Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 90 (21.11.1887)
- Date
- 1887-11-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1606 bin all der Rekchthümer werde, die ich auf Erden zurücklasse. Vielleicht läßt es sich arrangiren, da» Deine Tochter sich mit dem Brudersohn Leines Gemahls vermähle. Anton ist Dir rin braver Manu und mir ein guter Sohn gewesen. Deßhalb möchte ich, daß sein einziger Verwandter, seines einzigen Bruders einziger Sohn, Mitbesitzer unseres großen Vennögens werde. Doch überlasse ich das ganz Deinem Ermessen. Fürchtest Du Dich, Deine Jugendsünde der Welt zu offenbaren, so vernichte die einliegenden Briefe, und. das Gebeimniß mag ewig bewahrt bleiben. Vielleicht kannst Du es auch in anderer Weise gestalten, ohne Dir eine Blöße zu geben. Tu kannst das junge Mädchen als Gesellschafterin zu Dir nehmen und es nachher, nachdem cs die Taufe empfangen, adoptiren. Dann braucht kein Mensch zu erfahren, daß Du einst gefehlt und wie nahe das Mädchen Dir steht. — Wenn ich gegen Dich gesündigt habe, geliebte Tochter, da ich Dir einst die Unwahrheit sagte, so verzeihe mir; es geschah nur aus väterlicher Liebe zu Dir. Doch nein, ich ertappe mich schon wieder bei einer Unwahrheit; es geschah nicht nur deßhalb, sondern zumeist dcßwegen, um meinen Namen und den meiner Ahnen vor Schande zu bewahren. Jetzt, im Angesichte des Todes, fühle ich mich über derlei Schwachheiten erhaben. Mit mir stirbt der Letzte meines Stammes. Vielleicht könnte der junge Earl Nohritz, wenn er Dein Kind hcirathet, durch die Gnade des Kaisers die Erlaubniß erlangen, den seit vielen Jahrhunderten mit den Gütern verbundenen Namen der Grafen Topolski anzunchmen. Tann würde das neue Geschlecht sich unmittelbar an das alte anschlicßen, und Tu würdest die Stammmutter künftiger Grafen werden, wie es einst mein heißester Wunsch war. Ich wiederhole jedoch, daß ich durch eine feste Anordnung Dich in Deinen Entschlüssen keineswegs binden will- Da bist die einzige Erbin aller meiner Reichrhümer. Tu bist klug uud besonne«. Tu hast durch zärtliche Liebe und kindliche Fürsorge für mich Deine« Jugend» fehler längst wieder gutgemacht. All de» Kummer, den Tu über mich gebracht, habe ich vergebe« und vergessen. — Verfahre also ganz nach deiner eigene« Einsicht und bewahre ein liebevolles Angedenken Deinem Vater, der nicht zu hoffen wagt. Dich hie» nieden noch einmal wieder zu sehen. — Der alle Balthasar wird Dir an dem Tage, an welchem man die irdischen Neberreste Deines DaterS zur Ruhe bestattet hat, diesen Brief überreichen. Gott segne Dich, mein Kind, und gewähre Dir stets Ruhe und Frieden. Dein Vater, Wenzel, Graf Topolski. Schloß Zittawitz, 1. September 186«. Oftmals hatte die Baronin die Lectüre des Brieses unterbrechen müssen, da die strömenden Thränen sie hinderten, weiter zu lesen. Mit großer Anstrengung rang sie nach Fassung. Es galt jetzt zu einem Entschlüsse zu kommen. Sollte sie plötzlich ein bisher ehrenvolles Leben mit Schmach und Schande bedecken, sollte sie audererseits einsam und verlassen bleiben und auf die Wiedervereinigung mit dem Kinde, das sie einst unter ihrem Herzen getragen, verzichten? Aber ihr verstorbener Vater hatte ja selbst den Ausweg angedcutct: sie konnte das Mädchen als Gesellschafterin zu sich nehmen und später das Weitere beschließen. Plötzlich über» mannte sie eine unbezwingbare Sehnsucht nach ihrem Kinde. Sie riß an dem Glockcnzug und besah!, als die Kammerfrau cinrrat: „Es soll Jemand sofort znm Gutspächter Krakauer reiren; seine Tochter Rastel soll gleich zu mir hierherkommen!" (Fortsetzung folgt.) .Der Israeli!' erscheint wöchentlich zweimal» Montags und Donnerstag-, fedrSmal in uundrstenS 2Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 RrichS-Mark, für'S Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt gan^ jährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch itn Puchhaustel ju bestehen bei <£. /. Sleiuacker. tkipstg, Ziohplatz IS. — Inserate 25 Psrnnige dir dreigrspaltene Perirzrile oder deren Raum. — Orsterrcichische Banknoten laue efourS. — Tirrere Francorusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Neich»-Mark oder 8 fl. sf:or., für'» Ausland 16 Reichs-Mark an die Hpedition franco einzusenden. Inhalt sHanptblatt): Leitender Artikel: Die e-ngkl au der Himmelsleiter. — Zeitungsnachrichten und Sorcespondtnzen: Deutschland: Main;. Frankfun o. M. Erfurt. Oestrrr.-Ungar. Monarchie: Vien. Strver. D riest. — Erircheuland: trorfu. — Mesopotamien: MoÜul. — Türkei. — Amerika: New Bork. — Feuilleton: Die Herrin von Ziuawitz. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: München. Mannheim. Berlin. — CfÖ.» Ungar. Monarch!:: Budapest. — Rumänien: Bukarest. — Frankreich: Lille. — tängland: 2mal London. — Rußland: Odessa. — Marokko: langer. — * ' ' ' . .Verantwortliche Ktbaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expediüsa de» .Israeli»' gr. Mache 45. Druck und Bcrlag ron OSear Lehmann in Mainz. <Hierza eine Beilage.)