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Der Israelit · 1887-11-10 · Heft 87 (10.11.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 87 (10.11.1887)
Date
1887-11-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1546 sichtnahme auf das religiöse Gewissen der Mitglicder angebracht ist, mag der Gemeindevorstand sich doch einmal überlegen. Doch lassen wir eine gewiß unparteiische Zeugin, eine der Reform gewidmete jüdische Zeitschrift reden, die in ihrer jüngsten stummer sich bitter über diese Neuerungen ausspricht: »Weder Orgel noch Pijutim, ein neues Könlgtzgebct und ebenso neuesten Datums ist die Einrichtung deutscher Gebete vor Kabbolaß SchabboS und dem Ein- und Ausheben der Thora; die Keduscha nur ist noch geblieben ... Es ist nichts für die Alten, nichts für die Neuen. Lasse man wenigstens das Muffavgebet." Fügen wir hinzu, daß das Kol Nidre gestrichen ist, und daß am Rosch haschono jeder Besucher als Angebinde die deutschen Gesänge erhielt , so dürste genug gesagt sein, um den Geist erkennen zu lassen, der einst auch in der zukünftigen Synagoge in der Lindcnstraße walten wird. Ebenso lieblich, nur noch durch die Orgel geschmückt, war der Festgottesdienst in der »Philharmonie". Ja, so versichert mir ein Baukunst studircndcr Bekannter, in diesem Gottesdienst steckt »viel Harmonie!" Tie zweite, staatlich anerkannte israelitische Synagogengcmeinde ist die »Adaß-Iisroel." Entbehrt dieselbe auch jener größeren Wohllhätigkcusanstaltcn, wie sie die erste Gemeinde in einer mustergiltige» Organisation besitzt, eines Kranken-, Siechen- und Waisenhauses, so weist sie doch immerhin die gesetzlich absolut nothwendigen Institutionen, Mikwah, Rcligionsschule, Friedhof und vor allen Dingen ein Gotteshaus auf, welches 425 Plätze faßt. Hier sammeln sich denn auch die strenggläubigen Elemente der naheliegenden Stadtviertel , ja, an den hohen Festtagen kann man auch Gesichtem begegne», deren Besitzer nichts weniger als religiös zu sein sich rühmen dürfen, die aber, dem bekannten populären Grundsätze, »wenn schon, denn schon" folgend, wenigstens an diesen Tagen einer nicht durch Musik erkünstelten, sondern aus den Tiefen des Herzen? quirlenden Andacht theilhastig zu werden wünschen. Das Gotteshaus hat denselben Zweck, wie die Gemeinde, ohne jeden äußeren Zwang allen Gleichgesinnten eine willkommene Stätte zu bieten. Ten dritten Platz iu der Reihe der Gotteshäuser gebührt der Synagoge an der Potsdamer Brückt. Diese kann trotz ihres geringen Umfanges als ein wahrer Schmuckkastcn bezeichnet werden und wird von den gcsetzcsrrcueu Millionären des Westens frequcnlirt. Rabbiner der Gemeinde ist der rühmlichst bekannteKanzelredncr Dr. SalomonCohn. Der Bestand desselben ist über jedem Zweifel erhaben und für alle Zukunft gesichert. Mit der Synagoge am SLöueLurger Ufer schließt die Reihe der größere« selbstständigen Bereinigungen ab; die nunmehr folgenoe« Gotteshäuser sind kleineren Umfanges und werden theilweise voa der Hauptgcmeinde mehr oder minder unterstützt. In der Lindenstraße 50 liegt die »Adast-Ieschnr u n", welche mit der neue« Synagoge i« jener Gegend verschwinden dürfte. Das Gotteshaus, dessen geistliches Oberhaupt Dr. Landsberger ist, neigt sich einer freieren Richtung zu. In der Prinzeustraße 86 hat der Louisenstädische Brüdervereiv, genannt »Ahawas Reim", seine Stätte aufgeschlagen. Tie Synagoge faßt über 400 Plätze und wird von den besseren Ständen jener Gegend frcquentirt. Die. religiöse Richtung der Bereinigung schaut nach rechts, auf dem curulischcn Stuhle sitzt Tr. Teutschländer. Hieran reiht sich das über 200 Plätze fassende Gotteshaus der »Ahawas Scholaum" in der Rosenthalcrstraße 1l und die fast ebenso große Wo lff'sche Synagoge in der Landsberger Straße 87, beide orthodox. Alle die zuletzt genannten Gotteshäuser überragt bei weitem an Größe der neue Bau, welchen die Gemeinde »B'ne Brith", die bisher in der Andreasstraße 21 domicilirte, auf dem grünen Weg, also in demselben Stadtthcile aussührt. Derselbe ist auf tausend Plätze bercchuet und wird einem tiefgefühlten Bedürfnisse abhclscn. Wir kommen zum Schmcrzenslinde aller Berliner Gemeinden, zur »Schöchare hattob". Wenn eineEorrespondc»; des öden erwähnten Blattes behauptet, daß die »Schöchare hattob" eingegaugcn sei, so entspricht btcfc_ Annahme keineswegs den thatsächlichcn Berhältuisteu. Allerdings ist die Gemeinde an einem Punkt angclangt, wo es heißt: Sein oder Nichtsein, das ist die Frage! Und doch, wie schade wäre cS , wenn diese Bereinigung ob uiangclndcn Eifers ihrer Mitglieder sich auflösc» müßte. Tie »Schöchare hattob" besteht seit 30Iabrcn, sie hat in einer Zeit erbitterter Glaubcnskämpfe dem altjüdischcn Gottesdienste eine Stätte errichtet, und die »das Gute suchten," schienen auch das Gute finden zu sollen. Was ist geworden aus den stolzen Plänen und der erträumten Zukunft? Nachdem die Gemeinde jahrelang ihren Gottesdienst in jenen fast historisch gewordenen Kellerräumeu abgehaltcn. siedelte sie nach dem »Ochseukops" über (wo sich jetzt der neue Palast des Polizeipräsidiums stolz erhebt), um später mit kleineren Lokalen sich zu begnügen. An den Festtagen allerdings schaarcn sie in einem großen Leetsaale viele Hunderte, fast durchweg den höheren Gesellschaftskreisen angchörende Gönner und Freunde zusammen; die neue Synagoge indeß»

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