Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 90 (21.11.1887)
- Date
- 1887-11-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449784--27534-2517445- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1602 Das hiesige Schöffengericht verurtheilte heute den Sänger wegen öffentlicher Beleidigung zu 30 Mark Geldstrafe und sprach dem Beleidigte» daS Publikationsrccht zu. Oesterr.» Ungar. Monarchie. Wien. Der häßliche Wunn des Antisemitismus nagt fast an ollen hiesigen Vereinen, die dadurch nur Schaden leiden. Ter erste Wiener Turnverein hat es glücklich dahingebracht, daß ihm die anständigen Leute den Rücken kehren; nun ist es wieder der akademische Gesangverein, welcher auf dem besten Wege ist, sein Ansehen und seinen guten Ruf zu verlieren, dadurch, daß er seit einiger „Seit jedem Aufnahmswerber jüdischen Glaubens den Eintritt in den Verein verweigert, und mag der Bewerber noch so fähig sein. Der Ebormeister und Leiter des Vereins, Herr Professor Rudolph Weinwurm, sah sich auch deßhalb veranlaßt, auf seine Stelle zu verzichten. In Steycr ■, (Ober - Oesterr.), wo sich vor 30 Jahren noch kein -rav zweimal 24 Stunden aufhaltei: durfte, wurde von dem strebsamen Eultusvcrcin wegen der Bansälligkcit des alten gcmicrheten Lcrlokals, da man fürs theuere Geld nirgends ein neues Objekt in Pacht erhalten konnte, durch die große Opscrwilligkeir der Mitglieder ein Haus für eine Schule als Eigcnthum erworben. Leider fehlen dein Verein die ferneren Mittel und dem Haus die nöthigcn Räumlichkeiten zu dem so norhwendigcn Neubau einer Synagoge; eine größere Beihilfe von auswärts, die das begonnene Werk fördern helfe, wäre hier sehr am Platze. Trieft, 8. November. Vor einigen Tagen weilte ein illustrer Gast in unserer Mine. Es war dies der im jüdischen Lager wohlbekannte SirFredcrik M o c a t t a aus London, der sich eben auf einer Reise nach den unteren Donauländcrn befindet. um seinen dortigen Glaubcusdrüdern neuerdings Hilfe und Rath zn bringen. Derselbe besuchte darin. auch am folgenden Sabbate in Begleitung des Vorstandsmitgliedes Alberto Weilt die "hiesige große Snnagoge, wo er nun mit allen ihm gebührenden Ehren empfangen wurde. Auf sein'Verlangen stellte ihn dann fein Begleiter unserem verehrten Obcrrabbincr Me Hi vor. mit dem sich der illnstrc Wan durch eine längere;jcit im fließenden Italienisch unterhielt. Zur Thora gerufen, machte dcrstldc dann große Spenden den hiesigen Ehcbrorh. Von hier aus degav sich Herr Mocana abermals in Gesellschaft des Herrn Wellt in die Vivante- Snnagoge, wo er gleichfalls bedeutende Spenden gelobte. Für Mittag war er bei dem Baron Pietro de Satorio zu Tische geladeu, doch genoß er hier, da sein Wirth nicht dem 'jüdifcheu Glaube» angehört, nur etwas Lbst und einige Traube». Da er noch am selben Abend mit dem abgehenden Lloyddampfcr veiler reisen mußte, und die Nacht »och nicht hereingebroche» war. so ging er zu Fuß nach dem Landungsplätze, wohin ihm der Baron das Geleite gab. Selbstverständlich machte der streng religiöse Lebenswandel dieses Londoner Millionärs großen Eindruck in den hiesigen jüdischen Kreisen und man gelangte zur Einsicht, daß cS auch einem Millionär schön anfteht, wenn er nach den Vorschriften unserer heiligen Thora lebt. Am 18. d. MtS. hielt unser Eultusvorstand nach den Commerfcrien seine erste Sitzung ab, wobei unser chrenwerther Rosch-Hakahal, der den Lesern dcS „Israelit" wohlbekannte Enrico Salem, präsidirte. Derselbe legte dabei auch daS Budget der Gemeinde für daS vergangene Verwaltungsjahr 1886—57 vor, das selbstverständlich, da cs heutzutage einmal schon so Mode ist, mit einem Deficit abschloß. Indeß sind die Finanzen unserer Gemeinde so gute, daß ein Deficit keinen allzugroßcn Schrecken einzustößc« vermag, uno so wird der heurige Kassa-Abgang mit dem Ueberschusse vom vergangenen Finanzjahre genügend gedeckt werden. n'22 r»«i ysr?. Ta sich nun in unserer alten Svnagoge einige schwere Baugebrcchen zeigten. so har unser Eultusvorstand, eine auS fünf Mitgliedern gebildete Eommission, an deren Spitze der Ingenieur und EultuSvorstcher Dr. Ettora Luzzatto steht, mcdergefetzt, damit sie dieses Gotteshaus in allen seinen Räumen untersuche und dann die nöthigcn Vorschläge zur Reparirung desselben unterbreite. Ter hiesige Wohlthätigkcitsvcrein „Malbisch- Aruviim" veröffentlicht jetzt seinen Bericht über daS Bcrwaltungsjahr 1886—87, dem zu entnehmen ist, daß der Verein in diesem Jahre für Kleider und Wäsche, die er unter die Armen vertheilte, 437 Gulden verausgabt har. Unser verehrter Lberrabbi'.zcr Äclli, der diesen Verein besonders begünstigt, erließ nun eineu Aufruf an alle unsere Gemeinde- Mitglieder, dem Vereine mit alten Kleidern und Wäsche kräftigst bekzuspringen. Freirag Abends, den 21. v. MtS. wurde hier im Tempel Nr. 4 der ueubcrufene Hasan, Herr Kuricl, ein Kind unserer Gemeinde, feierlich m sein heiliges Amt eingesetzt. Aus diesem Anlasse war das Gotteshaus wie an einem Festtage beleuchtet und in allen seinen Räumen überfüllt. Ober-