Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-11-07 · Heft 86 (7.11.1887) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 86 (7.11.1887)
Date
1887-11-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449780--27451-2517358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wegen Verbrechen deS Diebstahls, begangen an D. Dischltz. zu erheben. Der Staatsanwalt betonte m seiner Anklage insbesondere jenen Erschwerongsgnmd, daß die Angeklagten daS Verbrechen bei einer Brand, katastrophe verübten, welcher Umstand nach dem ungarischen Strafgesetze als besonders erschwerend betrachtet wird. Nach längerer Berathung gab der Gerichtshof der beredten Vertheidigung, welche die Anklage dahin allegitte, daß bei der Katastrophe in Szerdahely ein derartiger Wirrwarr herrschte, daß es mcht ausgeschlossen ist, daß die drei Angeklagten bei den Löschversuchen die bei ihnen Vorgefundenen Werthsachen auflesen konnten, — Folge und veruühcilte dieselben wegen Fundverheimlichung zu je einem Monat Arrest. Gegen dieses Unheil meldete aber die königliche Staatsanwaltschaft die Berufung an. %enlltttou. Die Kerrin von Mlawitz. n. „Weißt Tu/ sagte Frau Hindcle, als sie Abends mit ihrem Manne allein war, zu diesem, „wenn das so fortgeht, so wird unser Ahron in seinem ganzen Leben zu keinem Schidduch kommen. Er liebt die Nahe! und sie liebt ihn. Er wird niemals eine Andere heirathen wollen. Zwar hat sie kein Vermögen, und wir kennen ihre Herkunft nicht, wissen nicht einmal, ob sie eine geborene Jüdin ist. Allein, da es sich um das Glück unseres SohneS handelt. . . / „Schweig', Frau! Tu und ich, wir sind durch einen heiligen Schwur gebunden und dürfen Niemandem verrathen, daß Rahel nicht unsere Tochter ist. Mag kommen, was da will, wir dürfen unfcru Schwur nicht brechen, Du nicht und ich nicht.- Frau Hindele seufzte tief auf. „Ich wollte/ sagte sie, „wir hätteu das Kind niemals gesehen'/ „„Das ist Dein Ernst nicht. Du hast das Mädchen eben so lieb wie Deine anderen Kinder.— „Das ist wohl wahr; allein.- „„Ich bitte Dich, rede mir nicht weiter davon. Ter allgütige Gott wird schon Alles zum Guten fügen.— „Das ist auch mein Trost/ sagte Frau Hindcle; mußte sie doch immer das letzte Wort haben. Ta der Erzähler dieser wahrhaften Legebenhrit durch keinen Schwur gebunden ist, so will er die Neugier der freundlichen Leserin nicht länger unbefriedigt lasse» und ihr daS Geheimuiß der Herkunft Rahels enthülle». Die Güter, welche MoseS Zkrakauer in Pacht hatte, waren ein Theil der Liegenschaften deS Grafen Topolski, deS reichste» Grundbesitzers weit und breit. Der Graf war nicht immer so reich gewesen und hatte alS Offizier in der österreichische» Armee gedient.. Da er kein Vermöge» besaß, so hatte er fich nicht verheirathet. Er war schon nicht mehr jung» als ihm durch daS Aussterben einer Seitenlinie seines Geschlechts der große Güterkomplex an den Ufern der Zittawa zufiel. Er nahm seinen Abschied und bezog das prachtvolle Schloß, welches inmitten seiner Besitzungen lag, um fich ganz der Lewirthschaftuui seiner Güter zu widme». Bald nachher führte er ein hochadeliges Fräulein als Herrin in fein HauS. Die Ehe war die glücklichste, wähne aber nur kurze Zeit, da die junge Gräfin starb, nachdem sie einer Tochter daS Leben gegeben halte. Der alternde Herr konnte sich nicht entschließen, sich noch einmal zu vermählen. DaS Töchterchen wuchs heran zur Freude des DaterS, der es ungemein liebte und sich auch dann nicht von ihm trennen mochte, als Eomteffe Sidonte tn das Alter trat, in welchem vornehme Eltern ihre Töchter in ein Institut zu geben pflegen. Dagegen hielt der Graf seiner Tochter die vorzüglichsten Lehrer, eine englische und eine französische Gouvernannte. Comtesse Sidome zählte 18 Jahre, als die Gouvernanten entlaßen wurden und ein Gesellschaftsfräulein in die Dienste der jungen Gräfin trat. Nur der Musikunterricht wurde noch länger durch einen Mansrro ertheilt. Signor Fido war ein feuriger Italiener, der da? Herz feiner Schülerin im Sturm eroberte. Eine- Tages jedoch war er verschwunden. Man sagte, er habe den. Zorn deS Grafen auf sich geladen, und dieser hätte ihn niedergeschossen, wenn der Musiklehrer nicht eiligst durch dir Flucht sich gerettet hätte. Es war eine finstere, stürmische Herbstnacht, in welcher an die Thüre des Juden MoseS Krakauer, der einen kleine» Kramhandcl im Torfe hatte, gepocht wurde. Moses fuhr aus tiefstem Schlafe empor und öffnete das Fenster. „Wer ist da?- fragte er in die finstere Nacht hinaus. „Mach auf/ antwortete eine fsusre Stimme, „ich Hobe mit Dir und Deiner Frau zu reden.- „Um des Himmels willen/ rief MoseS seiner Gattin zu, „es ist keiu Anderer als der gnädigste Herr Graf! Er will mit mir uud mit Dir reden. Stehe schnell auf und kleide Dich an. Mache Licht, während ich die Thüre öffne!-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.