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Der Israelit · 1887-11-14 · Heft 88 (14.11.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 88 (14.11.1887)
Date
1887-11-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1570 tigeS Interesse. Derselbe ist nämlich bis vor 4 Monaten Jude gewesen. Man erinnert sich noch, daß zu dieser Zeit eine neue Klinik für Halskrankheiten errichtet werden sollte. Herr Tr. Krause, welcher aus Schncidemühl au? einer nicht unreligiösen Familie stammt, glaubte seine Bewerbung um die Tirekrorstelle am besten durch Beilegung eine? TauszeugnisscS unterstützen zu sollen. Tie entscheidende Sitzung nahte. Ter Tekan, Gehcimrath Tu Bois- Rcymond, verkündete, daß Se. Majestät zum Direktor den Prof. Tr. Frankel (dessen Großvater schon, wie man erzählt, sich hatte taufen lassen,) zum Direktor der Klinik ernannt bade. „Zu» gleich,- so fügte der Redner hinzu, „habe ich Ihnen die Mittheilung zu machen, daß der Privardocent Dr. Krause der Fakultät die offizielle Meldung zugehen ließ, daß er vor einigen Wochen mit seiner Familie zum Ehristenthume üdergerreten sei.- Möge es den vereinten ärztlichen.Kräften gelingen, da? kostbare Leben de? deutschen Kronprinzen zu erhallen, und der Allmächtige leihe dazu seine Gnade! Bl. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Au? Ungar». Ein Mitarbeiter de? in Budapest in ungarischer Sprache erscheinenden, trefflich rcdigirtcn jüdischen Blattes „Egycnlöfsgharre neulich mit dem berüchtigten Äntiscmitenapoftel Victor Istüzy eine Besprechung, deren wescnrlicher Inhalt auch weitere Kreise intressiren dürste und daher hier mitgctheilt werden möge. Nachdem der erwähnte Mitarbeiter das seltsam scheinende Factum konstalirt, daß gerade das Blatt Istoczy's, der doch den traurigen Ruhm beanspruchen kann, der Vater des ungarischen Antisemitismus genannt zu werden, am allerwenigsten gelesen werde, gibt er für diese auffallende Erscheinung, den treffenden Grund an, daß der Antisemitismus nur ans dem Mistbeete der Lüge, Verleumdung und Ehrabschneidung zu -gedeihen im Stande sei, und nur die Blumenlcse dieser verpesteten Giftpflanzen, die in den Antisemitischen Blättern, dem nach Ehr» und Lcbknabschnciden lüsternen Wirthsgästen in reicher Auswahl geboten wird, diese find das Lcdcnselement, die die antisemitische Presse erhalten; da aber Istoczy von diesen sauberen Tugenden nur wenig besitzt, indem er mit Ernst und Wahrheit denselben auf seine Fahne geschrieben — was an und für sich spaßig genug — so kann sein Blatt nur vcgctiren, aber nicht gedeihen, da eine Ausgeburt der Lüge und der bodenlosesten. Erdichtung, wie es der Antisemitismus, mit den Waffen der Wahrheit vcrthcidigen zu wollen, ein vergebliches Bemühen, da? sich nicht de? mindesten Erfolge? erfreuen kann. Nach dieser vorausgeschickteu Bemerkung erzählt uns der Berichterstatter, daß er um das von Istoczy herauSgegcbene Blatt „12 Röpiratdas er vergebens bei allen Zcrtungsbudcn zu erlangen sich bemühte, bemüfsigt war. diesen selbst in seiner Wohnung aufzusuchen, woselbst er, nach ziemlich freundlichem Empfange, folgendes Zwiegespräch mit demselben hatte. „ES ist eine Thalsache- — sagte Istoczy unter Auderm — „daß die ungarischen Antisemiten jetzt keine besondere Partei im Landtage bilden, eine Elubgründung kostet ziemlich viel Geld» über das wir gegenwärtig nicht verfügen. — Auch hätten wir nicht alle Raum in einem Club, jeder wird seinen eigenen Parteistandpunkt bewahren; falls aber wieder antisemitische Fragen austauchen, werden die antisemitischen Mitglieder der wenn auch in politischer Beziehung verschiedenen Parteien, in dieser Frage vereint austreten.- „„Aber sehen Sie denn nicht ein, H. Deputirter, daß Ihre Partei so sehr zusammcngeschmolzen, daß jede Partei de? Parlaments sich von Euch fcrnhälr, und daß auch im Volke soweit der Antisemitismus in demselben gewesen, immer mehr abnimmt, erkennen Sie nicht darin, daß der Antisemitismus bei uns nicht lebensfähig, und daß Ihr Kamps für denselben doch keine edle Sache?— „Keines von Leidem-, erwiderte Istoczy, „cs geschieht oft in der Politik, daß eine Idee, welche eine zeirlang die Gemüther beherrscht, gerade in eine entgegengesetzte umspringt. Jetzt — ich kann es nicht leugnen, ist der Philofen.irismus tonangebend, aber ich hege die Uebcrzeugung, daß sich dies ändern werde; wir wenigstens werden den Kamps sortsctzen, wenn auch nicht als parlamentarische Partei, jedoch ein Jeder in seinem eigenen Wirkungskreise. Taß im Volke der Anrisemirismus schon verschwunden sei, darin täuschen Sie sich, das Volk denkt, so wie wir. und wenn auch nicht jetzt, so wird sich dies doch später zeigen.- „„Und halten Sie denn den Antisemitismus für so gut und edel, daß er solchen Kamps und solche Ansdauer verdiente, und halten Sie das Iudenthum wirklich für so unendlich schlecht, daß man cS um jeden Preis bekämpfen und vertilgen müsse? Erlauben Sir, daß ich mir diesbezüglich Ihr aufrichtige Ausklärung erbitte.— „Verstehen wir uns wohl einander. Ich habe nie behauptet — wie Diele meiner Gesinnungsgenossen mir Unrecht gechan, — daß die Juden schlecht sind u. dgl. Ich gestehe vielmehr, daß eS ganz tüchtige, edeldenkcnde Juden gebe, das ändert ober

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