Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 90 (21.11.1887)
- Date
- 1887-11-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449784--27536-2517447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1604 re» Derselbe gehörte der griechischen Gemeinde an, deren Vorsteher er auch durch mehrere Jahre war. Gr war auch ein eifriges und opferwilliges Mitglied der hiesigen Chebrah „Gcmiluth Hassadim", wie er überhaupt äußerst wohlthätig war. Mesopotamien. Mossul (Niniveh) am Tigris. Dar einigen Tagen traf hier im Aufträge des Sultans der französische Ingenieur' und Wasserbau-Techniker Galland ein, um die Ufer des Tigris zu untersuchen, da die Regierung die Absicht hat, am rechten User dieses Flusses hier, an dem unsere Stadt liegt — daZ alte Rinivch lag bekanntlich am linken Ufer des Flusses — einen Schutzdamm aufführen zu lassen. Der Tigris tritt bekanntlich im Sommer, wenn der Schnee in den Hochgebirgen Armeniens zu schmelzen beginnt, aus seinen Ufern und verursacht dann großen Schaden sowohl an den Gebäuden, sowie auch in den Gärten und auf den Feldern, und soll diesen fast jährlich wicderkehrenden Verheerungen durch die Errichtung eines Schntzdammes ein Ende gemacht werden. Von hier begab sich Herr Galland nach unserer Nachbarstadt Bagdad, die gleichfalls am Tigris liegt und daher eine Leidensschwestcr Riniveh's ist, um auch dort Messungen und Untersuchungen vorzunchmcn, da die Negierung auch in dieser Stadt einen Schutzdamm gegen die Ueberssuthunge» des Stromes auf» sühren lassen will. Jndcß darf man in der Türkei den guten Willen der Regierung nicht gleich identisch halten mit einer Thal derselben und so dürften daher noch Jahre vergehen, bevor wir und die Bagdader von den Flmhen des Tigris nichts mehr zu fürchten haben werden. So wie in Jerusalem am Freitag Nachmittag die frommen Juden zur westlichen Tcmpclmauer (hvo hinströmcn, um dort ihre Andacht zu verrichten, ebenso ist es hier Gebrauch, daß die Mohamcdaner sich am Freitag Nachmittag nach einer außerhalb der Stadt gelegenen Moschee begeben, von der die Sage geht, daß in ihr der Prophet Jonas begraben liege. Das vermeintliche Grab des Propheten befindet sich in - der Mitte der Mo» schee und ist mit einem Seidenteppich bedeckt, während ringsherum um dasselbe brennende Lichter und Lampen stehen. Decke und Lichter sind beide eine Spende der moslimischen Bevölkerung. Die Sage von dem Grabe des Propheten in der ge-' nannten Moschee wird auch von. den Christen hier getheilt, die daher gleichfalls dieser Stätte ihre Verehrung zollen. Jndeß ist es immerhin möglich. i daß dieser Prophet, nachdem er einmal die NW» Gottes hier erfüllt, in unserer Stadt dann, welche wahrscheinlich schon damals eine kleine jüdische Kolonie in ihren Mauern beherbergte, seinen Sfafeat» halt nahm und später hier auch seine letzte Ruhe» stätte fand. Bekanntlich befindet sich unweit von Hilleh (Babel) das Grab des Propheten Jcchcskcl. Während in Amara am Tigris Esra Hassofer*) sei« Ruhestätte hat; in dem südlich von hier gelegene» Eharkuk sollen die irdischen Hüllen Daniels und seiner Genossen den ewigen Schlaf schlummern und in dem unweit von hier gelegenen Torfe El-Knfch Orpta) zeigt man das Grab des Propheten Nachu«; ebenso ist cS möglich, daß sich das Grad des Propheten Jonas in unserer Mitte befindet, lleberhaupt scheinen viele Propheten, die nach der Zerstörung des ersten Tempels lebten, es vorgezogen zu habe», in Babylonien oder eigentlich im (mit (nrus) zu sterben, um so in der Wittt ihrer Brüder, die dort in der härtesten Sklaverei lebten, begraben zu werden, damit diese an ihrem Grade ihre Andacht verrichten konnten und so dort zugleich auch Trost und Hoffnung für eine bessere Zeit fanden. Zum Andenken an den Propheten JonaS begehen die Christen hier, die fast fämmtlich Chaldäer find, im Monate Juni cm dreitägiges Fasten, das sie buchstäblich „Zom Rinpeh (Ninveh - Faste»)* nennen und an dem sie' von Sonnenaufgang bis zum Untergänge nichts genießen. Den Christen zn liebe nehmen auch die Mohamedaner au diese» Fasten Theil. doch beschränken-sie dasselbe blos aus den letzten und drülen Tag. Diesem Fasten folgt ein allgemeiner Fest- und Freudentag, an dem dem geschwächten Körper neue strafte zugesührt werden. Dieses Fasten datirt jedoch erst ans dem. 3. Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung und wurde es damals von einem chcttbäischcn Bischöfe hier eingesetzt. Die Juden Mossuls beachten daher dieses Fasten gar nicht, ebensowenig den daraaffolgcnden Freudentag. Der hiesige Rabbiner, Ehacham Muffa, ist seit Kurzem bettlägerig. Er steht wieder mit dem General-Gouverneur hier auf gutem Fuße» da der Sultan ihm für das nach Paris und London an die „Alliance Jsraelkte* und die „Anglo-Jcuüch- Association* abgcschickte Allarm-Telegramm, über das seiner Zeit auch dem „Israelit* Meldung geschah, seine volle Verzeihung gewährt mrd ihm seine frühere Huld wieder zugesagt hat. _ 6 •) Annr. btr Äfb.: Ta5 iii gewiß nicht wahr; <?*» & im heiligen Lande gestorben und liegt auch dort begraben.