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Der Israelit · 1887-11-28 · Heft 92 (28.11.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 92 (28.11.1887)
Date
1887-11-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1633 lehrten Barer, Mainum bcn Joseph, und wurde dann ein Schüler von Rabbi Joseph Jbn Migasch oder doch von dessen Schülern. Zugleich aber widwctc er sich allen Wissenschaften, die seiner Zerr zugänglich waren, und cs entsprach der innersten Neigung seines Herzens, wenn er später, zum Manne hcrangerrift, als das höchste Km des Menschen die Erkcnntniß hinsrellt. Mein in der arabischen Sprache geschriebenes Buch über religiöse und philosophische Gegenstände entging seiner Aufmerksamkeit. Ta brach eine furchtbare Verfolgung herein. Tic Krcuzzügc harten nicht allein in Europa den Fanatismus gegen die Juden erweckt, sic harren auch innerhalb des Islam auf's Neue die feindliche Gesinnung gegen olle Andersgläubigen wachgcrnfcn, und so bildete Abdallah Jbn Tumarr die Sekte der Alurobaden, welche die Zuröcksührung des Islam auf die strengen Gcscve des Koran und die Verfolgung aller Nichtmohammcdancr auf ihre Fahne schrieb. Tiefe Seite drang auch nach Spanien vor. und unter den Trümmern der Almoravidenreiche^rvurden auch die blühenden jüdischen Gemeinde» in Spanien begraben. Ein Thcil der dort wohnenden Juden flüchtete nach Norden, nach dem christlichen Spanien, wo der cdclc Juda Jbn Esra, der Minister des Kaisers Alfonso Raimunde; von Eastilicn, ihnen Aufnahme gewährte, ein anderer, unter ihnen Mairnnn und seine beiden Söhne Moses und Tavid, nach den, Süden, wo diese nach mehrjähriger Wanderung in Fe; sich eine neue Hcimarü begründeten. Als auch hier die Verfolgung sich wiederum erhob, wandcrrcn üc nach Palästina, welches sic nach gefährlicher Fahrt erreichten, fanden aber auch dort feinen dauernden Aufenthalt, sondern mußten nachAcgnvlcn gehen, wo Mainiun bald darauf starb. Tie beiden Brüder ernährten sich durch den Handel mit Edelsteinen, wobei Tavid hauptsächlich das Geschäftliche besorgt, während Moses sich dem Studium widmete. Aber nicht lange sollten sie sich dieser Ruhe erfreuen. Tavid verunglückte auf einer Reise nach Indien, und Moses, den der Schmer; um den Tod des geliebten Bruders auf's .Mrankculagcr gcworfcu harre, fab sich, uni sich zu ernähren, gcnörbigr, die Medizin, die er bis dadin, wie alle anderen Wincnschafrcn, nur theoretisch betrieben harte, zu seinem Lcbcnsbcrnfe zu machen. Er gewann rasch große PrariS uurer Inden, wie unter Äohamcdancrn, wurde am Hofe Saladin'S beschönigt und endlich Leibarzt bei dem Sohne dcsiclben. Er erhielt auch die Würde eines Nagid oder Oberhauptes der ägyptischen Juden, welche ibm zwar keinen materiellen Bonheil brachte. (Moses Maimonidcs haue von jeher verschmäht. die Tbora zu einem Spaten oder zu einer Krone zu machen) aber ihm Gelegenheit bot, für die geistliche und sittliche Hebung seiner Glaubensbrüder in Acgnprcn thätig zu fein und dem Karäerthum entgegcnznrreten, welches sich in Aegypten sehr verbreitet und seinen größten Bundesgenossen in der bis dahin dort herrschenden Unkenntniß des talmndischcn Judenthums hatte. Maimonidcs befolgte aber in dieser seiner Polemik immer den talmudischen Grundsatz, die Sünde, nicht aber den Sünder zu Haffen: er begegnete den Karäern stets in freundlicher Weise und schärfte auch Andern cm solches Verhalten ihnen gegenüber ein. Moses Maimonidcs narb 1204, einen in der ganzen Judcnhcir gefeierten Namen und einen seiner würdigen . Sohn. Abraham, üiutcrlassend. Tie großen Werke, die er hinterlasscn, sind alle durchdrungen von dem Principe, das Judenthum als die Religion der Wahrheit zur Geltung zu bringen, und damit sowohl denjenigen entgegenzutrctcn, welche die Religion der Wissenschaft halber verachteten, als denen, welche der Religion halber selbstständiges Denken vermeiden zn müffen glaubten. Das Bestreben, die Wahrheiten der Religion mit denen der Philosophie in Einklang zu bringen, zeigt sich in seinem Kommentar z u r M i s ch n a, in dem die Resultate der talmudischcn Discussion kurz gefaßt und in arabischer Sprache zusammengcstellr, zugleich aber in den acht Abschnitten zu den Aboih die Scelcnkräftc in ihrem Gebrauch und Mißbrauch, in ihrer Gesundheit und Krankheit, im Anschlüsse an talmudische Aussprüche, geistvoll behandelt werden. Besonders benähmt ist ja der Kommentar zu dem lernen Abschnitte des Traktat Lanhcdrin, in dem Maimonidcs die Grenzlinien des Judenthums gegenüber den anderen Religionen in den dreizehn Glaubensartikeln fcststcllt. Vielleicht, daß ihn ein fpeciellcs Zcitbedürfniß hiezu trieb. In den Verfolgungen hatten so Manche nicht die .Mrast gefunden, den Tod für ihre Ucberzcngung zu leiden, und zum Scheine wenigstens sich zum Islam bekannt. Heimlich waren diese dem Jrrdenlünm treu, aber wie leicht verwischte sich gerade bei ihnen das Bewußtsein von dem, was die beiden Religionen trennt, und die Feststellung dieser Normen war deshalb besonders in dieser Zeit ge-, boten. Tas zweite unsterbliche Werl des Moses Maimonidcs ist die „Jad Etzafaka," in der er den ganzen in der talmudischcn und geonäischen Literatur anfgcspcichcrlcn halachischen Stoff in systematischer Form darstcllt und aus den massenhaften Bausteinen ein Gebäude errichtet, das in feiner

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