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Der Israelit · 1887-11-10 · Heft 87 (10.11.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 87 (10.11.1887)
Date
1887-11-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Rabbi Herz Wesel bedeutet da? Wort einerseits die wunderbare Leitung, welche Gott Seinem Volke zu Thcil werden lägt, und andererseits die Herrlichkeit, den Ruhm, welche dem allmächtigen Wcltenlcnker aus dieser wunderbaren Leitung erwachsen. Daraus geht nun hervor, daß auch die Wege der Frömmigkeit, in welchen fromme Männer und Frauen gleichsam in wunderbarer Weise wandeln, mit diesem Worte bezeichnet werde. So sagt der weise König iMischlch 15. -'8, V. 12) rp-s pba n*xtn ran, daß da, wo die Frommen triumphircn, der Ruhm des allgewaltigen Gottes allgemeine Anerkennung findet; und an einer andern Stelle (daselbst (5. 19, V. l l) lehrt er: ** ■psci ni* bzz yzz by nr; lr.iüjn „Ter Verstand des Menschen veranlaßt ihn, den Zorn znrückznhalten und die Langmuth walten zu lassen; aber die Frcvclthat zu verzeihen, gereicht ihm zum Ruhme.- Ter weise König will damit sagen, daß die Zurückdrängnng des Zornes und das ianginüiijigc Ertragen der Beleidigung ein Product des Verstandes ist. Der Verstand lehrt den Vernünftigen, daß er sich durch den Ausbruch de» Zornes mehr schadet als nützt; dagegen ist es rrsrn, eine wunderbare, herrliche Tugend, die Beleidigung ganz und gar zu verzeihen, wie auch der deutsche Dichter iSchillcr) sagt: „Ter Siege göttlichster ist das Vergeben.- Zu vergeben ist ein Sieg, dem oft ein schwerer Kampf vorausgegangen ist. Oftmals ist die Beleidigung, die Frcvclthat, die man hat erfahren müssen, eine derart verletzende und in ihren Folgen unheilbringende gewesen, daß man alle Kraft ausöictcn muß, um verzeihen zu können. Ein solches Verzeihen, das oft auch mit Rachtheilcu verknüpft, ist kein Product des Verstandes, sondern es fließt aus dem durch wunderbare Anstrengung geläuterten Herzen. Wenn nun der Mensch von seiner frühen Jugend an in den Wegen Gottes wandelt, allen Vcrfuchnngcn widersteht, wenn es sein stetes Bestreben ist, immer weiser, besser und vollkommener zu werden, wenn er gleichsam vor Gott wandelt, das heißt die Allmacht Gottes sich stets vergegenwärtigt, und so vor jeder Sünde sich sorgfältig hütet, wenn er sich bemüht. Gottes heilige Gebote auf das Genaueste zu erfüllen, wenn er bellredt ist, feinen Mitmenschen nur Gutes und niemals Böses zu erweisen, wenn er die ihm widerfahrene Unbill nicht allein nicht rächend straft, sondern sie voll und ganz verzeiht: wenn er in dieser Weise seinem Gotte anhängt und die natürlichen Neigungen und Leidenschäften, sobald sie dem Böse» sich hinncigen, unterjocht, so ist sein Wandel ein wunderbarer, und auch Gott verfährt mit ihm in wunderbarer Weife. „Ter Fromme, wie eine Dattelpalme wird er blühen, wie ein Ecder im Libanon, wird er grünen. Gepflanzt im Hanfe des Ewigen, in den Höfen unseres Gottes werden sie blühen. Ihre straft wird wachsen bis in's höchste Alter, frisch und saswoll werden sie bleiben — zu. verkünden, daß nach Billigkeit verfährt der Ewige, mein Fels, und kein Unrecht ist an Ihm.- (Psalm 92. V, 13—16). Wie wir Gott gegenüber verfahren, so verfährt er mit uns; wenn wir in gleichsam wunderbarer Weise uns in Seinem Dienste stärke», so verfährt Er auch wunderbar mit uns. Tann wird unser Haupt krönen die Krone der wunderbaren Leitung Gottes, ran npr* -,112 7\2'? msen rrry. „Daß selbst das höchste Alter als eine .Krone der wunderbaren Führung Gottes erscheint, das wird auf dem Wege der Tugend gefunden.- Das hebräische Wort Zcdakah ist cs, welches all die herrlichen Eigenschaften Rmfaßt, die wir oben geschildert haben. Alle diese herrlichen Eigenschaften vereinigte Abraham in sich. Wir wollen jedoch, ehe wir das des Näheren begründen , den Ausdruck der heiligen Schrift »a DTrp iu'S Auge fassen. Wir haben oben die Begriffe Sikuah (Erfahrung, Weisheit) und Srbah (hohes Alter) nebeneinander gestellt und erörtert. L'2'2 N2 „gekommen in die Tage" hat noch einen andern Sinn. Viele Menschen erreichen ein ungemein hohes Alter und werden, nachdem sie gestorben, wie nicht gewesen sein. Nicht kömmt cs darauf an, wie lange man lebt, sondern» wie man die Tage seines Lebens mit Thaten erfüllt. „Ein unnütz Leben ist ein früher Tod.- Wer aber die Tage seines Lebens mit guten und edlen Thaten erfüllt, der lebt wirklich. Mancher stirbt in jungen Jahren und hat mehr geleistet als hundertjährige Greise. Glücklich, wem Bride» beschicdcu, wen Gott ein hohes und nngefchwäLlcs Alter erreichen läßt und. wer dabei bis in's höchste Alter gute und edle Thaten vollbringt. So war Abraham. Er hatte die Siknah erlangt, denn er wurde der Lehrer des ganze» Menschengeschlechts, der Verkünder des hei* ligen Namens des einzigen Gottes. Ihm wurde die Sebah zu Theil, denn bis in'S höchste Alter blieb ungcschwächt seine Kraft. Er hat aber noch mehr erreicht, er hat seine Tage nrit gute» und edlen Thaten erfüllt. Schon m früher Jugend kämpfte und litt er für die höchste Wahrheit. Wohin er kam, baute er Altäre und verkündete den Namen Gottes. Tie Versuchungen, die so oft an ibn herantrarcn, ndcrstarid und überwand. er siegreich. Er wurde ein Wohlthärer des Menschengeschlechts, und wie die Sonne Licht und Wärme

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