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Der Israelit · 1887-11-21 · Heft 90 (21.11.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 90 (21.11.1887)
Date
1887-11-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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|;j ' . •■ '; ■ ' ■' . {■;:i ■ ■ ■ - " - [1 1601 ■3 Hi; i j; 'i > -i i : - I! i Strebe». Durch diese allgemeine Beteiligung der Mitglieder an der Thätigkcit des Vereins konnte derselbe seine Aufgabe, die Kenntnis und das Vcrständniß dcS Judemhums zu verbreiten, in immer ausgedehnterem Maaße erfüllen. Der Vorsitzende erwähnte ferner ehrend de? so früh verstorbenen VercinsmitglicdcS Herrn Simon Wolfs, der stets ein warmes Jntercffe für den Verein gezeigt und sich an allen Debatten hervorragend betheitigt hatte. In den Vorstand wurden wiederum gewählt die Herren Leo Gllingcr, Moritz Frankel, Alfred Geiger, Tr. Hcincmann, Wilhelm Poscich Jacques Snarich und Julius Strauß. In der ersten diesjährigen Mitglkcderversammlung, die am Mittwoch Abend stattfand, hielt Herr Tr. Hcincmanu seinen Dortrag über Abraham Jbn Gsra. Die Familie Jbn Gsra führt ihre Abstammung auf König David zurück. Öb mit Recht oder Unrecht, läßt sich nicht mehr untersuchen; dagegen ist es gewiß, daß viele Männer aus ihr hcrvorgcgangen, die dieser Abstammung durchaus würdig gewesen wären. Neben Moses Jbn Gsra, dem hochgcscicrten Dichter, neben Juda Jbn Gsra, der als Minister des Königs von Castilicn nicht minder das Wohl des Landes als den Schutz seiner unterdrückten Glaubcnsbrüder im Auge hatte, ragt besonders hervor Abraham Jbn Esra. Geboren in Toledo gegen Ende des tl. Jahrhunderts, hatte er nicht die glänzende Lebensstellung, zu der so viele Glieder seiner Familie gelangten. TaS Unglück heftete sich an seine Fersen. Tic romantische Sage, bst ihn zum Schwiegersohn Jehuda Halcvi's macht, ist unbegründet. Nicht ganz aufgeklärte Unglückssällc zwangen ihn, mit seinem Sohn Isaak Spanien zu verlassen, und seine Wanderfahrt führte ihn bis in die entlegensten Gegenden, ohne daß er irgendwo sicheren Ruheplatz fand. Gr trug alles Leid mit Ruhe und schilderte es mit einer Selbstironie, die beweist, daß sein Muth nicht gebrochen ist. ^.Wollt' ich mit Kerzen handeln, so ginge sicher die Sonne nicht unter; würde ich Lcichcngcwändcr verkaufen, so würde sicher Nicniand sterben." Nun traf ihn ein neuer, furchtbarer Schlag. Sein Sohn Isaak, der in geachteter Stellung im Lrient zurückgeblieben war, trat zum Islam über. Da entströmen der Harfe des Dichters zwei rührende und ergreifende Klage!.eder über den Sohn, in dem der Vater den Stolz und die Freude seines Alters Zeichen habe, und der jetzt zu dem Leid, das schon das Geschick über Jbn Gsra gebracht, noch das herbste binzugefügt habe. Abraham JbnGsra starb aus der Rückreise nach seinem Heimathlande, che cr dieses noch erreicht hatte; »75 Jahre alt, schied," wie er selbst auf seinem Sterbebette sagte, »Abraham von dem Zorne der Welt." (7« p*ina vsta). Abraham Jbn Gsra's schriftstellerische Thätigkcit war eine sehr reiche. Sie soll sich auch auf das talmudische Gebiet erstreckt haben, doch sind uns keine Schriften dieser Art erhalten. Als Dichter war er außerordentlich bedeutend und verdient durchaus nicht die geringschäbige Behandlung, welche von manchen Historiker» seinen poetischen Werken zu Thcil geworden ist. Redner erörterte dies durch den Vortrag einiger Gedichte, die den besten der spanischen Schul« ebenbürtig sind. Als Grammatiker, als Philosoph und als Astronom gehört Abraham Jbn Esra gleichfalls zu den bedeutendsten Männern seiner Zeit, obgleich er sich von dem Irrwahn der Astrologie nicht ganz loswinden konnte. DaS Bcdcutungsvollste seiner literarischen Produkte ist der Kommentar zur heiligen Schrift aus streng-grammatikalischer Grundlage zu erklären, wobei er aber die Rothwcndigkcit der Tradition für die praktische Hebung des Gesetzes ausdrücklich betont und den willkürliche» Deutungen der Karäcr ebenso, wie einer auch schon zu seiner Zeit auftauchcnden Bibelkritik anf's Schärfste entgcntritt. Wenn von manchen Seiten Jbn Gsra selbst nun zum Vater der Pentatcuch-Kritik gestempelt werden soll, und wenn man namentlich all' diejenigen Stellen, in denen Jbn Gsra von einem »Gcheimniß" (td) spricht, als versteckten Hinweis ans eine kritische Auffassung betrachtete, so macht Redner dagegen geltend, daß dieser Ausdruck sich auch findet, wo eine solche Auffassung ganz und gar hinfällig ist, wie z. B. im jüngsten Wochcnabschmtt bei Jsak's Brautwerbung, und daß cs viel wahrscheinlicher ist, Jbn Gsra habe hiermit auf jene philosophischen Probleme verweisen wollen, deren Lösung den Menschengcist unausgesetzt beschäftigen. Redner verweilte dann noch eingehender bei der Behandlung einzelner biblischer Fragen und schloß mit dem Hinweise darauf, daß, wie Jbn Gsra die Trauer um äußeres Mißgeschick und selbst den tiefen Schmerz über den Abfall des Sohnes überwunden habe durch die Versenkung in das heilige Schrifnhum, auch Israel das äußere und innere Leid überwinden könne, wenn es sich diesen von den Vätern überlieferten Schatz erhalte. Erfurt, 2. November. Als am 6. Juni d. I. der israclirische Kaufmann Katzcnsiein in ein hiesige? Restaurant trat, stimmte der dem Katzenstciu feindlich gesinnte Kaufmann Hutter ein Kuplet an, dessen Refrain war: »Da kommt nun herein — der Jude Kayenstein!"

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