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Der Israelit · 1887-11-24 · Heft 91 (24.11.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 91 (24.11.1887)
Date
1887-11-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1616 solcher Umgebung ausgesetzt ist, das braucht wohl nicht erst gesagt 'zu werden. — Noch trüber gestalten sich die Verhältnisse, sobald der junge Mann seiner Militärpflicht genügen mutz. Nicht nur daS ist schlimm, datz er vielfach den Cabbat entweihen und andere Gebote Gottes verletzen muß, schlimmer noch ist. datz die jungen Leute während dieser Zeit, sei es durch Umgang oder durch andere Verhältnisse der strikten Beobachtung der Vorschriften des JudenthuulS entfremdet werden. — Noch schlimmere Wirkungen bat für diejenigen jungen Leute, welche sich dem Studium widmen, das Leben auf den Universitäten. Tie modernen Wissenschaften treten vielfach dem Indenthume feindlich gegenüber. Es ist ja eine allgemeine traurige Erfahrung, datz den modernen Wissenschaften bei allen ihren Erfolgen daS Ideal verloren gegangen ist. Die Philosophie, früher als die Wissenschaft der Wissenschaften angesehen, wird kaum mehr beachtet und gar nicht mehr gepflegt. Das Uebcrsinnliche wird als veraltet und überflüssig bei Seite geschoben. Dazu kommen noch viele andere Dinge, die es erklärlich machen, datz die meisten von der Universität Zurückkrhrcndcn das himmlische Joch unsrer heiligen Religion von sich abgeworsen haben. Aber es gibt noch Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, die treu zu Gott halten und zu dem angestammten Välerglaubcn. Auch ihnen find die Kämpfe nicht erspart worden; aber sie gingen als Sieger daraus hervor. Datz sie siegreich Sch .stampf zu bestehen vermochten, das verdanken sie ihrem unerschütterlichen Glauben, ihrem festen Willen: aber am meisten verdanken sie es der Hilfe des allgütigen Gottes. Wo der Glaube unerschütterlich und der Wille fest ist, da sendet Gott Seine Hilfe, ans datz der Glaube und der Wille sich in guten und edlen Thatcn bewähren. Das ist der Engel, der vom Himmel hernicderkommt, um den Menschen auf den Weg zu führe», aus dem Wege zu erhalten, auf dem zu wandelen sein Wille ist. Ter Glaube, der Wille und die That umfassen unser ganzes religiöses Leben, unsere ganze Welt; aber cs gibt noch etwas, was über diese Welt hinauögcht, und das ist die Erkenntnitz. Auch die Erkennt»«» ist ein Engel, der vout Himmel hcrmcdcrkommr. Wohl haben die Menschen seil Jahrtausenden versucht, das Gebäude der Erkenutnitz von unten nach oben aufzubanen. Seitdem cd denkende Menschen gegeben, haben diese versucht, die Himmelsleiter anfzurichlcn und mit Hilfe der Vernunft zu den höchsten Regionen emporzustcigcn. Die alten Weisen der Inder, der Aegnprer. der Babylonier, der Perser und namentlch der Griechen haben es versucht, daS Fundament zu legen für das Gebäude der Erkenntnitz, es auszubauen, um dann von ihm aus das Wesen der Dinge zu ergründen und zu erschauen. Da hat gar mancher kühne Baumeister einen Bau aufgesührt, der für die Ewigkeit dauern sollte, der jedoch von einem großen Denker der Nachfolgezeit wie ein Kartenhaus zufammengeriffen wurde. Und wieder erstand ein kühn sich emporschwingcndcs Gebäude, um bald demselben Schicksale zu erliegen, und so ging es fort und fort, von . Jahrtausend zu Jahrtausend, von Jahrhundert zu Jahrhundert und manchmal von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Die Erkenntnitz kann nicht von nute» nach oben aufgerichtet werden; sie ist ein Engel, der von oben nach unten zu uns hernicderkommt. Nur durch die Offenbarung, die uns von oben geworden, haben wir die Kenntnis der Wahrheit erlangt. Daher lehren auch unsere Weisen, datz durch die Himmelsleiter, die Jakob erschaute, ihm . der Berg Sinai angedeutet worden sei.*) der Berg Sinai, von welchen! herab uns die Offenbarung der Wahrheit geworden. Während der Glaube, der Wille und die That hienieden vollkominen bewährt werden können, ist die Erkenntnitz der Wahrheit in ihrer Vollkommenheit hier auf Erden nicht zu erreichen. Die wahrhafte GotteSerkeirntnitz wird uns erst im jenseitigen Leben zu Theil werden, wenn unser Geist, befreit von allen irdischen Banden, an den Stufen des göttlichen TbroneS weilen darf. Aber auch hicnkeden ist die Erkenntnitz, so weit wir sie zu erlangen vermögen, etwas ui-gemci» Beseligendes, gleichsam ein Vorgeschmack der himnllischcn Seligkeit. Sie ragt demnach über die irdische Welt hinaus, ist gleichsam ein Durcheil mehr alS das irdische Leben; denn die drei Begriffe, die wir zuerst erörtert: der Glaube, der Wille und die That nmschlietzen schon unser ganzes Leben; sie sind drei Dritrheile desselben. Zu ihnen gesellt sich die Erkenntnitz, die über unser Leben hinausragt und erst im Jenseits ihre Vollkommenheit erreicht, gleichsam als viertes Tritthcil. DaS sind die vier Engel an der Himmelsleiter; zwei steigen von uuS zu Gott empor: der Glaube und der Wille, zwei kourmen von Gott zu uns hernieder: die Hilfe für die gottgesegncre That und die Erkenntuitz der Wahrheit. Diese Engel erschaute Jakob in seinem Traume; ihre Erscheinung erfüllte ihn mit Muth und Zuversicht, half ihm, allen Versuchungen zu widerstehen, so datz er seine zwölf *) 2^2, Lrilrr bat beasrlbe» Zohlrnwrrch wie *,72, nämlich 130. '

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