Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 91 (24.11.1887)
- Date
- 1887-11-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVIIL Jahrgang. Beilage zu!lr. 91 -es Israelit. ZeituugSuachrichterr und Correspou-euzen. Deutsch! a n d. Berlin, 17. Rov. Wir meldeten vor einiger Zeit, daß Fräulein v. Bleichröder sich mit. dem Baron v. Uecktriy-Steinkirch vermählt habe, und daß der Bräutigam ob dieser „Mesalliance* seinen Dienst quittircn mußte. Heute lesen wir unter der Spiymarke „kurzes Glück* in der „Volkszcitung* folgende überaus lehrreiche Novelle, welche allen Millionärstöchtcr Zions zur Lcctürc anempsohlcn sei: »Zn auswänigen Btäller« lesen wir: Biel Aufsehen erregt in Breslau die l^eschichlr einer jungen Ehe, dir in ihren überraschenden Gestaltungen mir Rücksicht auf die Lerhriligren Persönlichkeiten weitere Kreise interessirrn dürfte. Bor einige» Monarrn Hane ftch die Tochter eines der ersten Berliner Ban quicrs mir einem Lsfivrr verlobt — wir nachträglich bekannt wurde, gegen den Lillen jihreS Papas, der als weUkundigcr Mann den Iriniluy ,rincr sabelhasren Mitgift aus die l-rsüblr eines verschuldeten FreierS wohl;u rnrienrn verniochre. Tie junge Tome 'bestand auf ihrem willen, und der Bräutigam auittinr ferne Charge; in dem t^arderrgimem. dem er angrhörte. gilt nämlich eine Berbinduug. wie dir hier projeclinr. sür »andeswidrig. denn die junge Millionärin, um die es stch handelt, harre das Mistgeschick,'?), dem iSraelirischent^laubea an;ugehörrn. Tie Hoch:«» fand mit grostem Pomp statt, nachdem die Beschreibungen des prachtvollen TrousteauS, den die Braut in die Ehr brachte, alle Blätter der deutschen Rrichshauprstadl gefüllt hauen. Ta ein Mann, wenn er aufgebön hak. Tnrcrrr »u sein, etwas Anderes;u thun haben must, lauste der 'Lchwiegrrvarrr. dessen Perl-älUtiste ihm durllurus erlaudert, ein schier rnärchrnhasl sreigrdigcr Lchwiegcrvarer;u sein, seinem ^ckiwiegersohne eine ausgedehnte Herrschaft in der Rähe von BtrL'.au. und daS junge Paar schickte sich an. seine Zlitterwochcn daselbst ja verbringen, seltsamer Leise war das E'lück dieser durch so gewichtige materielle Znrerefien geketteten Ehe nicht rituna! von der normallandesüdlichru Tauer; denn schon nach wenigen Zlittenagen sah stch der Lchwiegervarrr genöthigr, seine Tochter gegen dir Insulten ihres Manne» in LLnp und die Trennung dieser eben erst geschlsiienrn Berdindung in ernstliche Aussicht j« nehmen. Eingeweihte Kieisr machen üch das Bergnü- 4r», nach^irechnen, daß der adelige Lchwiegeriohn ver fchwirgervättlkichea Hasse derrir« in der kurzen ^jeir dieies Fannlien- Romant di« Kleinigkeit von zwei Millionen M ark gekostet habe und geben der Anncht Ausdruck, daß die arme Frau aus billigere und für st« selbst angenehmere Leise Gelegenheit gesunden hätte-Frau Baronin zu werden.^ Bl. Lestcrr. - Ungar. Monarchie. Wien, 18. Rov. Freitag am II. d. M., gegen Abend verschied der greise Nabbinatsaffessor Tonelis Handl, welcher!7 Jahre hindurch Mitglied des Wiener Nabbinates war und wegen seiner hohen Frömnligkeit und seiner talmudischcn Gelehrsamkeit in allen Kreisen der Gemeinde zahl» reiche Verehrer zählte. Ter Heimgegangene, welcher ein Alter von 80 Jahren erreichte, war zu Ricolsbura geboren und ein Schüler des berühmten Landesrabbiners Marcus Benedikt, er glänzte durch seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit trotz deS reichen Wissens, welches er stets zu vermehren nicht müde geworden. Tie irdische Hülle deS Verblichenen wurde seinem Wunsche entsprechend, nach RicolSburg gebracht, um neben seinem berühmten Lehrer Marcus Benedikt beigesctzt zu werden. Im Trauer- Hause hat sich Sonntag ein zahlreiches Publicum versammelt, um dem greisen Nabbinatsaffessor die letzten Ehren zu erweisen. Man bemerkte unter Anderen den Präses der israel. Eultusgemeiude, Herrn Aruiinio Eohn, Kammerrath Bernhard Singer, BcthanSvorslehcr Jacob Moor, Rabbiner Salomou Spitzer und viele Andere. Herr Lbcrrabbiner Dr. Güdcmaun hiclr an der Bahre eine Trauerrede von ergreifender Wirkung, woraus der Sohn des Verblichenen. Herr Tr. Handl. welcher Rabbiner in Eibuschiv ist. seiner kindlichen Trauer und Dankbarkeit Ausdruck gab. Schließlich hat Herr Rabbinatsasscssor Fleißig seinem Kollegen im Rabbinate einen tiesculpsundeneu Nachruf gehalten und ein letztes Lebewohl zugerufen. Heber den jüngst zu Wien verstorbenen Prager Gelehrten Hock schreibt man aus Prag: Wieder einen jener Männer, deren Leben der Pflege der jüdischen Wissenschaft gewidmet war, haben sic vor einigen Tagen in's kalte Grab gcftnkr. Tie Reihen lichten sich, fast jede« Jahr bringt uns einen Verlust, und der Ersatz bleibt aus. Roch sind nicht zwölf Monde um. daß wir Juda Piesling, den liebenswürdigen Menschen, den gründlichen Kenner