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Der Israelit · 1887-11-28 · Heft 92 (28.11.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 92 (28.11.1887)
Date
1887-11-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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MOflHrTaBnrw 1636 Jbn Schahin, dann Tunasch-Bcu-Tamim rc. Ties war eben das goldene Zeitalter für die Juden Nordafrikas. Dasselbe sollte jedoch nicht lange dauern. Denn bald nach der Landung Ludwig des Heiligen, Königs von Frankreich, in Tunis, wurde die Stadt Kairuan, die von jeher schon den MoslimS als eine heilige galt, da in ihr der Freund und Barbier des Propheten Mohamcd, Sidi Sahib, ruht, den Christen bei Todesstrafe verboten, welches Verbot bald darauf auch auf die Juden ausgedehnt wurde. Tie in der Stadt lebenden Juden mussten nun dieselbe mit Kind und Kegel verlassen, worauf ihre Synagogen und Lchrhäuser in Moscheen umgcwandelt, während ihre Wohnhäuser su Gunsten des Fiscus veräusscrt wurden. Tas Ansehen der Stadt, in der jcvt nur Gläubige wohnten, stieg dadurch bedeutend in den Augen der Moslims und wurde nun Kairuan nach Mekka und Medina zur dritten heiligen Stadt erhoben. Cine siebenmalige Wallfahtt nach Kairuan ward so hoch angercchnct, wie eine nach Mekka. Wagte oder verirrte sich nun ein Christ nach dieser heiligen Stadt, so wurde er sogleich enthauptet und sein Haupt daun auf einer Stange über dem Staduhorc ausgcpflanzt. Siam ein Jude zufällig oder absichtlich in diese Stadt, so wurde er über die hohen Stadtmauern in den Graben vor denselben hinabgcstürzt. So blieb es bis vor sechs Jahren. löst bcscytc nämlich eine französische Armee Kairuan, und die Stadl verlor ihren Heiligenschein. Ihre Thore wurden nun den Christen und Juden zugleich geöffnet und zur grossen Bctrnbniss der Moslims wurde don sogleich auch ein christliches Gasthaus unter dem Namen „Hotel de France" ctablirt. Auch einige Juden, die von dem nahen Tunis tarnen, wohnen nun dort und sind sic zumeist Lieferanten der französischen Armee. Tic Gebäude, welche ehemals als jüdische Gottcs- und Lchrhäuser dienten, sind heute kaum noch zu erkennen, da sic im Laufe der Jahrhunderte mehrere Male uurgebaul wurden. Ter ehemalige indische Friedhof daselbst, in dem so viele jüdische Geistessurstcn ruhen, dient heute einem Mohamcdancr als Obstgarten. Kairuan wurde im Jahre <»75, von dem Fcldherrn des Khalifen. Sidt Stbah gegründet, der ihr auch den Namen.Karawanenstadt (Kairuan» beilegte. Ilm seine neue Schöpfung mir Prachtbauten schmücken zu können, ließ er das neun deutsche Meilen davon an der Küste gelegene Hadrnrnerurn, das noch die Phönicicr gegründet Hanen, zerstören. Tic Säulen und noch andere Bestandthcile der in Hadrumctum vorhandenen Prachtbauten aus der Zeit der Phönicicr, Römer und Griechen wurden nach Kairuan gebracht und so kommt es» dass die berühmte grosse Moschee in dieser Stadt, die siebzehn Schisse zählt» auf 126 Säulen ruht (rechnet man die in den Nebengebäuden und Vorhallen befindlichen Sänken noch dazu, so wird man an 500 zusammcnbringen), die ein ganzes Kunterbunt btldcn, da eine nicht der anderen gleicht, weder in Farbe noch in Form. Zum Schluffe will ich noch bemerken, daß auch der berühmte jüdische Reisende des Mittelalters» Cldad der Tanite (*rvs irbx), eine längere Zeit m Kairuan gelebt bat, und suchte die dortige jüdische Gemeinde über die Person und die Wahrheitsliebe dieses sonderbaren Fremden Erkundigungen bei den jüdischen Gelehrten in Sura und Pum-Badita einznholcn. Bekanntlich hat es einem modernen jüdischen Geschichtsschreiber beliebt, den armen Cldad, diesen jüdischen Ulysses, als einen abgefeimten Betrüger hlnzustellcn, der es nur auf die Börse und die gute Tafel feiner Glauvrusgcüvsmr abgesehen haue, zu welchem Zwecke er sich nicht nur eine von den haarfträubcnstcn Abenteuern stroxende Rcisebcschrcibung zusammenlog. sondern zugleich auch seine Perron selbst mit einem Glorienscheine umgab, indem er sich einen Sohn des in der arabischen Wüste nomadiffrcndcn jüdischen Stammes Tan nannte. Da ich nun die Absicht habe, später aus diesen iüdir'cheu Reisenden und seine seltenen Crlcbrrine in einer besonderen Reihe von Artikeln ausführlich zurückzukommen, so will ich einstweilen die Ansicht dieses jüdischen Historikers unangefochten lassen, macke jedoch schon jcpt daraus aufmerksam, dass ein Stamm Tan wirklich eristirt und findet er sich nicht nur im grossen, sondern auch im kleinen Sticker aus der .Karre von Arabien verzeichnet. Tiefer Stamm wohnt circa zwölf Tagereisen nördlich von der den Engländern gehörenden arabischen Sccscstnng Aden und nennt er sich: „Sidt Tan (Stamm Tan)? Cs ist indcss sehr schwer, zu ihm zu gelangen, da das Reifen in dem unwirthlichcn und von äußerst fanatischen Stämmen bewohnten Arabien noch heute mir Lebensgefahr verbunden ist. Ter englische Gouverneur von Aden hat schon einige Male versucht, mit diesem sonderbaren Stamme in Verbindung zu treten, wurde aber immer durch die dazwischeuhausendcn Stämme daran gebindert. Jüdische Kausteure aus Sana in Zstmen haben indcss diesen Stamm und denen Hauvtorr Mariba schon besucht. Ter Name Mariba (2-^2) verrätst sogleich seine hebräische Abstammung, dcuu wäre er arabischer Herkunft, so müsste er „Maghriba" lauten. Tie Existenz cincs Stammes

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