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Der Israelit · 1887-11-28 · Heft 92 (28.11.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 92 (28.11.1887)
Date
1887-11-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1637 Tau ist daher geographisch erwiesen, und es zeigt sich so, daß der arme (ribab gar nicht gelogen har. wie inan cs in Breslau gerne glauben wachen möchte. Raw Ha« Gaon, der ein Zeirgcnonc Eldad's war, urtheilte daher ganz richtig über ihn, daß er an und für sich ein wahrheitsgetreuer Man» sei. nur hätten ihn die großen Reisenabcntcuer ein bischen schwachsinnig gemacht. Toch nächstens mehr über diesen merkwürdigen Mann. F e u i J_f (ton. Die Lerrin von ZittawiK. nn. ~ Als Nahe! in das Boudoir der Baronin trat, erhob sich diese und ging ihr entgegen. Laut vochre ihr Herz, und gern hätte sie das junge Mädchen umarmt und geküßt; allein sie bezwang sich. „Tu bist die älteste Tochter des Gntspächlers Krakauer?" Rahel verneigte sich. „Wie heißt Tu, mein .Kind?" „„Nahe!, gnädigste Frau."" „Leye Dich hierher, liebes Kind." Tie Baronin wies dem jungen Mädchen einen Play an, auf welchem ihm das Licht voll in's Gesicht fiel, während sie selbst' im Scharten saß. Staunend betrachtete die Baronin diese Gcsichtszüge. Ja, das Mädchen war ihr leibhaftiges Ebenbild; genau so hatte Sidonie ihr Bild im Spiegel erblickt. als sie noch der Ingcndftische sich erfreute. — Für Nahe! sing die Stille an peinlich zu werden; die Baronin bemerkte cS und sagte erklärend: „Ich betrachte Dich dcßtzalb so genau, liebes Kind, weil ich wünsche, daß Tu zu wir in ein näheres Vcrhältniß trittst. Nach den schweren Schicksalsschlägcn, die nrich betroffen haben, bin ich ganz vereinsamt. Man hat Tich wir sehr gerühmt. Wie alt bist Tu, liebes ’Sitnb?" „„Ich werde bald zwanzig Jahre."" „Gefälll cs Tir in Deinem älterlichcn Hause?" „„Wie sollte es mir da nicht gefallen? Meine Eltern sind so liebevoll und zärtlich gegen mich, und wir Geschwister vertragen uns sehr gut miteinander. Ähron, mein älicster Bruder, ist ein ganz vorzüglicher Mensch: so schön, so brav, so fromm, so fleißig, so gcschcidi, wie cs wohl wenige Menschen aus Erden gibt. Auch die übrigen t'>)cschrvister sind alle herzensgut, und wir lieben uns innig."" „Wird cs Tir nicht manchmal, zu einsam auf Eurem. Hose, sehnst Tu Tich nicht manchmal hinaus in die große Welt?" „„Ja wohl, gnädigste Frau; auch macht mir ein Gedanke Kummer. Mein Bruder Ahron soll bald hcirathcn; da fürchte ich, die fremde Person werde einen Mißton in unser einträchtiges Familienleben bringen."" „Und Tu, denkst Du nicht daran, daß auch für Tich bald die Zeit zum Hcirathcn kommen wird?" „„Scein, gnädigste Frau, ich werde niemals heiralhcn. Schon haben viele junge Leute um mich geworben: ich habe sie alle zurückgewiesen."" „Warum willst Tu nicht hcirathen?" „„Ich habe noch Keinen gefunden, der so wäre wie mein Bruder Ahron, und einen solchen gibt eS wohl nickt mehr auf der ganzen Welt. Auch Ahron will nur ein Mädchen heirathen, das mir gleicht. Unsere Eltern sagen, wir seien thörichte Kinder; sie »lögen Recht haben; allein, cs ist doch einmal so."" „Was Tu mir da erzählst, Nahel, paßt ganz gut zu dem, lvas ich mit Tir vorhabe. Ich möchte Tich zu mir in's Schloß nehmen, damit Tu mir in einsamen Stunden Gesellschaft leistest." „„Gnädigste Frau, wie könnte ich armes, ungebildetes Mädchen einer so vornehmen, hochgebildeten Dame zur Gesellschaft dienen:"" „Tu hast in gewisser Beziehung Recht. Ich könnte mich an ein Stellcnvcrmittelungs-Büreau in Wien wenden und würde für vieles Geld eine hochgebildete, vielleicht gelehrte Dame cngagircn. Die besten Zeugnisse würden für die Fähigkeiten garantiren; ihren Eharakter aber, ihre Herzensgute — dafür gibt es leine Bürgschaft. Ich will auch kein gelehrtes, vielleicht verbildetes Frauenzimmer bei mir haben; ich will ein junges Geschöpf aus guter, einfacher Familie zu mir nehmen. Gerade Tu vereinigst in Tir die Eigenschaften, die ich beanspruche. Tu bist die Tochter eines alten treuen Dieners meiner Familie. Deine Gcsichlsznge, Deine Gestalt, Tein Wesen sind mir sympathisch. Du scheinst sehr intelligent zu sein, denn Deine Antworten sind klar und bcstinuut. Daß Tcinc Bildung manche Lücken und Mängel hat, ist sehr wahrscheinlich. Allein gerade das reizt mich. Ich selbst werde Tich unterrichten und alle diese Lücken aussüllcn, den Mängeln abhclfen. Ich bcsiye, Tank der Fürsorge meines seligen Vaters, ein reiches Wissen, und da hat doch mein Leben einen Inhalt und einen Zweck, wenn ich davon Jemandem, den ich lieb habe, mitrheile: denn ich fühle es, ich werde Tich lieb gewinnen, Rahcl'" Nabel waren die Thränen in die Augen gerrctcn; sie erhob sich und küßte der Baronin die Hand.

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