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Der Israelit · 1887-11-17 · Heft 89 (17.11.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 89 (17.11.1887)
Date
1887-11-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1584 nungen nützen, die nicht für ihn find ausgesprochen worden? — Wie hätte nun die Antwort EsawS lauten müssen? Esaw hätte sagen müssen: Gewiß, mein Vater, der irrthümiich errhellre Segen hat weder Werth noch Bedeutung; ertheile ihn jetzt mir, dem er gehört. Statt dessen erzählt die heilige Schrift: „Da hörte Esaw die Worte seines Vaters, da erhob er ein bitteres und großes Geschrei gar sehr, und er sprach zu seinem Pater: Segne mich, auch ich bin da, mein Paters — Alldem Lenchmeu Esaw'S bemerkte Zizchak, daß Esaw in irgend einer Weise das Anrecht auf den Segen verscherzt und an Jakob verloren habe; denn sonst hätte er ja nicht nöthig gehabt, so bitterlich zu weinen und um einen andern Segen zu bitten; er hätte vielmehr denselben Segen für sich beanspruchen sollen, und deßhalb fragt Jizchak: Ist dein Bruder mit Hinterlist gekommen, und hat genommen deinen Segen? lind nun muß Esaw bekennen, daß er seinem Bruder die Erstgeburt verkauft und dadurch auch das Anrecht auf den Segen des Erstgeborenen verloren habe. Mit dieser Darlegung ist nicht nur die Frage des Ralbag beantwortet, cs sind auch die fünf andern Fragen erledigt, die wir im vorigen Kapitel hervorgehobcn haben. Tie'erste Frage war: wie konnte Jizchak den Segen für Jakob sofort bestätigen, ehe er noch wußte, daß Jakob der Erstgeborene war? Wir haben nunmehr nachgcwiesen, daß die Worte V.- -pr c: mit zu der Frage Jizchaks gehörten. In der That erfolgte die Bestätigung der Segnung erst später (E. 28. B. u. 4). — In Bezug auf die zweite Frage haben wir nachgewiesen,' daß Jizchak wohl aus den Worten Esaw's schließen konnte, daß Jakob cS gewesen, der den Segen genommen hatte. Wir haben ferner erklärt, daß das Worl r.zrzz hier wohl am Platze ist, und darnit ist unsre dritte Frage beantwortet. Znm Vierten habc»r wir dargclegt, warum Esaw nicht diesen selben Segen für sich beanspruchen konnte, sondern gezwungen war, zu erzählen, daß er die Erstgeburt an Jakob übertragen habe, und zum Fünften haben wir dargelegt, daß die Worte -sn •vs in der übertragenen Bedeutung von „überlisten" zu erklären seien. Wundervoll ist die Deutung der Weisen, nach welcher cs sich hier nicht um die Erlangung irdischer, sondern der höchsten geistigen Güter handelte. jo,-:? 77 p-vrr* vri e~£sej t i~. »Und cs gebe dir Gott vom Thaue des Himmels — das ist die schriftliche Lehre." Sie gleicht dem Himmels- Idaue, der uns von oben hcrniedergekommcn. sie ist der Himmelsthau, der den gleichsam rodten Körpern erst wahrhafte- Leben verleiht. — u pwt »rsm rars, „und von der Fettigkeit (Fruchtbarkeit) der Erde, das ist die Mischnah." Der Thau des Himmels befruchtet die Erde; wenn er aber auf steiuichten oder sandigen Loden fällt, so fällt er zwecklos hernieder. Dem belebenden Himmelsthaue muß die Erde den geeigneten Boden entgegenhalten, auf daß Alles gedeihe und sich entwickele, was die Erde hervorzubringcn vermag. So ist Israel das geeignete Volk für den Himmelsthau des geosscnbarten. göttlichen Wortes: denn es hat sich die Tradition bewahrt, die allein das Gotteswort wirksam zu 'machen im Stande ist. •vpm nr pi m „und die Fülle des Getreide?, das ist der Talmud." Der Thau des Himmels und die Fettigkeit der Erde gewähren wohl Fruchtbarkeit; allein diese Fruchtbarkeit muß durch den menschlichen Fleiß erst nutzbar gemacht werden. So wie der Landmann die Furchen zieht im Erdboden und in ihnen das Saattom birgt, auf daß es aufgehe, gedeihe und wachse und die Fülle des Kornes bringe» das für die Erhaltung unsres Lebens so nothwcndig ist — ebenso verfährt der Talmud mit dem Gsiiesworte und mit der Mischnah; er wühlt gleichsam den Boden am, um das Korn zu gewinnen, das den Unterhalt bildet unsres religiösen, unsres geistigen Lebens. m:x:: rrr>7 „und Most, das ist die Agadah." Nicht vom Brode allein lebt der Mensch; auch der Wein, der des Mcnschcuhcrz erfreut, soll sein Leben verschönen. So sind die höchste, übersinnliche Weisheit einerseits und die Darstellung derselben im poetischen Gewände andrerseits die beiden Elemente der Agadah. Sie gleicht dem süßen Moste, der den Gaumen labt und den Geist erheitert. — Ter Himmelsthau des geossenbarten Gottcswortes, die auf Erden in uns sortlcbende Tradition, das Verständniß für die Gewinnung unsrer geistigen Nahrung und die ewige Herzensfreudigkeit, die das Alles uns erhält — das sind die unscrm Vater zu Theil gewordenen Segnungen Jizchaks, das ist nufer Erdthcil für alle Zeiten. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzcu. Deutschland. Mainz» 16. Nov. In der Svnagoge der isr. Neligiousgcscllschaft wurde heute Mittag 1 Uhr ein feierlicher Gottesdienst abgchalten, um für die Genesung des Kronprinzen die göttliche Hilfe zu erstehen. Nach Rccitimng von zu diesem Zwecke auSgewählten Psalmen, sprach Herr Rabbiner Tr. , :j tj

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