Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 91 (24.11.1887)
- Date
- 1887-11-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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flSfeaü 1019 sagt dann,. ich „stemple" die Freimaurerloge in Gotha zur Synagoge. Dies ist ebenfalls nicht wahr. Im Gegentheil, indem ich sagte, daß ich „das Gebäude nur von außen gesehen habe, daß nur architektonische Schnixercien (wenn ich mich recht erinnere Blumen in Form von Magen David) eine Synagoge vermuthcn ließen, daß dasWott Synagoge oder was dementsprechend, auch kein anderes „jüdisch Wort" oder Spruch auf dem Gebäude zu lesen sei . . . .", indem ich dieses alles sagte, wird jeder urthcilsfähige Mensch erkennen, daß ich selbst zweifelte, ob das Gebäude eine Synagoge ist. Auch in den weiteren Zeilen über Gotha, wo ich sagte, daß ich nicht weiß, für wen ein solcher Prachtbau hcrgestcllt ist, liegt der Zweifel. Wenn ich indes; von ihm als von einer Synagoge gesprochen habe, so ist cs Llos darum, weil ein Vorübergehender mir auf meine Frage erwicdcrte: „das ist der Judcnmnpcl". Und da die Reisehandbücher. namentlich in den kürzer gefaßten, (ich haue eine ältere Ausgabe von Gricben's „Thüringen" bei mir) Synagogen als Sehenswürdigkeiten nicht anführcn — cs sei denn vielleicht die der größten Residenzen, wie Berlin re. — so mußte ich die mir erlheilte Auskunft für baar annehmen, ich konnte niich jedoch in meiner Beschreibung des Zwcifclns nicht enthalten. Cs ist zwar noch nicht ausgemacht, daß der Äoburgcr Mann bester tveiß, und daß er mich wirklich berichtigt, allein wer:» mich der Vorwurf der Leichtgläubigkeit trifft, so wird dieser Vorwurf sofort aufgehoben durch die vielen von mir selbst ausgesprochenen Zweifel. Ich habe also wiederum nichts „behauptet", lieber Meiningen schiebt mir der ttoburgcr unter, ich scheine ihm „Anstoß" genommen zu haben, daß die Synagoge sich je 50 Schritt entfernt zwischen einer katholischen Kirche und dem Verhaus einer evangelischen Gemeinschaft befinde. Wer aber seine fünf Sinne beisammen und namentlich das Begriffsvermögen hat. wird das Gegentheil gelesen haben. Denn an der bcrr. Stelle schrieb ich: „Vielleicht als ein Zeichen der in dieser Stadt herrschenden Toleranz und Cinrrächt steht sie zwischen." Sicher ist daraus kein „Anstoß" zu entnehmen, sondern im Gegentheil, daß dies mich sehr angenehm berührt har, wie alles Uebrigc in Meiningen. Der „Wie" dcs.stoburgcr Mannes, daß ich die Synagoge schöner re. hätte Herstellen können .... ist einfach vom Zaune gebrochen, wie er das Ganze erfunden har: denn, ich habe sic „ganz nett" gefunden und dies übcrhcbt mich der Sorge eines Ncubaus. Mit Koburg habe ich ihm die „Schale des Zornes," wie der Lloburger Mann sagt, zum Ucberlausen gebracht. 24 habe nämlich gesagt, daß die Synagoge nicht in der Stadt sei. Ich entsinne mich nun, daß ich» von der „Veste" zurückkehrend, unterhalb des herzoglichen MarslallS in ein Ltraßenvicrtel gcrieth, wo ich die Aufschrif. tcn „Iudcngaste," „Judenthor" u. drgl. las. AnS dem Aeußcrcn aber ließ sich nicht erkennen, daß dase bst Juden wohnen; es waren keine Ladenhäuser, sondern in Gärten gelegene Villen. Bei dem Umstande, daß ich in der inneren Stadt nur wenige jüdische Gesichter und Firmatascln gesehen habe, sowie weil ich in keiner Stadt vorher eine solche Fülle von auf Inden bezügliche Srraßenbencnmmgen angctroffcn. mußte mir dieser Widerspruch auffalleu. Dabei fiel mein Blick auf ein älteres Gebäude, welches wie eine Synagoge aussieht und durch die umgebende „Jndcngaffc" zu diesem Glauben verleiten kann. Zwei mit einem Lastwägelchcn daherkommende ältere, verständige Knaben gaben mir auf meine Frage die Auskunft: „nein, das gehört zum Schloß; die Judenschul ist draußen in Katschendorf am Cndc des Dorfes auf der anderen Seite . . . ." Tic Auskunft ist wohl ganz positiv, und Koburg ist nicht so groß, daß jedes noch so kleine Kind nicht miste» soll, wo östentliche Anstalten — denn das ist auch eine Synagoge — liegen. Allein, mir war es bis dahin nicht vorgekommcn, daß Städter in einem naheliegenden Torfe, und nicht in der Stadt, ihre Synagoge haben sollen: die Auskunft war mir darum nicht plausibel und dem Zweifel über sic gab ich auch völlig greifbar Ausdruck, indem ich zur Stelle vorsichtig schrieb: „Wie mir gesagt wurde, soll sic am äußersten CndcWas ich dann weiter sagte, »st nicht „Beschuldigung" wie der Mann binstellt, sondern Konjektur, die sich ans der Auskunft von selbst ergibt und die nicht Jedermann'- Sache ist. Ilcber Saatfeld endlich unterschiebt mir der Schreiber, daß ich die dortigen Glaubensgenossen, „verspottet" hätte, obwohl' sie ihr Möglichstes gcthan haben." In meiner Beschreibung aber habe ich nur von zwei Saatfelder Juden B. und L. gesagt, daß sic am Ror'chha-Schono die Geschäfte osten hielten, was ich im Stande und bereit bin, gerichtlich nachzuweiscn. Bon den anderen 5 Familien aber sagte ich: „daß das Bordeten nicht sehr kanroral oder chasonisch war, ist nicht ihre Schuld» aber sie haben ihr bestes Wollen hergegeben .." Ich nröchte wahrlich wisten, welcher Mensch, der nickt böswillig zu Werke geht, aus diesen Zeilen eine „Verspottung" herauslescn kann. Cs ist doch wohl durchaus klar. daß ich selbst sagte, sic haben ihr Möglichstes gcrhan. Nichts Anderes ist aus diesen Zeilen zu entnehmen, die