Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 89 (17.11.1887)
- Date
- 1887-11-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1587 scwitismuS, und nicht den Ilcbcreifer einzelner Hitzköpfe» die gedankenlos und bethört gewissen Schlagwortcu blindlings folgen, dann muß man anerkennen, daß die steiermärkische Bevölkerung und namentlich die der Landeshauptstadt für Hetzereien gegen die Inden weniger beanlagt und für die meufchentrenncude Toklrin der modernen Weltverbesserer weniger empfänglich ist, als es die auswärtigen Wortführer wünschten und glauben machen, ja daß man den Juden sogar Sympathien entgcgcnträgt, welche Anerkennung uud Würdigung verdienen. Ist es nicht rühmlich hcrvorzilhcbcn, daß der Geniciuderath der Stadt Graz, der keinen Israeliten in seiner Dritte bat (sind ja die Meisten unserer Gemeinde nach Ungarn zuständig), der israelitischen Eultusgcmcinde eine jährliche Subvention zu Eultuszwecken votirt, und daß der Sradtrarh aus einer Hinterlassenschaft für wohlthätige Zwecke auch den israelitischen Fraucnvercin mit einem Betrage von 2s0 Gulden bedacht hat i Tag es hier mit dem Antisemitismus nicht gar so arg bestellt ist. wie cs einige Blätter gern haben wollten, hat sich bei der jüngsten Anwesenheit des .Kronprinzenpaares augenscheinlich erwiesen. Tie Eultnsgemcinde war programunnäßig zu allen Festlichkeiten zugczogcn worden, welche von den Behörden, von der Stadt und einzelnen Körperschaften zu Ehren des hohen Paares veranstaltet waren; in der Person des Präses Earl Holzer, des Lanqnier Friedmann und des Rabbiners Dr. Mühsam ist sie in Audienz empfangen worden , in welcher das Kronprinzeupaar sich angelegentlichst über die Verhältnisse der Gemeinde erkundigte; bei den Empfangs¬ und Abschiedsfcicrlichkcitcn waren der Rabbiner und der Präses anwesend; zum Festballe, den der Gcmcindcralh veranstaltete, waren sie sogar «mit Familie" geladen, und was nach manchen Richtungen sehr bcmerkenswcrh erscheinen muß, das ist, daß der Rcichsraths-Abgeordnere Graf Wurmdrand, der Landeshauptmann von Steiermark, zu der Soiree, welche er zu Ehren des Kronprinzcupaarcs gegeben hatte, und welcher der Adel und die Aristokratie von ganz Steiermark anwohntcn, auch Tr. Mühsam und den Präses Holzer geladen haue. Tie Eultusgemcinde hat allen Grund, cs sich zur Ehre auzurcchnen, daß sie in einer solch' bewegten Zeit, wie die gegenwärtige ist, :der hiesigen Bevölkerung gegenüber ein Factor geworden ist, dein die competentcn Behörden und Persönlichkeiten Wohlwollen entgegenttagen. Italien. Rom, im November. Unser Aunicipiuul hat neuerdings einen ganzen Block von Häusern und Kaufläden im Ghetto, um den Betrag von 300,000 Lire angekauft, um denselben in den nächsten Togen schon gänzlich niederreißen zu lassen. Auf dessen Stelle werden sich dann Prachtvautcn erheben. — Tie italienischen Blätter erwähnen jetzt auch fleißig des Malers und Schriftstellers Professor Girolano Ravara aus Verona, dessen künstlerische Schöpfungen seit Kurzem auch die Aufmerksamkeit des Auslandes auf sich zu ziehen beginnen. Interessant ist es zu vernehmen, daß der Künstler dem Iudenthume angehört und zwar ist er ein begeisterter Sohn desselben. England: London, £. November. Die zweite Versammlung der zahlreichen Syuagogcnvcrcine und nrendes östlichen Stadtthcilcs fand Sonntag Nachmittag in der «deutschen Synagoge" unter dem Präsidium des Parlaments-Mitgliedes, Mr. Samuel M o ii tagu, statt. Es wurde einstimmig beschlossen, daß ein Gcucral-Vcrwaltungsrath (Eouncil), ähnlich dem der «Vereinigten Synagogen" (llnited Synagogucs), im Eastend London's gebildet werden solle, und daß jeder Synagogen-Vcrein seine beiden Vorsteher (und die aus mehr denn f»0 Mitgliedern bestehenden Vereine drei ihrer VrrwaltungSmitglicdcr) als Vertreter zu diesem Gcncral-Vcrwaltungsrathe zu dclcgircn berechtiget sei. Die constituircilde Lersaunnlung wird am 4. Dezember abgehalten. Palästina. Jerusalem, im Oktober. (Schluß.) Ein Anikcl ans Paris, der noch vor wenigen Jahren ein Hauptzweig für unseren Handel nach dem Oriente bildete, beginnt langsam zu verschwinden in Folge der starken Eoncurrcnz. Dieser Artikel sind die französischen Spirituosen. Tie französischen Produzcutcn können den Markt für denselben leicht zurückgcwinnen, wenn sie den Kunden mit Mustern davon emgegenkommen wollten. Ter Werth der Einfuhr der französischen Spirituosen beträgt jetzt 50,000 Frs. und der von Eypcrnwcin in Fässern 35.000 Frs. Oesterreich und Deutschland senden für 50,000 Frs. Bier in Fässern und Flaschen, die Türkei und Eypcrn für l0,000 Frs. Braumewein, und schließlich Oesterreich und Rußland zusammen rür 15,000 Frs. den groben Treberbrauntewein. Je schlechter jedoch der Branntcwcin und je billiger, desto größer der Absatz. Tie besten Häuser könnten sich nicht behaupten, wenn sie nicht schlechtes Fabrikae auf den Marke bringen würden. Bei einer Einfuhr im Werthe von 60,000 Frs. sigurirt Frankreich nrit 25,000 Frs. und sind dies