Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 90 (21.11.1887)
- Date
- 1887-11-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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lfiOS vorzüglich und aller Truck und alle Feindseligkeit haben ihre Quelle wo ganz anders. Nur kemmriß lose Böswilligkeit vermag die Tharsachcn so auf den Wopf zu stellen, wie der Artikel der „Möln. Zeitung.* Rumänien. I)r. 0. Bukarests 14. November. In der Lucht alles Ausländische nachzuässen und zu gleicher Zeit die Israeliten oder die Fremden zu schädigen, hat der Kultus- :c. Minister im August d. I. zwei Eirculare erlassen. Tas eine, den Unterricht betreffend, enthielt die Weisung an die Schuldirektoren und Direktricen der öffentlichen Elementar- und Gymnasialschulcu, bei Unterbringung der Schüler — vcrinuthlich, wie eS in Prenffen vorgcschricbcn ist — zunächst die ltzröstcn der einzelnen Ulanen in Betracht zu ziehen und aus diesem Grunde die minder derart zu verthcilcn, daß erst die Kinder von „Rumänen* und dann, wenn noch einigt Plätze „übrig" bleiben, die Kinder der „Fremden* berücksichtigt werden sollen. Das zweite Eircular behandelt den privaten Schulunterricht und, wie es sich nachher zeigte, sind eine Anzahl Privatschulen aufgehoben worden. Ta nun die Negierung aus diese Weise den Fremden zu Leibe ging, glaubten diese in ihrem momentanen schrecken, daß über ihre Kinder eine Acra der Unwissenheit und Verrohung hereinbreche und standen ganz raihlos gegenüber den vcrstandesbaren Wütherichlhum in Rumänien. Wahrlich, wenn die Fremden trotz ihrers teuer» und trotz des nur f ü r s ic projeltirren Schulgeldes, ganz zuletzt nur auf „übrig* bleibende Plätze in den öffentlichen «schulen angewiesen, ihre Privatschulen aber zum großen Thei! geschlossen werden sollen, wie sollen sie cs dann machen, um zu dcn Ansangsgründeu des menschlichen Wissens zu kommen? Und wie sollen sic sich angesichts des in der Verfassung vorgeschriebenc» bei Strafe obligatorischen Unterrichtes verhalten? In dieser ministeriellen Begriffsvcrirrung erhielten sie — mau konnte cs allerdings erwarten — eine Hilfe in den unumstößlichen Thatsachcn. Es gibt nämlich nicht genug Schulen und nicht diejenigen Klassenräume, für welche das preußische Schulrcgulativ erlassen wurde, welches der Herr Minister ohne weitere Prüfung den rumänischen Verhältnissen artshalste. Es geschah darum das Unausbleibliche, daß nicht blos Kinder von Fremden gänzlich zurückgewiesen wurden, sondern auch Kinder von „Rumänen* und nicht blos solche von der untersten Klaffe, sondern auch nach höheren Klassen Versetzte. mußten die schule verlassen; Dazu kam. was leicht vorauszusehen war,.daß. der Spielraum, der den Schulvorständen bezüglich der .Klassenräume gelassen worden, vou ihnen dazu benutzt wurde, um berechtigte Ansprüche zu übergehen, dafür aber diejenigen, die von klingenden Gründen begleitet waren, zu bevorzugen. Die Verwirrung, die durch das alles ungerichtet wurde» ist überflüssig zu beschreiben. Jeden Tag rcgnetr es Reklamationen. Die Zeitungen waren täglich voll von Meldungen über Hunderte von Kindern aus allen Städten, die thcils gar nicht ausgenommen, theils von den bisher besuchten öffentlichen Schulen ansgcwiesen wurden. An das einfache Mittel genügend schulen mir ausreichenden Klassen zu errichten, daran denkt in Rumänien seit 23 Jahren kein Mensch und dieses Mangels unerachtet, werden mit rumänischer Uebcrlcgthcit vorhandene Privatschulen, die doch wenigstens als Lückenbüßer der Regierung gut genug sein müssen, auch noch geschloffen. Gar bald also stellte sich die Unmöglichkeit, preußische Regulative aus rumänische Schulvcrhälluisse anzuwendcn, heraus und der Herr Unterrichtsminister sah sich gezwungen, das eine der Eirkulare zurückznnehmen, durch ein kürzlich erlassenes. in welchem er die Belassung der alten Schüler (Versetzten) in den von ihnen bisher besuchten Schulen anordnct, für neuauszunehmcnde aber die Zahl der für jede Elemcmarklaffe Zulässigen erheblich, jedoch sicher ungenügend crhöhr. Da neue Schulbauten nicht in Aussicht, von Privatschulen aber immer wieder gehört wird, daß die eine aufgehoben wurde, die andere ans dem Inder steht, so waltet natürlich ein Zustand der Unsicherheit über die nächsten nntcrrichtsministcriellcn Einfälle. Leider haben die „Fremden* weder sichere Gemeindeeinnahmen, noch einen festen Fond, um sich ihre eigenen öffentlichen, d. h. Gemcmdcschulen zu errichten bezw. auch nur unterhalten zu können. Wenn die jetzt normirte, aufnahmssähige schülcrzahl doch nicht groß genug ist, um „auch" die „Fremden* zu fanen, und wenn sie über kurz in die Zwangslage kommen Schulgeld zu zahlen, was cin Thcil von ihnen nicht im stande ist, dann wird wahr werden, was Rumänien schon seit lange behauptet: daß seine Israeliten (?) Bildung nicht annehmcn wollen. Fände sich doch jemand, der die Anschläge und die Verläumdnngen ihrer Widersacher. zu Schanden werden läßt durch Unterstützung ihres Schulwesens! — Ich habe Ihnen schon seit lange von der „Suditen-* Sache nicht geschrieben; sie ist jedoch unlcrdcß nicht stillgcstandcu und wird bis zum 1. Januar lsss, ja noch darüber hinaus nicht zur Ruhe kommen. Nach dem Beispiele Oesterreichs und Deutschlands hat auch F ra u kre i ch feine Schutzgenossea aufgcgebcm. Aber wie ganz anders lauter seine Konsnlatsanzrige, die mir ver»