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Der Israelit · 1887-11-28 · Heft 92 (28.11.1887) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 92 (28.11.1887)
Date
1887-11-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1638 »„Frau Baronin sind zu gnädig"", sagte sie; „„ich weiß nicht, wodurch ich so viel Güte verdient habe."" Die Baronin zog da» junge Mädchen an sich und küßte es auf die Stirne. „Mein Kind, mein Kind!" jubelte es mit lausend Stimmen in ihrem Innern. „„Gnädigste Frau"", sagte Nahe!, nachdem sie sich wieder gesetzt hatte, „„Sie überhäufen mich mit so viel Güte, daß es mir ungemein schwer wird, Ihren so liebevollen Antrag zurückzuweisen.. Ich bin Jüdin, gnädigste Frau, ich kann nicht an Ihrer Tafel speisen, ich kann Sie nicht in die Kirche begleiten , kann an Sabbaten und Feiertagen nicht mit Ihnen spazieren fahren; gehindert wäre ich in vielen Stücken, wenn die gnädige Frau Baronin Besuche machen oder Fremde empfangen."" „Freilich, wenn Tu meine Gesellschafterin würdest, so könntest Tu die jüdische (Zeremonien nicht beobachten; allein das wäre auch gar nicht notwendig. Ich weiß mit Bestimrntheit, daß Deine Eltern zustimmen werden, daß Tu hier im Schlosse so lebst, wie ich lebe." „„Darf ich cs wagen, gnädigste Frau, Ihnen zu widersprechend C, Frau Baronin, Sie kennen meine Eltern wenig, wenn Sie das glauben. Mein Bater und meine Mutter und die Geschwister, wir alle sind treue Anhänger unserer heiligen Religion und für dieselbe begeistert. Mein Vater, glaube ich, würde lieber sehen, daß ein Kind von ihm sterbe, als daß es zu den Gesetzcsvcrächtern gehöre. Meine Mutter würde sich zu Tode grämen, wenn eins von ihren Kindern die Spciscgesetze übertreten möchte. Rein, gnädigste Frau, niemals werden meine Eltern dazu ihre Zustimmung geben!"" Tie Baronin lächelte. „Du bist noch sehr jung, liebes Kind", sagte sie, „und hast vom Leben noch wenig erfahren. Glaube mir, es gibt Tinge, die sich Teiner Bcurthcilungskraft entziehen, und wenn ich Tir sage. daß ich der Zustimmung Deiner Eltern gewiß bin, so kannst Du dessen versichert sein." „„Gnädigste Frau, ich kanns nicht glaube«. O, wenn Sie sehen möchten, mit welcher Gewissenhaftigkeit bei uns jedes Gottesgebot und jede rabbinische Vorschrift beobachtet werden, wie man in unserem Hause die Sabbate und Feiertage begeht! Es fällt das manchmal sehr schwer und in der Landwirthschast ist es oft doppelt schwierig. Zn Erntezeit, wenn Regen droht, da gibt eS für die Christen weder Sonntag noch Feiertag. Mein Vater aber läßt nicht das Geringste anrührcn. Sie sollten sehen, gnädigste Frau, wie bei unZ die zwei ersten Lstcrabende verbracht werden, mit welcher Begeisterung mein Vater von all den Wundern erzählt, die Gott an uns gethan hat, und wie er uns dann ermahnt, dem Glauben unserer Väter und den Gesetzen unserer heiligen Religion treu zu bleiben — Sie würden sagen: Nein, das ist unmöglich, Mose» Krakauer kann nicht zugeben, daß eins seiner Kinder Gottes Gesetze überttete."" „Ich wiederhole Tir, liebes Kind, es gibt Tinge, die Tu nicht zu beurtheilen vermagst. Deine Eltern werden nichts dagegen haben, daß Du zu mir ins Schloß ziehest und hier so lebst wie ich lebe." „„Frau Baronin haben Recht, ich kann das nicht begreifen, muß es aber glauben, da Sie es mit solcher Bestimmtheit versichern. Allein, wenn meine Eltern auch zustimmen — mein Bruder Ahron würde mich verachten, und das wäre mir schlimmer, als der Tod." Wiederum lächelte die Baronin. „Auch der Zustimmung Deines Bruders Ahron", sagte sie, „kann ich Tich versichern." „„Gnädigste Frau, Sie setzen mich in Verwirrung. Eher könnte ich glauben, daß die Welt aus den Fugen geht. Allein, sollte auch Aue ganze Welt es für recht und vernünftig erklären, daß ich GoitcS heilige Gebote überttete. ich, ich würde es niemals thun."" (Fortsetzung solgt.> .Der Israelit* erscheint wöchentlich zweimal, Montag? und Donnerstag-, jedeSmal in nrinbtfstRS 2 Sogen. Urcil btfi Jahrgang» für Deutschland und Lesterreich 12 Reichs-Mark, für S Ausland 16 Reichs-Mark. Mau abonnirr gaurjährig. halbjährig oder virrrrljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch btn Buchhandel jh brjitljrn bei <k. /. Sleinackrr. tripjig. Dohpluh 16. — Inserate 25 Pfennige di« dreigespaltene Paitzeile oder deren Raun. — L>st»rreichische Banknoten laut CourS. — Tirecte grancozm'endung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Lesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für'S Ausland 18 Reichs-Mark an die Sxprdiriün franr» «inzusenden. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Zu Para'chath Lajischlach. — Zeitungsnachrichten und Eorrrspondmzen: Deurjchlaerd: Frantfun a. M. —' Italien: Turin. — Türkei: Lalonichi. — Afrika: Jtaiman. — Feuilleton: Tie Herrin von Zinawi?. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Blicke in die Eeistesthätigkeit Rafchi'S. — Zeitungsnachrichten und Eorrefvondenzrn: Deutschland: Berlin. Tillich. — Evanien: Madrid. — Italien: Brnedig. — Lerantwottliche Redaction: I*r. Lehmann in Mainz. — Expedition bei .Israelit* gr. Bleiche 45. Druck und Verlag von OScar Lehmann in Mainz. (Hierzu eine Beilage.)

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