Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 91 (24.11.1887)
- Date
- 1887-11-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVm. Jahrgang. J\J Ni. Der Israelit. - Ei, Zentral-Organ für das orthodoxe Iudenthum. Heraukgcgeben von Dr. Lehma«» in Mainz. Donnerstag, de« S4. November 5648 (1887). % I j! Leitender Artikel. Die Engel an der Kinunetskeiter. il. Mainz, 21. November. Ter Glaube und der Wille jedoch genügen nicht, das Leben des Menschen zu einem gotttgesälligen zu gestalten; der Mensch muß durch gute, edle und gotterfüllte Thaten scincu Glauben an Gott beweisen, seinen Willen, Gott zu dienen, bewahrheiten. Ta aber treten un§ viele Hindernisse entgegen. Vom guten Willen bis zur guten Thal iü noch ein werter, weiter Weg. Ter Trieb des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an. Tausend und aber tausend Tinge gibt cs, die auf Abwege führen, die zum Lösen verlocken und verleiten. Namentlich für den Juden ist cs ungemein schwer, das himmlische Joch zu tragen und die zahlreichen Gebote und Verbote unsres Gottes strengstens zu beobachten. An jedcur Tage lehnt sich der böse Trieb gegen den frommen auf und sucht ihn zu verführen. Unmöglich wäre cs, der Verführung siegreich entgegen',utrctcu, die Wucht der oft widrigen, ja, feindlichen Verhältnisse zu ertragen, all die schweren Versuchungen zu überwinden, wenn der allgütige Gott uns nicht dabei helfen, uns nicht stützen und retten würde. „Wenn Gott nicht zu meiner Hilfe wäre, längst wäre ich zu Grunde gegangen in meinem Elende." Ta ist es nun der Engel Gottes, der von oben hcrnicderkömmr. um uns 3u_ helfen, gute und edle Thaten zu vollbringen, vor bösem und schlimmem Thun uns zu hüten. . In unsrer Zeit bedürfen wir mehr als sonst dieses hilfreichen Engels. Wir gleichen darin wieder unsrem Vater Jakob, der einsam und allein aus dem Vatcrhause entfliehen mußte, um eine fremde, heidnische Welt zu seinem Aufenthalte za wählen. Sein Lheim, Brodherr und Schwiegervater ein Götzendiener, seine Schwäger Götzendiener, die ganze Umgebung dem Götzendienste ergeben! Unter diesen traurigen Umständen soll Jakob das Gottcsvolk begründen, soll seine Kinder sämmilich erziehen zum Dienste des einzigen GotteS, und es gelingt ihm, wenn auch unter schweren Leiden und Kämpfen. Am Schluffe seines Lebens dankt Jakob dem Allgütigen dafür, daß Er ihm seinen Engel geschickt, der ihn erlöst hat von allem Uebel. — Auch wir bedürfen dieses hilfreichen Engels, auch wir stehen vereinzelt inmitten einer Zeit, welche jeder Religion und namentlich dem Judenthume feindlich gegenübertritt. Verhöhnt und verspottet werden die treuen Gläubigen in Israel von Feinden aus unsrer eigenen Mitte, von Widersachern, die außerhalb des Zudenthums stehen. Namentlich ist die Erziehung der Kinder für die Ncligion der Väter unter den gegenwärtigen Verhältniffen ungemein schwierig. Schon mit dem Beginne der Schulzeit machen sich die schlimmen Einwirkungen geltend. Tie meisten jüdischen Kinder muffen nichtjüdische Schulen besuchen und gewöhnen sich daran, den Sabbat gleich einem Wochentag zu halten, da sie an ihm in der Schicke dem Zwange gehorchen müssen , während der nichtjüdische Feiertag ihnen die ersehnte Freiheit bringt. Je mehr das Kind heranwächst, desto schwieriger gestalten sich die Verhältnisse. Ungemein schwer wird es für den in das Geschäfrsleben cintretenden Jüngling, einen Posten zu finden in einem Hause, in welchem der Sabbat heilig gehalten wird. Strengsromme Eltern müffea sich osr damit begnügen, daß ihre Söhne am Sabbat - dem Geschäfte fcrnblciben dürfen, während der Prinzipal und die übrigen jungen Leute wie am Wochentage arbeiten. Welcher Verführung der Jüngling m