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Der Israelit · 1887-11-10 · Heft 87 (10.11.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 87 (10.11.1887)
Date
1887-11-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1545 spendet Jedem ohne Unterschied, so ließ Abraham seine Wohlthaten Allen;:i Theil werden, die das Glück Hanen, in seine Nahe zn kommen. Er Vernich seinen Feinden und war stets seinen Freunden ein zuverlässiger Helfer und Retter. Viel erzählt uns von seinem edlen Thun die heilige Schrift, viel berichtet uns hiervon die Tradition. Unmöglich jedoch war cs und ist cs. Alles zu beschreiben und zu erzählen, was Abraham Gutes vollbracht hat; wir können cs nur vcrmuthc»; doch wird cs aus einzelnen Andeutungen der heiligen Schrift uns klar. Tic Söhne Ehcrh oder die Ehcli, wie sic in den profanen Gcschichtsqucllcn des Alterrhums genannt werden, waren eines der mächtigsten und gebildetste» Völker der damaligen Zeit. Wie sehr Abraham die Anerkennung der Mirlebcndcn errungen haben muh, wie sehr er durch große und edle Thattn ihre Achtung und Verehrung erworben, geht schon daraus hervor, das; die Beherrscher dieses heidnischen Volkes ihn als einen Fürsten Gottes bezcichncten und düst sic cs sich zünl Ruhme anrcchneren, das; Abraham in ihrer Milte wohnte, rw nrw c-rs «tj, „ein Fürst Gottes bist du in unsrer Mittel Mit Recht sagt daher Raw Acha: „Mancher Mensch ist alt und nicht betagt, ein Anderer dagegen ist betagt und nicht alt; aber hier entspricht das Alter den Tagen, und die Tage dem Alter." Tie Tage Äbrahanrs zeichneten sich alle durch gute und edle Thatcn ans, und bis ins höchste Alter vermochte er in »»geschwächter Jliaft Großes zu leisten. Das ist die Krone des Alters; sic zu erringen, liegt in jedes Menschen Hand; denn, wenn auch natürliche Ursache des Menschen Leben begrenzen sollte, so verfährt doch Gott mit Seinen Frommen in nb.rnatürlichcr Weise; (fr verlängert ihr Leben und lässt sic das hohe Grciscnaltcr nicht als eine Beschwerde, nicht als eine unerträgliche Last, soni'crn als eine beglückeudc Krone empfinden. — Zeitungsnachrichten und (forrefpondcnzen. Deutschland. Berlin, 29. Ort. Das würdelose, lief beschämende Schauspiel, welches am ersten Elnl jedes Jahres in den Spalten der Blätter arrhedt und mehrere Wochen später meist inner Topnergepoltcr anderwärts endigt, das Schauspiel der „fliegenden Gotteshäuser", fordert stets von Neuem den Spott unserer Feinde und die Entrüstung der Freunde heraus, ohne leider bisher au maßgebender Stelle eine durchgreifeude Berücksichtigung gefunden zu haben. Ter „Gottesdienst uiit dem berühmten Eantor", das Balllokal mit der „ergreifenden Andacht," das andachtstrunkcue Publikum, welches an derselben Stätte bald von einer weindurstigen Tanz, fcllschaft abgelöst wird , sind typische Erscheinungen geworden , zu denen allerdings treffend als Jllu» stration jenes Wort gehört, daS einst ein Prediger in einem hiesigen berüchtigten Salon am Kol Nidre gesprochen: Ihr seid heute hier erschienen, Ihr müßt jeden Abend diese Stätte aussuchen, wenn Ihr Eure Schuldigkeit thun wollt." In Wien wird lein derartiges Unternehmen polizeilich gestattet, wenn — nicht Unternehmer und Prediger bestimmte Garantie bieten. Diese Garantien würden hier das Ucbcl nur in seiner gröberen Form beseitigen, die Wurzel alles Unheils liegt in dem Mangel an Synagogen. Berlin hat 70.000 jüdische Seele». Rechnet man ans 6 Personen eine Familie, welchean den Festtagen 2 Mitglieder in das Gotteshaus entsendet, und, zieh: mau etwa 5 der „höheren Intelligenz" angchörcndcn Proccut ab, die überhaupt jedes Synagogcnbcsuchcs cmrathcu zu können vermeinen, so bleiben etwa 18,000 erwachsene, daS Gotteshaus besuchende Glaubensgenossen übrig. Bedenkt man aber, daß die Berliner Synagogen zusammen nicht die Hälfte soffen, so bleiben die ca. -io privaten Veranstaltungen vorläufig eine zwingende, lief bedauerliche Norhwcndigkeit. Eine Musterung aller größeren Berliner Gotteshäuser wird diesen Mangel an Andachtsstättcu vollauf bestätigen, und die Eouscqucnzcn werden sich am Schluffe leicht ziehen laffcu. Die Berliner Hauptgcmeindc verfügt über :r große Synagogen, welche in der Oranicnbnrgcrftraßc, in derKaiscrstraßc und in der Heidcrcnrergafft sich befinden. Während die letztgenannte Synagoge im Großen und Ganzen die Vorschriften des ReligwnZgcscves erfüllt, sicht die neue Synagoge auf dem Standpunkte der Augsburger Synode, deren Beschlüsse jeder Rabbiner zu unterschreiben hat, ein Verlangen, dem Tr. Ungerleidcr allein sich nicht gefügt. Tic-alte Synagoge ist allsabbatlich überfüllt, die neue an prcdigtloscn Sabbaten zu mindestens neun Zehntel leer. Tie Kaiserstraßensynagöge, welche seit einigen Monaten für das ganze Jahr geöffnet ist, har feit Neujahr ein religiöses Eolorit erhalten, welches bis auf die noch fehlende Orgel. einer Nefornisynagoge verzweifelt ähnlich sieht. Dieses Gotteshaus wird zumeist von Elementen „gemäßigter", ja thcilwcise geradezu orthodoxer Richtung besucht; ob diese mehr als geringe Stück-

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