Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 88 (14.11.1887)
- Date
- 1887-11-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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157« schlagen, es wurden ihnen Ohren und Nasen abgeschnitten und 600 Frcs geraubt. Sic liegen jetzt Halbtod! im israelitischen Krankenhanse. Cs wird jetzt immer schöner, die Regierung schneidet einem Theil ihrer lieben Unterthanen das Brod kleiner und kleiner und was sie noch nicht genommen, das raubt ihres Gleichen durch Nebersall in der Wohnung oder aus offener Landstraße! — Vielleicht würde eS die geschätzten L'cfer intercssircn auf dem Umwege über Bukarest Nachrichten von der israelitischen Gemeinde in Nom, oder richtiger von dere» traurigen Zustand, zu erhalten. Der Präsident der römischen isr. Gemeinde Samuele A l a 1 ri sandte vor Kurzem dem Präsidenten der „Zion"-Bruderschaft in Bukarest für die Abgebrannten in Bottllschau den Betrag von ö. W. fl. 100 auf die Anglo-Lesterreichische Bank in Wien. Um die Geringfügigkeit dieser Gabe gewissermaßen zu entschuldigen, sagt Herr Alatri im Begleitschreiben folgendes: ..Unsere (römische) Gemeinde hätte gewünscht bei einem so großen Unglück eine viel wirksamere Hilfe zu bringen, ihre traurige ökonomische Lage aber hat ihr auch den bescheidenen Beitrag, den ne sendet, schwer werden lassen. Durch die gegenwärtige politische Disposition (die in de» lateinischen Ländern des Westens grassirende „Trennung von Kirche und Staat" ist damit gemeint) darauf beschränkt sich von kleinen, zeitweiligen und freiwilligen Beiträgen ihrer eigenen Mitglieder zu erhalten, hat unsere Gemeinde nicht die genügenden Mittel, um den großen Ausgaben ihrer Ccntralverwaltung gerecht' zu werden, so daß ihre Bilanz jährlich mit einem bedeutenden Defizit schließt. Hierzu kommt die Deccutralisirnng. welche durch die Riedcrlegnng des Ghetto so vielen, vielen Familien aufgelegt wurde, die dort viele Jahrhunderte gewohnt haben, was, außer der Schwierigkeit sich neue Wohnungen zu verschaffen, auch hohe Äiethcn erfordert, welche die Unglücklichen nicht zahlen können, umsomehr als es ihnen in den neuen Wohnungen nicht gestattet ist ihre kleinen Gewerbe auszuüben, von welchen sie früher ihre Cristen; zogen. Cndlich die schwere Pflicht, welche unserer Gemeinde obliegt, die für kurz zum Niederlegcn bestimmten Bethäuser zu ersetzen, unseren Friedhof mit Maueni zu umgeben, erfordert hierfür große Kosten, die unsere Gemeinde nicht weiß, wie zu beschaffen. CS sieht schlimm auS in Rom. — Bei der letzten Prüfung in der bukarester Handelsschule erhielten von 19 Kandidaten 7 das Abgangsdiplom. Bier davon sind Israeliten. Man sagt, daß ein fünfter, trotzdem er die für den Abgang vorgeschriebene Durchschnittscensnr haue, von der Promotion nur darum ausgeschlossen wurde, „damit die Proportion zwischen israelitischen und „rumänischen" Kandidaten nicht gar zu lehr in die Augen schlagend sei." Das ist auch eine „patriotische" That, in Rumänien. — Zu den letzthin besprochenen Ausweisung ansässiger und in Arbeit befindlicher israelitischer Handwerker (sogenannter — „Vagabunden" und „Fremde:") habe ich heute noch eure darüber kursirende Version nachzutragcn. Wie es in kompetenten .Kreisen heißt, soll die Regierung die Vermehrung der israelitischen Bevölkerung m Bukarest durch Zuzug (ich habe dies noch lctzwergangeuen Winter bei Gelegenheit der Interpellation Gherghcly hervorgchoben) aus anderen Städten längst beobachtet haben und sie wünsche nicht eine große und „urächtigc" Gemeinde in der Hauptstadt zu haben." Warum sie es bei der Zerfahrenheit und Ohnmacht der rumänisch-israelitischen Gemeinden nicht wolle, wird nicht gesagt und wie man es bei allen Handlungen unserer Regierung gewohnt ist, steck! sicher viel Weisheit dahinter. Wie heißt es doch in dem Lcssing'schen Sinngedicht: „an deinem Haß ist mir nicht, wohl aber an dem Grunde gelegen!" Ich vcrmuthe. der Grund ist der, daß Rumänien zur Abwechselung einmal nach der Manier Rußland's „sich räuspert und spuckr, was cs ihm längst abgcguckt", daß nämlich in den heiligen Städten Petersburg und Moskau so wenig Inden als möglich geduldet werden. Natürlich läßt sich aus dieser anrorisirterr Version leicht erlcuucu. daß die Vularestcr Polizei ganz und gar nicht — antisemitisch, und daß „die Bukarester Inden" an der Ausweisung der 500 Handwerker die Schuld tragen, wie der Herr „Glaubensgenosse" der Wiener „Ocsterr. Wochcnschr." aufgcbunden hat!" Ich habe Ihnen seinerzeit gemeldet, daß der Rabbiner Taubes;n Verlad angeblich in einer „Mission die rumänische Iudenfrage" betreffend" nach Paris gerufen sein soll. Der wirkliche Grund dieser Berufung ist noch heute nicht bekannt, wie ich selbst damals an der ganzen Nachricht zweifelte. Ich glaube indeß, man würde nicht fchlgehen, die Reffe des Herr» Taubes mit der großen Donation in Zusammenhang zu bringen, welche Herr Baron Moritz von Hirsch plant, und an welche er, wie cs heißt auch Rumänien theiluehmcn lassen wolle. Was die große Schenkung andctrisst, so wird sie zwar neuesten» — wenigstens in dem Umfange: 100,000,000 Frcs. — demcntirt, mir ist jedoch die Absicht des Barou Hirsch uud die angegebene Größe der Schenkung schon lange von den „Archive» Israelites" und den anderen Zcitun' gen bekannt und zwar seit ungefähr Mine August durch einen Herrn (Wagschal, Schwiegersohn des