Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 89 (17.11.1887)
- Date
- 1887-11-17
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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23 etwas h5her gelegenen Stelle das Jordanwasser anfnehmen können, nm es raschen Laufes in die Niederung zu bringen. Steigt man die Anhöhe hinauf, so befindet man sich gleich wieder auf wildem Boden. Die Disteln wehren den Zugang zu den Ruinen. Doch überwindet man diese Schwierigkeit. Wir stossen auf niedrige, aus Trümmersteinen lose gefugte Hütten und schreiten auf ihren Lehmdächern besser als auf dem natürlichen Boden. Es sind unbewohnte Gebäude, die den Arabern als Magazine für ihre Getreide und andere Yorräthe dienen und von ihnen selbst zu diesem Zwecke errichtet wurden. Wir werfen noch einen Blick aufwärts in das bald zur Schlucht sich verengende Jordanthal, gehen dann zu unserem Fahrzeug zurück und lassen uns von der Strömung langsam abwärts treiben. Der Fluss nimmt sich hier recht stattlich aus. Er ist breiter als in seinem unteren Lauf beim todten Meer. Besichtigen wir nun sein linkes Ufer. Es ist eine grasreiche Steppe. Viel Rindvieh weidet darauf. Darunter fallen besonders die mächtigen Büffel mit ihren Höckern und den kurzen dunkeln starkgebogenen Hörnern auf. Dutzende dieser Thiere stehen oder liegen wie unbeweglich im Jordan. Bloss Kopf und Rücken, bisweilen auch nur Mund und Nase erscheinen über dem Wasser. In der Nähe carapiren die Heerdenbesitzer in Zelten. Bei der Mündung befindet sich ein kleines Schiff, ein anderes liegt als Wrack im Sande. Es scheint, dass die Eingeborenen mit jenem den Verkehr mit dem Westufer bewerkstelligen. Gegen Osten liegt die stattliche Ebene dlatiha vor uns. Ein tief eingerissenes Thal mündet vom Dscholan her in dieselbe ein. Eine stellenweise üppige Vegetation bedeckt sie. Da und dort steht Wasser darin.. Sie hat einzelne Vertiefungen, welche selbst unter das Niveau des See’s hinabzugehen scheinen. Unweit von der Jordanmündung gelangen wir zuerst zu einem ziemlich grossen, fensterlosen, weissen Gebäude. Ein schönkroniger Sidrbaum und vier hohe Palmen überragen es. Dasselbe wurde, wie mir die Leute sagten, von Muhammcdbaid, Wall von Damaskus erbaut und dient als Getreidemagazin der Regierung. Wir befinden uns nämlich bereits auf dem damascenischen District, welcher südlich bis an den Wadi-Sem ah, also etwas über das Ende der Ärf/Ai-Ebene hinausreicht. Jener Würdenträger beanspruchte auch für das kurze Stück, wo sein Gebiet an den See grenzt, das Recht der Fischerei, Er hinderte daher die Fischer von Tiberias, dort ihrem Gewerbe nachzugehen, obschon sie den ganzen See zu diesem Zwecke gepachtet hatten, so dass sie sich klagend an die Regierung wenden mussten. Der Jordan scheint dagegen ohne Widerspruch dem Vali von Damaskus zuerkannt zu werden. Er war es, der den Juden aus Safed das Recht verkaufte, darin fischen zn dürfen. Mehrere Beduinenlager ziehen sich dem Strande entlang. Unter den zahlreichen Zelten gewahrt man einzelne Rohrhütten, auch niedrige steinerne Gebäude, welche wie diejenigen von et-Tell als Vorrathsränme dienen mögen. Arab el-Blcchc sollen die Bewohner der Ebene heissen. Beträchtliche Heerden von Rindvieh nnd Kleinvieh beleben sie. Pferde tummeln sich darunter. Die ruhigen Büffel suchen auch hier das Wasser auf. Tief stecken sie in der trüben Flüssigkeit einiger natürlichen Bassins, welche in der Nähe des Ufers sich gebildet haben. Palmen stehen einzeln und in Ideinen Gruppen etwas landeinwärts. Ein munteres Bächlein kommt von den Bergen her nnd füllt eine beckenartige Vertiefung, nm dann nach kurzem Laufe sich in den See zu stürzen. Es beherbergt eine Menge Fische, meist Muscht, welche bei meiner Annäherung schleunig das tiefere Wasser des See*s anfsuchten, von dem sie offenbar auch hergekommen waren. Die Berge rücken bereits dem Strande näher, die schmaler werdende Ebene wird wilder, hohe Disteln bedecken sie. Doch führt ein leidlicher Weg durch dieselbe, welcher, bald mehr, bald minder deutlich, bis an das südliche Ende des See’s verfolgt werden kann. Nach langer Unterbrechung besäumen wieder prächtige Oleander das Ufer. Stattlich nimmt sich hier das aus, das wir in seiner vollen Breite vor ans haben. Mit grellem Lichte übergiesst die Sonne die weissgetünchteu Häuser von Tiberias, was dem Städtchen ein imposantes Ansehen verleiht. Auf der Höhe, oberhalb der Schlucht bei Medschdel, schimmert das Wdi Sckaib. Etliche Dörfer auf dem gegen Safed sich abschliessenden Bergkranz präsenteren sich ebenfalls sehr vortheilhafL Eines davon erkannten meine Begleiter als d-Mughar. Im Norden steigt bereits der herrliche Kamm des Herrnon ("2T1 *Yl) über die Vorberge empor. Mit jedem Schritt und mit jedem Raderschlag entfaltet sich dem südwärts Wandernden beim Rückblick der majestätische Berg besser. Wir schlagen uns nun durch das Dickicht, kreuzen den Strandweg und steigen die steile Höhe ostwärts hinauf. Es ist der nördlich von lf adt Bcmai am weitesten vorgeschobene und zugleich höchste Berg. An seinen Abhängen bauen Beduinen, welche zn den di ab gehören wollen, einen prächtigen Weizen, Durra, Gerste, selbst Tabak. Freundlich reichten sie mir unreife, halbgeröstete Getreidekörner, ein wohlschmeckendes, bei den Arabern beliebtes Gericht Obschon sie sich ihre Yermuthung nicht ansreden liessen, dass ich in den Rainen auf dem Berge Kostbarkeiten suchen gehe, liessen sie mich doch anbehelligt ziehen. Steiler nnd schma-