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Der Israelit · 1887-11-28 · Heft 92 (28.11.1887) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 92 (28.11.1887)
Date
1887-11-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVffl. Jahrgang. Anlage zu Nr. 92 -es Israelit. Leitender Artikel. Micke in die HeistestßätigKeit Htaschi's. Hamburg, 21. November. Ter Verein „Mekor Ehajim" hat auch in diesem Winter seine beliebten populärwissenschaftlichen Vorträge wieder ausgenommen. Ten Reigen derselben cröffneteHcrr Tr. Rath an mit einem Vorträge über die „Sprüche der Väter." Am letzten Sabbat Abend sprach Herr Tr.A. Berliner aus Berlin indem Vereine, indem er in einem zweistündigen Vortrage „Blicke in die Geistesthätigkeit Raschi's" warf. Der Name des Redners und das interessante Thema genügten, um den Vereinssaal zum Erdrücken mit einem dichtgedrängten Publikum zu füllen, welches den Ausführungen des Redners unter lebhaftesten Bcifallsbezcugungcn folgte. Ta der Vortrag über den großen jüdischen Geistcshclden eine Fülle des Interessanten und theilwcise auch Unbekannten bot, so will ich es mir nicht versagen, eine kurze Inhaltsangabe der Rede nach stenographischen Aufzeichnungen für Ihre Leser zu geben. Ankuüpfcnd an die rhetorische Frage: „Wer kennt Raschi nicht?!" beklagteder Vortragende in der Einleitung den absoluten Mangel von Kenntnis, der in weitesten Kreisen und zumal bei der Heranwachsenden Jugend über das Leben und Wirken unserer Gcistcsherocn und in erster Reihe Rafchis herrsche, ohne dessen Talmudcommentar nach dem Unheile der größten Lehrer in Israel „der Gesammtinhalt der mündlichen Lehre verloren gegangen wäre." Daher wolle Redner nur einige Blicke in die Geisteswerkstart des „GesetzescrUärcr" werfen, aus der nicht allein seine Kommentare, sondern auch seine noch wenig bekannten und noch nicht cimnal gesammelten Entscheidungen hcrvorgcgangen seien. Gerade in diesen spiegelt sich seine Eharaktergröße, seine selbstlose Bescheidenheit, seine Sanftmuth und Milde wieder. Zeugen die Eommentare von der Erhabenheit seines Geistes und der Klarheit seines Denkens, so leuchtet^ uns aus seinen Entscheidungen der Adel seiner Seele, die Innigkeit seines Fühlens entgegen. Raschi — d. h. Rabbi Salomo Iizcha? hieß er Anfangs gar nicht, vielmehr kannte ihn die Mitwelt nur unter dem Namen roVr 12*2-1, „unser Lehrer" oder auch „unser großer Lehrer Salomo." Bei den älteren Tosafisten erscheint er als d. i. nzbv vT) und erst als der fONsra et"*), R. Schimschon aus Sens genannt wird, fügte man dem ersteren Namen den Namen des Vaters hinzu. Der Naved nennt ihn fast verächtlich »rensn, „den Franzosen", was ihn indeß nicht abhält, gerade der Ansicht Raschis oft gerecht zu werden. Spätere, besonders R. Jesaia aus Trani, nennen ihn allgemein ni*2.-r, „den Lehrer-. Fälschlich nannte man ihn (vom Verf. des p"v"o bis zu Gcsenius im Thesaurus) ha-Jarchi, d. h. der aus rrv (Lünel), denn Raschi stammte bekanntlich nicht aus Lünel in der Provence, sondern wurde in Troyes in Nordfrankrrich geboren. 10-iO, im Todesjahr des Rabbcnu Gcrschom erblickte er das Licht der Welt, um gleichsam den alten Satz rsm ta mm n*m. (Eine Sonne strahlt, wenn die andere erloschen sst) zu bethätigcn. Von seinem Vater R. Iizchak wissen wir nichts, doch ist die Behauptung unerwiesen, daß er kein Gelehrter gewesen sei, und daß daher sein Sohn nur aus Pietät mit einer angeblich nirgends auffindbaren dem Vater in den Mund gelegten Frage seinen Pentateuchcommcntar beginnt. Die Quelle dieses Midrasch ist wohl aufgcfnnden worden im Ialkut Abschnitt und zu Psalm 101, und ebenso steht die ganze Stelle in dem neu gedruckten Tanchuma. Indeß zeugt andererseits keineswegs für die Gelehrsamkeit des Vaters das Wort -.-2 '2* (Eonrrncntar zu Aboda sara 75 a), da dieses Eitat dcm Raschbam angehört, welcher den genannten Traktat stark glossirt hat. Die Mutter Raschis war eine Schwester R. Simeons, wie Raschi selbst schreibt (Sabbat 85 d, Erubin 42b). Dieser R. Simeon war ein Schüler R. GerschomS, kann also mit R. Simon, „dem Großen", nicht identisch sein. In Troyes hat Raschi gewiß den ersten Unterricht empfangen, um bald, dem Beispiele Anderer folgend, nach der berühmtesten Hochschule Deutschlands, nach Worms, zu pilgern, wo zur Zeit das Lehrhaus unter der Leitung des R. Jakob b. Jakar stand. Dieser, wie seine beiden anderen Lehrer waren Schüler des R. Gcrschom. Auch dieser war einst aus Frankreich nach Mainz gekommen, um imBeth» hamidrasch Sir Lcontins (-72.1 mvr '->) den Grund zu seiner zukünftigen Größe zu legen. An R. Jakob den Jakar hing Raschi mit besonderer Verehrung, er nennt ihn *212, bei ihm lernte er nach eignem

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