstätte: die heimlich Zurückgebliebenen fanden wiederum hundert Jahre später eine Zuflucht in den von Spanien abgefallcncn Niederlanden, wo vordem keine 2ude hatte wohnen dürfen. Als im scchSzehntcn Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung der Druck und die Verfolgung auf den in Tcutschland zurückgcdliebenen Israeliten so schwer lasteten, da forderte der große Rabbi Moschch Isscrlis ans Krakau seine Glaubcnsgcnoffcn auf,Edas ungastliche deutsche Reich zu verlaffcn, um in Polen Ruhe, Sicherheit und Freiheit, um daselbst eia nienschenwürdiges Dasein zu erlangen. Seitdem haben sich die Vcrhältniffe gar sehr geändert; in den Ländern des Westens leben die Juden frei und froh und glücklich, wahrend in dem großen EZarenreiche die politischen und socialen Verhältnisse derselben sehr viel zu wünschen übrig lassen. — So hat Gott die Gcsammtheit Israels niemals dem Verderben preisgegcbcn. Er hat ihnen immer einen Zufluchtsort bereitet, wo wenigstens ein Thcil der Israeliten sicher und geborgen war. Zlnd er sprach: wenn kommen wird Esaw zu dem einen Lager, um cs zu schlagen, so wird das andere Lager zur Ncttung sein/ zur Rettung nicht nur für sich, sondcr»