Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 90 (21.11.1887)
- Date
- 1887-11-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXYllf. Jahrgang. Beilage zu!lr. 90 -es Israelit. Zeitungsnachrichten »nd Correfpondeuzeu. Deutschland. München, 4. s)iovcmbcr. Das Rabbrnat der israclitischcn Gultusgemcindc macht durch Gircnlär bekannt, -atz da» von einem hiesigen Metzger geporsckte Hinlcrstcisch. welches derselbe als -rs* öffentlich annoncirt und feilbicrct, zum Gebrauche für Haushaltungen unerlaudt ist, weil das von einem Württemb. tUabbinate ausgestellte Vesähigungszengniß des Mcvzers die erforderliche Bestätigung Mertens des hiesigen Nabbinats nicht erhalten bat und das Porsche« des Hinterslcischcs in hiesiger Gemeinde überhaupt ausnahmslos verboten ist. Marmherur, 12= Rsv. Ter Großh. Landcskommiffär Frech für die Kreise Mannheim, Heidelberg und Mosbach erläßt folgende Bekanntmachung: Aus Grund der 11 und 12 des Rcichsgestres vom 21. Okt. 1878 wird verfügt: Tie mit hebräischen Lettern gedruckte, in London herau«gegebene Zeitschrift mit dem Titel „Tl»e "Workers Fiiend“ V«.L II Xr. 32 vom 16. 3cpt. 1887 wird verboten. Berlin, 1». Nov. Bor einem zahlreich verfammcitcn Publikum hielt am <». d. Herr Rabbiner Tr. Oscar Lipsckrütz in der vereinigten Wolss'schenuud Lippmann-Tauß-Lynagoge, Landsbergerstr. 87 einenfür seine am'p •£• ‘t r^r im Alter von Jahren Hingeschiedene Tante, Wwe. Garolinc Mendelssohn, Tochter des Tanziger Lberrabbiuers Israel Lipfchüs des Verfassers des Mifchnacommcntars rx^ r-.Nsr. In der trefflichen 9icde, die auf alle Anwesenden tiefen Gindrnck machte, entwarf der Redner ein getreues Lebensbild von dem Wirken und Schaffen der Verewigten, die in ihrer Gottergebcnhcit. in ihrer Menschenliebe und mustergültigen Erziehung ihrer 6 Kinder als würdige Tochter ihres großen Vaters sich herrlich bewiese:!. Wohl selten bat in unserer Zeit eine Frau in Israel so voll und ganz ihre Lebensaufgaben zu lösen verstanden und in solch schönem Maße alle Tugenden in sich vereinigt, wie gerade diese r*n -.rx, und noch lange wird in dem Herzen ihrer strenggläubigen Kinder und in den Kreisen all ihrer Verwandten, wie Bekannten, das Andenken der Seligen zum segensvollen Vorbilde dienen r.'zvr. I Rußland. I Aus Rußland. Die „Kölnische Zeitung" versteht eS wirklich recht gut bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit die Juden an den Haaren herbeizuzichen und sic daran ein wenig zu zausen. In einem Artikel »Ter Teutschenhaß in Rußland" vom 5. ds. schreibt sie u. A.: „Gin weiterer Grund für den Deutschenhaß im nicderu Volk ist, so befremdlich dicS auch in den Ohren jedes Deutsche» klingen mag, das in Rußland weitverbreitete Iudenlhum. Im westlichen und südlichen Rußland ist der kleine Mann völlig in den Händen der Juden. Da aber die Juden meistens den Russen srcmdklingende Ramcn tragen und sich oft der deutschen Sprache, allerdings mit einer schrecklichen Verunstaltung derselben bedienen, so hält sie der gemeine Mann für Deutsche oder wenigsten» für den Deutschen verwandt und schert Juden und Deutsche über einen Kantm. Selbst einigermaßen gebildete Russen verrathcn dieses dürftige Unterschcidungsvermögen. GS braucht wohl kaum erwähnt zu werden, daß jene Umstände von den Panflavisten zur Schürung des Deutschcnhaffes ansgcnnvt werden." Dieser sogenannte „Grund" wäre mit dem Wort „lächerlich" abgethan, wenn er nicht auf den gemeine» Zweck der Hebe hirranegingc. Sucht ja die „Köln. Zeitung" selbst durch daS eingeschobene „so befremdlich :c." die Ungchenerlichkeit ihrer Behauptung vorwegzunehmen. Wer nur einigermaßen die russischen Verhältnisse kennt, weiß, daß die russischen Juden eine ganz erkleckliche Anzahl russischer Zunamen ausgenommen haben, und daß sic im Verkehr mir Ghrisrcn sich stets des Russischen bedienen. Gs ist fat.fam bekannt, daß das Gros dieser Juden lange Röcke und Pcoth (Schädcllöckchen) trägt. Tamil vergleiche mau nun den russischen Sprachgebrauch der Jeden, der etwas stutzerhaft nach europäischem Geschmack gekleidet geht, ob Ghrist, ob Jude, ob Deutscher, ob Russe mit dem Worte bespöttelt: „Rjeki-Rjemez" tAha, ein Deutscher.) Gs fällt weder dem ungebildeten noch dem gebildeten Russen jemals ein, der: russischen Juden und deutschen Ghristcn irgendwie zu idenlificiren, wofür am besten der Umstand spricht, daß die russischen Juden unter den: Teutschenhaß der Russen auch nicht das mindeste zu leiben haben. Ueberhanpt harmonirt im Allgemeinen der russische Jude mit dem Volke ganz