Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 86 (7.11.1887)
- Date
- 1887-11-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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ständig zu. ES ist daher einzig und allein Sache der Cultusgcmeinde, die im Dienste von Fleischhauern stehenden Schächter in EultuSbeamte zu verwandeln/ sowie nicht zu gestatten, daß ein solcher Schlächter eine eigene Fleischbank halte. Auf diese Art wäre eS der Cultusgcmeinde ein Leichtes, ihre Beamten zu überwachen und nichtvertrauenswürdige Geschäfts» Icutc durch Entziehung des Schächters vom Koscherflcischhandel auszuschlicstcn. In den weiteren Punkten ersucht die Cultusgcmeinde um den staatlichen Bei» stand bei Verleihung der Koschcrtafel, d. i. der in hebräischen Schriftlichen den Koschersteisch-Vcrkauf. anzeigenden Tafel, an Fleischhauer jüdischer und nichrjüdifcher Eonfcssion und bei Entziehung dieser Tafel. In dieser Richtung kann der staatliche Beistand erst dann angerufen werden, wenn der rücksichtlich des ersten Verlangens gemachte Vorschlag in allen Theilrn durchgeführt ist, dann wird cs auch der Gcwerbcbchörde möglich sein, ihrer aüS 8 der Gewerbe-Ordnung entspringenden UebcrwachungSpflicht betreffs Anwendung »entsprechender Bezeichnungen* bei den Betriebsstätten von Gewerbetreibenden nachzukommen. Aus dem Ganzen geht aber hervor, dast die EultuSgemcindc um Rechte ansucht, welche ihr ohnehin nicht streitig gemacht werden, sobald sie selbst deren Ausübung im Nahmen des Gesetzes bcthätigt.* Wien. Eine heitere Eonversionsgeschichte macht in den jüdischen Kreisen der Residenz viel von sich reden. Der Held derselben, ein junger, vielbeschäftigter Arzt, Träger eines berühmten Namens, ist der Sohn eines seiner Zeit vielgenannten Arztes, dessen Andenken noch unverlofchen und unverblastt in den Erinnerungen unserer Zeitgenossen lebt. Er, der Later, erlangte vermöge seiner außergewöhnlichen wissenschaftlichen Begabung auch als Jude die Universitäts-Professur und bewährte seine tteue Anhänglichkeit dem Iudcnlhumc auch, als die Gnade Sr. Majestät ihm Orden und Adel verlieh. Sein Sohn, welcher eine ausreichende religiöse Erziehung gcnoilcn und noch in den späteren Jahren häufig in der Lage war, seines hebräischen Wissens und seiner Kenntnisse in den israelitischen Rcligionsgegcnsiänden sich zu rühmen, hat nicht blos ein sehr ansehnliches Vermögen, sondern auch den geachteten Namen und die ausgcbrcitcte Praxis des DatcrS geerbt, und er vermählte sich mit der Tochter eines jüdischen Patricicrs in Deutschland, welcher Jahrzehnte lang an der Svitze des Deutsch-Israelitischen Gcmcindednndes den Kampf für das Iudcnthnm mit außergewöhnlichem Eifer und einer vielbewundcrtcn Energie führte. Nun ist an dem allgemeinen Krankcuhause die Stelle eines Primarius in Erledigung gekourmen, und unser Herr Doctor, der wie gesagt, der Träger eines ln der ärztlichen Wett ge» serenen Namens, hatte auf diesen Posten Anspruch und Chancen. Allein er ist — Jude. DaS schien ihm ein Derhängniß und müsse ihm zweifellos ein Hm» derniß werden in der Befriedigung seiner Wünsche. Dom Ehrgeize angestachelt, beeilt er sich, seinen Geburtsfehler zu repariren. Im Rn war er in der Lage, sein Gesuch durch ein frisch geschn'ebeneS T a n fz eu g n i st, gefertigt von einem vielbeschäftigten Geistlichen der Residenz, zu unterstützen. Mtt voller'Beruhigung harrte er nun der kommenden Entscheidung und wurde ein fleißiger Leser — der amtlichen »Wiener Zeitung*. Bald darauf — es vergingen kaum acht Tage — liest er in dieser selben amtlichen »Wiener Zeitung*, dast Herr Dr. Lang aus Innsbruck, ein unverwässertcr. d. h. noch nicht gctansrer Semite für die erledigte Stelle eines Primarius am allgcmciuen Krankenhause berufen worden. (Jsr. Wochenschr.) Preßburg, 17. Oktober. Bor dem Strafsenate des Preßburger königlichen Gerichtshofes wurde vergangene Woche ein Nachspiel der Brandkatastrophe von D. Szerdahely verhandelt. Den Vorsitz des Gerichtshofes führte Vicepräsidcnt v. Lrosz. Als Vcrthcidiger fungirte Advokat v. Presyzler. Der Thalbcstand der Sttafaffaire ist in Kurzem folgender: Am 18. Juni l. I. gegen Mitternacht brach unmittelbar nach der Reichstagswahl in D. Szerdahely Feuer aus, welches iu kurzer Zeit solch* eine Ausdehnung gewann, daß es mehr als hundert Häuser cinäscherte. Bei dieser Gelegenheit war es nun, daß die Abgebrannten, meistens arme Juden ans D. Szerdahely. drei Bauern aus der Nachbargemeinde Böös beschuldigten, dieselben hätte» das Feuer aus Parteihast und Fanatismus vorsätzlich gelegt. Die drei Bauern wurden sofort untersucht, bei welcher Gelegenheit bei denselben unzählige Wcrthsachen vorgcsunden wurden, welche von David Dischitz, Holzhändler in Szcrdahly, welcher ebenfalls abbrannte, als sein Eigenthum agnoszirt wurden. Tie Dertheidigung der drei Bauern über den Umstand, wieso sie in den Besitz dieser Werthsachca kamen, bestand eiusach darin, dast sie behaupteten, sie Härten diese Gegenstäude auf der Gasse gefunden. Da jedoch die drei Bauern in mehrfache Widersprüche gcricthen, da dieselben weiterhin keinen ftichhaltige» Grund angeben konnten, was sie um Mitternacht in Szerdahely suchten, und da dieselben auch betreff der Brandkatastrophe sehr mysteriöse Reden führten, so wurde die Strafuntersuchung gegen dieselben Ansangs auch wegen Brandlegung geführt, wobei jedoch die diesbezügliche Untersuchung zu keinem positiven Resultate gelangen konnte. In Folge dessen mußte sich die Staatsanwaltschaft begnügen, die Anklage