Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 88 (14.11.1887)
- Date
- 1887-11-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449782--27495-2517404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVD1. Jahrgang. Beilage zu Nr. 88 des Israelit. Zeitungsoachrichleu und Correfpoudenzeu. Lesterr.-Nngar. Monarchie. K. A. Wien, 8. Rovbr. Ter Zlovember- Avanccmentliste entnehmen wir, daß Se. Majestät, der Kaiser, allergnädigst geruhte, den Oberstlicutenant Adolf Beer zum Obersten und Kommandanten des in Laibach garnisonirenden Artillerie - Regiments zu ernennen. Oberst Beer ist Jude; der Großvater seiner Gemahlin war Rabbiner in Amsterdam. Oberst Beer ist der Sohn hochgeachteter Eltern in Proßnix. Er abwlvine die höhere Artillerie- Akademie und cs wurde ihm die Auszeichnung zu Thcil, mit der Redaktion der „Zeitung für Amlleriennd Gcuicwescn" betraut zu werden; svätcr fungirtc er als Lehrer der Artillericschule in Wien, machte als Major den Feldzug in Bosnien bei der Truppe mit, leistete während desselben wesentliche Dienste und erwarb sich hierdurch auch die Gunst des Erzherzogs Wilhelm, des obersten Chefs des Artilleriewcscns in Oesterreich-Ungarn. Italien. Rsm. Unsere Stadt wird in wenigen Jahren eine den neuen Verhältnissen entsprechende Synagoge besitzen. Rach den vorliegenden Plänen wird sie eine Zierde der Hauptstadt werden. R n m ä n i e ». l>r. 0. Bukarest, 8. Rovember. Im Paltruisch, Bezirk Torohoj, sind Bauern bei Rächt in das Haus der Familie Frucht cingcbrochen, marterten sämmtliche Glieder derselben, fünf an der Zahl und rödteren den verheirarheren Lohn Moses unter den größten Oualeu, indem si« zugleich unter vielem Andere» auch 2000 Frauken raubten. Der Getödlcte war Reservist in der Armee und alSTdrilnehmer am Kriege 1877.7s, natnralisirt. Tic Opfer haben alle Ucbelthätcr erkannt und sie besitzen auch Thcile ihrer .Kleidungsstücke, die sie ihnen im Kampfe abgerissen, sowie die Kopfbedeckungen, die sie ihnen adgcnommen und die nun als Beweisstücke dienen können. Das Verbrechen wurde dem . Parquet der Bezirksstadt Torohoj deuunzin und da der Untersuchungsrichter M altezian n nicht gerade bei Laune war, so kam der Staatsanwalt Petro van, um den Tharbestand zu enquötiren. Dieser aber, der wegen feiner Willkür in Rumänien überall bekannt ist, hätte besser gethan ebenfalls nicht bei Laune zu fein und in Torohoj zu bleiben. Tenn was er that, ist den Regel» einer gerichUichen Untersuchung ganz entgegengesetzt. Er achtete nicht der beigebrachten eorporL delicti, nicht des dalie» gcnden Tobten, nicht der Wunden der Ueberleben« den, warf diese zur Thüre hinaus und machte sich ein Protokoll zurecht, nach welchem er die Nebel« thäter in völliger Freiheit und unbehelligt ließ. Da die Betroffenen auf denr ordentlichen Wege keine Gerechtigkeit zu erwarten haben, so wandten sie sich mit einem bezgl. Gesuche direkt an den König; was danach geschehen wird, bleibt abzuwarten. Ich für meinen Theil bczweisse. ob solche Gesuche angebracht oder von Wirkung sind. Tenn, wenn schon die Vorgesetzte Behörde, das Iustizministerinm, gegen den Staatsanwalt Petrovau nicht angerufen wird, weil Jedermann weiß, daß derselbe ein Günstling dieses Amtes ist. so steht wohl auch mit Sicherheit zu erwarten, daß die Eingabe an den König einfach — unterschlagen werden wird, und daß also Se. Majestät selbst, von den besten und höchsten Gefühlen beseelt, trotzdem nichts in der Sache wird tüuu können, tuctl_ er eben von der Sache nichts erfahren wird, so wird in Rumänien von dcn Behörden Eigenthum und Leben — geschützt, selbst nachdem schon geraubt und gemordet wurde. Herr Pelrovan mag in diesem Falle speziell noch willkürlicher gewesen sein, weil es sich ja um einen Naturalismen Juden (also um keinen „Rumänen?!) handelt, und cs ist ja „patriotisch", daß „das Land" von einem naturalisirren Juden „befreit" werde. Und da die hinterlassene Familie nicht natural»« sirt ist. so ist es noch patriotischer dieselbe um :;oo0 Frcs., um ihre Häuslichkeit, ihren Frieden und an den Bettelstab gebrach! zu haben. Alles Logik, kein Scherz! — Auch auf ossener Landstraße blüht von Zeit zu Zeit das alte „Haidukcn"- «Räuber-) Unwesen »vieder auf unter der gesegneten Regierung des Herrn Bratianu. Merkwürdigerweise aber müssen auch gerade Israeliten den Rücken hcrhaltcn. So wurden u. A. bei Rain und bei Red in, das eine 7, das andere 2 (!) Kilometer vor Bottuschan, also vor den Thoren der Stadt bei letzterem allein drei Israeliten mörderisch ge-