Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 91 (24.11.1887)
- Date
- 1887-11-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1024 des jüdischen Schriftthums, den literarisch gebildeten freund für immer verloren, und schon wieder ging einer der (Gelehrtesten von hier fort, um nimmer wiederzukehren. Simon Hock, hier geboren und erzogen, hier auch groß geworden als Mann der Wissenschaft, starb in Wien, wohin er im Sommer dieses Jahres überstedelte, um im .kreise seiner Familie den Rest seines Lebens zu verbringen. Ein kurzer Lebensabend, und hcrcinbrach dunkle Todesnacht. In jenem schönen Prag, wo Gottcsgclehrtheit gepaart mit weltlicher Bildung heimisch war, bot sich unserem Simon Hock reichlich Gelegenheit, den festen Grund zu seinem reichen Wistcn zu legen. Günstige materielle Verhältnisse gestatteten es ihm, sein Leben ganz der Wissenschaft zu weihen. So arbeitete er unausgesetzt und unermüdlich an der Erweiterung und Vertiefung seines Wissens. In den weiten tiefen Schacht des jüdischen SchrifrthumS stieg er hinab, ward auch in den dunklen Tiefen heimisch, und manche Perle bolte er bervor. Es gab fast kein einziges Gebiet des jüdisch-thcobS? (T Nicht iiiii'un f*Ti mi iiTibi lil seinen Geist ausgenommen Härte. Bibel, Talmud, Archäologie, Geschichte, Literatur, Grammatik, Exegese. auf allen diesen Gebieten war Simon Hock heimisch und beherrschte sie. Lei dem tiefen und reichen Wisten, das unser Hock durch rastloses Studiurn sich zu eigen gemacht, ist es zu bedauern, daß seine literarische Thätigkcit eine beschränkte blieb. Simon Hock hat die von ft. Lieber im „Gal- Ed" veröffentlichten Grabinschriften des alten jüdischen Friedhofes in Prag mir historischen Notizen versehen. Stauncnerrcgcnd sind die Gelehrsamkeit und da» kritische Talent Simon Hock's, welche ans ihnen sprechen. Im Israelit, im Bct-Talmnd der Wiener Lektoren, in der isracl. Monatsschrift dcS Tr. Hoffmann und im Litc'raturblatt erschienen von Hock Artikel und Notizen, die bald historische Bemerkungen und Berichtigungen, bald Bemerkungen zum Targum oder Aruch, bald wieder Erklärungen schwieriger Talmudstellen enthielten, aber immer gleich gründlich und gelehrt waren. Seit Jahren sammelte Simon Hock Material für die Geschichte der Juden in Böhmen. Das Werk blieb unvollendet und ungeschrieben. Tie jüdische Gcleürtenrepublik Prag's trauert um ihren Simon Hock. n" äh Pefth. Ter Cfencr isracl. Eultusgcmeinde wurde von Seiten der hauptstädtischen Finanzkommission der Beitrag von fl. znm Zwecke der Erbauung eines Tempels iui Neustifr bewilligt. Rumäuien. I)r. C. Bukarest, 21. November. Eine bukarcster Korrespondenz der „N. fr. Presse" in Wien verzeichnet das Gerücht, daß bei Eröffnung der rumänischen ftammern denselben ein Vorschlag unterbreitet werden würde, der den Zweck hätte, dicRcvision des Artikels 7 der rumänischen Berfastung dahin zu bewirken, daß den „Fremden^ die Laugung der bürgerlichen Rechte erleichtert werde. Ter Korrespondent sagt aber gleich dabei, daß dieses Gerücht nur zu agitatorischen Zwecken verbreitet sein muß, well bei dem „gegenwärtigen Stand der Tinge" ein solcher Vorschlag keine Aussicht auf Erfolg habe. Mit dieser Ltorrcsponden; fällt zusammen ein anderes Gerücht, welches die rumänische in Bakau erscheinende Zeitung „Renastcrca", von deren „Humanität" mit und ohne Unterschied der .ftonscssion ich Ihnen schon ein andermal geschrieben habe, wonach in Bakau die Partcimänucr der Regierung aus ihrer ftandidatenliste zu den Wahlen jiir m aniiüer und Senat auch einen natnraliurten Israeliten, Namens Fokschöner, gefetzt haben sollen (?!), nur hielten sie die Liste „noch geheim". .... Was an diesen Gerüchten ist und was man damit bezweckt, wird sich noch später Herausstellen: ich weiß indeß aus langjähriger Erfahrung, daß die Negierung des Herrn Brananu solche Gerüchte nicht für das Inland» sondern zu allen Zeiten, dann verbreitete, wenn sie an das Ausland ein Anliegen batte, namentlich eine Geld-Anleihe beabsichtigte. Lb es auch diesmal eine Anleihe fein soll, ist nicht zu erkennen, jedenfalls aber kann man die Gerüchte als eine Gegenaktion betrachten, die sie, nach dem Aufsehen, welches im Auslände die letzten Zeitungsartikel über die rumänischen Fremden verursacht haben, versucht, um eben das Ausland und nur dieses zu beruhigen und zu täuschen, im Ucbrigen aber die Sache beim Alten z:r lassen. WaS aber der ftorrespondent von dem „gegenwärtigen Stand der Tinge" sagt, nach welchem „ein Vorschlag zur Erleichterung der Naturalisation keine Aussicht auf Erfolg habe", so wundert cs mich, daß man im Auslände bezw., daß die in Numänicn wohnenden ausländischen Korrcspoi'.dtntcn nach so langen Jahren dieses Land noch nicht kennen. Als Männer, die sich mit Politik befassen, müßten sie ja wissen, daß das Volk als solches nicht antisemitisch ist, sondern allein die Regierung in allen ihren Abthcilungcn. Bon diesen letzteren gehören in Rumänien Kammer und Senat darum um so mehr zur Regierungsmaschinerie, als die Teputirten beider Körper auf Befehl und unter