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Der Israelit · 1887-11-28 · Heft 92 (28.11.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 92 (28.11.1887)
Date
1887-11-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1634 harmonischen Vollendung die höchste Bewunderung erregen muß. Auch liier vereinigt er überall mir dem Talmudischen das Philosophische, um neben der Psiichtcnlehre auch den Lchriuhalt des Judenthnms in's richtige Licht zu stellen. Sieben der höchsten Verehrung, die dieses Werk noch bei Lebzeiten des Verfassers selbst in den entferntesten Gegenden fand, erweckte cs aber auch eine Lppositon, deren Gründe man nicht unbedingt mißbilligen kann. Viele, vor Allen, der berühmte 9t. Abraham ben David lRabcd) fürchteten, daß dieses Werk gerade wegen seiner Formvollendung, und weil es die gesicherten Resultate aus der talmudischen Diskussion zu bringen versprach, bei Mauchen das Talmudstudium als überflüssig erscheinen lasten werde, und wahrlich, cs wäre ein wesentlicher Verlust gewesen, wenn dieser lebendig sprudelnde Quell, au dem das Geistesleben Israels seit Jahrtausenden sich erfrischt und gestärkt hatte, jetzt hätte versiegen sollen, wenn nur das Gedächtnis; noch und nicht mehr, wie früher, alle Scclcukräfte für das Studium der Thora in Anspruch genommen werden sollte. Maiinonidcs verwahrte sich auf's Lebhafteste gegen diesen ihm gemachten Vorwurf; es habe ihm fern gelegen, dem Talmudstudium Abbruch thun zu wollen; er habe im Gcgculheil cs durch sein Werk zu fördern beabsichtigt und nur denen, welche die sicheren Resultate verlangten, diese auch bieten wollen. Gr berief sich darauf, daß er bei seinen eigenen Vorträgen nicht sein Werk, sondern den Talmud oder den Alfaßi zu Grunde gelegt. Sein drittes, großes Werk, der „More Newuchim", verfolgt nun den Zweck, das Iudcuthum als mit der philosophischen Weltanschauung im Ginklang darzustellcn. Widerlegt werden darin die irrigen Vorstellungen, welche durch die wörtliche Anstastüng einzelner Bibclstcllcn erweckt werden können. Alsdann wird die von den Aristorclikern ausgestellte Theorie, daß die Schöpfung, eine Schöpfung ans Nichts, der Vernunft widerspräche, mit den eigenen Waffen der Philosophen widerlegt, wobei Maimonidcs sich nicht scheut, dem sonst von ihm hochverehrten Aristoteles cutgegenzutreten. Das Wesen der Prophetie und die so außerordentlich schwierige Frage der menschlichen Willensfreiheit werden von neuen Gesichtspunkten aus beleuchtet, die einzelnen Gebote des IudcuthumS vernuufturäßig erklärt. Manche spätere Forscher sind, namentlich im letzten Punkte, andere Wege gegangen, und cs hat dem Werke nicht an Gegnern'gefehlt: keiner aber, der sich in den Gedankengang des Mairnonidcs vertieft, wird ihm das Zcugniß eines ernsten, eifrigen Forfchcns nach Wahrheit und Licht und einer warmen Begisterung für das Iudenthmn versagen könne». Nachdem Redner noch einige Sendschreiben der Maimonides besprochen und charakrerisirt hatte; schloß er mit der Zusammenfassung des ganzen Lebensbildes und mir dem Wunsche, daß die Begeisterung für Wissenschaft und Religion, wie sie in Maimonide? geglüht habe, auch Israel erhalten bleibe. — Lebhafter Beifall lohnte den interessanten, durch den reichen Inhalt, wie durch die Formvollmdung bis zum Ende fesselnden Vortrag. Italien. Turin, 0. November. Es ist ein altes Gesetz der Natur, daß Licht und Finsterniß mit einander abwechseln müssen, da fortwährendes Licht die Augen blenden und andauernde Finsterniß die Sehkraft abstumpfen würde. Auch dem menschlichen Geiste mag cs sehr woblthuend sein, wenn das allzustarkc Licht, das ihn umstrahlt, hie und dadurch ein kleines Gewölk ein wenig verdüstert wird. Tie Juden Italiens werden bekanntlich schon seit Jahren umstrahlt von dem Lichte der Duldsamkeit, der Glaubensfreiheit und der bürgerlichen Gleichberechtigung und so müssen sie es jetzt schon ruhig ertragen, wenn ein frommes katholisches Blatt, das früher aus ihrer Seite stand und sie nach Straften gegen ihre Verleumder vertheidigte, plötzlich eine andere Richtung cinzuschlagen beginnt und nach und nach antisemitisch wird. Ich. meine damit das hier erscheinende Hauptorgan der Elcricalen Italiens, die „Unita Gartolica", die, solange ihr früher Ghcf- Rcdakrcur, der kürzlich erst verstorbene Priester Ton Margotti, an ihrer Spitze stand, judcnfteundlich gesinnt war; jetzt aber, seitdem sie von anderen Händen rcdigirt wird, ihre Feder nun gegen die Juden kehrt und die sechsundzwanzig Millionen Italiener ermahnt, sich von den Herrschgelüstcn des unter ihnen zerstreut lebenden HänsteinS der Nachkommen Iakob's, die kaum 40,000 Seelen zählen, zu cmancipircn. Nach den heutigen Ansichten dieses Blattes befänden sich nicht nur die vorzüglichsten Tagcsblätter Italiens, sondern auch denen Banken, Grcdit-Institute, Fabriken und sonstige gewinnbringende Unternehmungen in den Händen der Iudm. die vorerst nur die Geldquellen des Landes an sich reißen, um dann auch denen Herrschaft zu erlangen! Recht lustig ist cs, daß die „llnita Gattolica" behauptet, daß der israelitische ParlamcntS-Teputitte Luzzatti, der jetzt an den Verhandlungen wegen Abschluß des österreichisch-italienischen und des französisch-italienischen Handelsvertrages theilnimmr, an die Interessen seines Vaterlandes gar nicht denke, sondern nur au die seiner Glaubensgenossen. Es

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