Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 90 (21.11.1887)
- Date
- 1887-11-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1609 spätct zu Gesicht kommt: Nachstehend der Wortlaut der Anzeige: „Tie ehemaligen Suditen, welche den Wunsch haben, die französische Natio».:rlität de facto zu erlangen, muffen vor allem ihre bezügliche Deklaration bei diesem (Vice- :c.) Konsulat vor dem l. Zanuar 1888 cinreichcn. Es ist indcß wohlverstanden, daß diese (dcklarirlcn) Schutzgcnosscn nicht anders die französische Nationalität erlangen können, als indem sie sich allen Pflichten, welche diese auferlcgt. ganz besonders der Verpflichtung znm Militärdienst unterwerfen. Tic erwähnten Deklarationen werden durch die Gesandtschaft in Bukarest an die "Negierung der Republik gesandt werden, die das Nöthigc anordncn wird." Aus den von mir unterstrichenen Stellen ersieht man zunächst, daß die bisherigen Sckntzgcnosscn nicht just nach Frankreich fahren muffen, um Burger zu werden, wie in der Bckannttnachung des Herrn v. Hcydcr-Egeregg für Oesterreich verlangt wird, daß die Suditen nach Oesterreich reisen. Das Verlangen aber, alle Pflichten und besonders den Militärdienst zu erfüllen, ist nur gerecht und beweist, daß Frank-; reich in der Thal seine Schutzgcnoncn zu Bürgern i machen will. In der Oesterrcichischcn Abmachung \ kamt man deutlich erkennen, daß es seine Schutzgcl nonen unbedingt preisgibt, trotz der Scheinfrist, I die cs bis zum 1. Zanur 1888 fcstscyt, zur Erl langung des österreichischen oder eines ^anderen" l (?) Bürgerrechts. Tie Ansicht, daß man den „Su-! ditcn" alle Pflichten, wie den Nnterthanen, aufert legen, und ihnen individuell den Schutz ent- § ziehen soll, wenn sie die Pflichten nicht erfüllen, 1 habe ich schon im August öffentlich („Zsr." Nr. 3«'.) 7 ausgesprochen: leider ist meine Genugthuung darüber, l dadurch getrübt, daß Frankreich in Rumänien wohl 1 die allerwenigsten (israelitischen) Schutzgenostcn hat, f während das Gros (man rechnet 70,000) östcrrcil chischc sind. — Zn der Stadt Bakau kam um! ein Uhr Nachts der Steuererheber, der Notar und noch \ ein Ehrist ans der Gemeinde Märginaui zum Schäni ker Zichiel Moinestcanu, der an der Barriere Margineni-Bakau wohnt, und klopften an die Läden, 1 damit er ihnen öffne. Ta dieser dem Polizeigeseö \ (Sperrstunde) nicht znwiderhandeln wollte durch i Einlaß und Verkauf zu so später Zeit (was die r crU'ähntcn Amtspersonen hcrbeizuführcn vermuthlich | beabsichtigen), so önncic er nicht. Die ungebetenen J Gäste aber sprengten die Dhürc und schlugen den I . Schanker barbarisch. Tie Nachtpatrouille, die auf | den Lärm inzwischen hcrbeigekommen war, wollte § den Grccdenten verhaften, aber der Steuererheber * wchrre sich mit den Worten: „warum wollt Zhr mich denn verhaften, weil ich einen „Judengeschlagen habe?- Und die aus einem Reviervorsteher und 12 Stadtpolizisten bestehende Nacht» „Wacheließ die beamteten Schläger und Skandal» machcr frei ihrer Wege ziehen. Das sind rumänische Amtspersonen und rumänische Wächter der öffeittliche» Ordnung und Gerechtigkeit. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. Bei den jüngst stattgchabten Der» sammlungcn des Munizipalausschusses über die Eentralfricdhofsfrage wurde dem Gesuch der iSr. Gemeinde Altofcns um Anweisung einer gesondcrteu Parzelle, die mit einer Steinmauer umgeben werden soll, willfahrt. Frankreich. Lille. Bei Gelegenheit der Einweihung der hiesigen Universität hat der Unterrichtsminister Spuller beim Empfang der Behörden, auf die An» rede des Oberrabbiners Em. Eahen geantwortet, daß er glücklich sei, die gute Gelegenheit wahrnehmen zu können, um auszu sprechen, daß er persönlich wisse, wie anhänglich die franz. Juden den Znstitutioncn ihres Landes seien; ihr Eifer und ihre Ergebenheit für alle Werke, welche zur Größe Frankreichs beitragen, seien ihm bekannt. Wollen Sie, so schloß Herr Spuller, bei Ihren Glaubensgenossen der Vermittler meiner sympathischen Gesinnungen und derjenigen der Regierung sein. England. London. Es ist gewiß eine große Selten» heit, daß man einen Lehrer zum Bürgermeister einer Stadt erwählt und noch seltener, daß einem jüdischen Lehrer ein solches Ehrenamt anvrrtraut wird. Zn Gravcscnd wurde Herr Berkowitz zum Mayor erwählt, was um so ancrkcnnenSwerthcr ist, als daselbst nur wenige Juden wohnen und Herr Bcrkowitz diese Stellung nur feinen persönlichen Eigenschaften und der Fürsorge um seine Mitbürger verdankt. Tabci ist Herr Berkowitz ein religiöser Zude. Bei dem zu seiner Ehre stattgchabten Bankett, an welchem 150 Personen Thcil nahmen, wurde für ihn und seine Glaubensgenossen eine besondere Tafel mit Koschcrspeisen gedeckt. Vorige Woche starb dahier Herr Rcv. Solomon Lcvy, welcher während 30 Jahre Vorbeier in der Borongh Synagoge gewesen. Ter Verstorbene war einer der ersten Mohelim unserer Stadt, er hatte an 20,«wo Beschncidungen vollzogen. Außerdem war er Vorstandsmitglied verschiedener Wohl» thätigkcitsanstalten gewesen.