Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 89 (17.11.1887)
- Date
- 1887-11-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1586 daS Cnnfilidifie zurückgewirfcu werden. Ich sehe mich daher veranlaßt, um Ansnahylc nachstehenden Ar» tikcls in Ihr Blattzu ersuchen. Ter betreffende Referent schildert die Synagogen von Gotha, Meiningen und Eoburg und behauptet, alles Ticsbczügliche gründlich gesehen und berichtet zu haben. Wie gründlich der Referent zu Werke gegangen ist, wollen wir aus Nachstehendem ersehen: In Gotha stempelt er das Gebäude der dortigen Freimaurerloge zur Synagoge und hat keine Ahnung davon, daß die Gothaer Synagoge in einem ganz andern, als in dem beschriebenen Ctadtthcile liegt, und kein Gebäude aus grauem Sandstein, sondern vorläufig noch ein einfacher, provisorischer Holzbau ist. In Meiningen scheint der Herr Berichterstatter Anstoß daran zu nehmen, daß je 50 Schritte zu beiden Seiten von der dortigen Synagoge entfernt, sich ein katholisches und protestantisches Gotteshaus befindet, auch gefällt ihm der Plan im Allgemeinen nicht, auf welchem die Synagoge erbaut ist. Nun kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß die Meininger Israeliten sehr gerne ihren Prachtbau auf einen andern, mehr sichtbaren Platz gestellt hätten, und ist anzunchmcn, daß die bctr. maßgebenden Factorcn, rcsp. Stellen und Behörden gewiß in solch ein löbliches Beginnen gewilligt hätten, wenn ein anderer Platz vorhanden gewesen wäre. Leider hat der Herr Korrespondent seine Erholungsreise zu spät gemacht, er härte gewiß den Synagogenbau zweckentsprechender und schöner hergestellt! Und um die Schale des Zornes vollzumachcn und zum Uebcrlausen zu bringen, muß der arnie, erholungsbedürftige Korrespondent noch gar nach Coburg kommen, und dreimal „Wehe!" möchte man ausrufen, wenn man die Tinge in dieser Stadt betrachtet. Hat der Korrespondent in Meiningen wenigstens das Labsal gehabt, echte, unverfälschte, nicht modcrnisirte, jüdische Namen in der Nähe der Post und des Marktes vorzufiuden, so trifft er in Coburg Juden nur vom Slcinweg bis zum Markt, aber keine Synagoge. Ter mehrerwähnte Herr hat jedoch weder gründlich noch wahrheitsgetreu berichtet, denn auch in Coburg crifiirt eine Gemeinde, und solche besitzt eine S:magoge, sowie alle Einrichtungen, die jede wohleingcrichtete Gemeinde haben muß. Tie Synagoge befindet sich nicht etwa am äußersten Ende des etwa 30 Minuten von der Stadt entfernten Kitschcndorf, sondern ca. x Minuten vom städtischen Marktplatz, wird and) nicht ein Paar Mal im Jahre oder bci gewissen Gelegenheiten besucht, sondern cs findet darin Samstags und an allen Feiertagen Gottesdienst statt. Tie Beschuldigungen, die sich der Einsender des Eingangs erwähnten Artikels erlaubt, übergehe ich mit gebührendem Stillschweigen, ich mag dem Herrn nicht mit gleicher Münze dienen. Für die Leser Ihres gesch. Dlatttes fuge ich bei, daß die Gemeinde hier bei ihrer Gründung von der Stabt; eine Kirche zur Abhaltung ihres Gottesdienstes angewiesen erhielt, und zwar ohne irgend welche Gegenleistung hierfür. Tie Kirche wurde alsdann für den Gebrauch der Gemeinde hergerichter und findet wie schon erwähnt, regelmäßig Gottesdienst starr. Was man daher von den Acußerungcn des Eorrcspondentcn bezüglich der Unduldsamkeit einerseits und der Gleichgilrigkeit der Juden in Eoburg andrerseits zu halten hat, ergibt sich aus meiner wahrheitsgetreuen Schilderung. Noch weiter auf die ferner erlebten Abenteuer des Correspondenten einzugehen, halte ich für überflüssig; die Bemerkung will ich jedoch nicht unterdrücken, daß cs mir auffallend erscheint, daß der Eorresponocni nicht die hohen Feiertage in seiner Heimath zubrachte, was doch jeder fromme, und auch der Reformjude gern thut. Er Härte freilich in diesen) Falle Gelegenheit gehabt, Ehasonisch, besserem und schönerem Gottesdienst beizuwohncn und würde, was gewiß jüdischer ist, die Säalselder Glaubensgcnoncn, die soweit ich unterrichtet bin, ihr Möglichstes gethan haben, nicht verspottet haben. Seine Erholung war jedenfalls soweit vorgeschritten, daß er auch „gesammelt genug" rechtzeitig nach Haufe zu gelangen im Stande war. Sollte der ehrenwerthe Herr wieder einmal erholungsbedürftig sein, so rathe ich ihm Thüringen zu meiden, ganz besonders aber Eoburg nicht zu besuchen; wir hier vernichten auf die Ehre. Posen, S. November. Ter „Kuyrer Warszawski" meldet die Ausweisung aller fremden Juden aus Tiflis. Oestcrr.-Ungar. Monarchie. (Sratz, im Oktober. Wenn man die Berichte der antisemitischen Blätter ans Graz nnd Steiermark liest, so kann man leicht zu der Anschauung gelangen, daß Graz eine wahre Brutstätte des Antisemitismus fei, und zu der Bermmhung, daß die Juden daselbst unter dem Trncke einer feindseligen Strömung der Ruhe des Lebens entbehren, zum Stichdlarre andauernder Angriffe gemacht werden nnd in stiller Tuldung Insulten über sich ergehen lassen müssen. Tcm ist nicht so. Wenn man die Stimmung der Bolksgesammtheit und die Haltung der zeitgenössischen Mitbürger zum Maßstabe nimmt für den Grad des zum Ausdruck gebrachten Ami-