Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 86 (7.11.1887)
- Date
- 1887-11-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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junger Manu sein, der jedoch schon die Weisheit und die Erfahrung des Alters besitzt. Unter nrsr dagegen ist das wirkliche Alter, das Hochbetagtscin verstanden, die Lebensperiode, kn welcher das Haar schneeweiß zu färben sich pflegt. Nachdem wir daS erkannt, können wir auch die Frage beantworten, weßhalb die heilige Schrift in dem ersten Thcile des Verses das Abstractum wr, das Alter, und im zweite» Theile desselben die coucrere Form der alte Mann gebraucht. BloS alt zu werden, ist kein Verdienst, sondern eine Gnade Gottes. Wenn nun Gott befohlen, vor einem Mann von 70 Jahren aufzustehen, so ehrt Ulan dadurch nicht die Person als solche, sondern das Alter. Wohl aber ist es ein Verdienst, in der Thora zu forschen und Weisheit zu erringen; wenn man einen solchen Mann ehrt, so ehrt man die Person selbst; man denkt dabei an die Tage und Nächte, die der Weise mit mühsamen und beschwerliche» Studien -»brachte. Daher sagt die heilige Schrift: Vor dem Alter sollst du aufsteheu und sollst ehren das Antlitz des Alten, des Weisen. Nunmehr werden wir auch den oben anacsührtcn Psalnwcrs besser verstehen. Im 71. Psalm schildert der königliche Sänger die Gefahren, die ihm von seinen Feinden drohen: »Rette mich, o Gort, aus der Hand des VöfcwichtS, aus der Gemalt des Nebelthäters und Unterdrückers; denn Du allein bist meine Hoffnung, ewiger Gott, meine Zuversicht von meiner Jugend an. Meine Feinde lauern meinem Leben auf, sprechend: Gott hat ihn verlassen: verfolgt und ergreift ihn, denn Niemand rettet. Sei nicht fern von mir, o Gott, mein Gon eile zu meiner Hilfe.Tu hast mich belehrt, o Gott, von meiner Jugend an, und bis jetzt verkünde ich dein Wunder. Und auch bis zur Siknah und bis zurSebah mögest Tu. oGott, mich nicht verlassen, auf daß ich verkünde Teine Macht der Nachwelt, der Zukunft Deine Allmacht preise.* David betet demnach, daß Gott ihm nur nicht die Fähigkeit verleihe, Seine Herrlichkeit , Seine Allmacht der Welt zu verkünden, daß ihm Gott nicht nur Siknah (Alter im Sinne von Erfahrung und Weisheit) verleihe, sondern daß ihm der Allgütige auch den Jahren nach ein hohes Alter gewähre, damit er im Stande sek. das Heranwachsende Geschlecht und später das bisher noch nicht geborene Geschlecht;u belehren. Gib mir Siknah, damit ich fähig werde. Deinen Ruhm zu verkünden: verleihe wir auch Scdah, damit ich nicht allein die Mirlebcnden, sondern auch die kommende» Geschlechter zu dclthren im Stande sei. In dieser Weise glauben wir de» zweiten Ausspruch des Raw Acha erklären z» können. Raw Acha fragt im Anschluß an den in Rede stehenden Psalmvers: Ist nicht Siknah und Sebah eins und dasselbe? Zwar könnte man darauf entgegnen, daß nach dem Ausspruche unserer Weisen. Aborh <L 5, Mischnah 21, zwischen Siknah und Sebah em Unterschied von zehn Jahren sei, wie wir dort lese«: rd'srr nyzv p rjp? er p »Siknah heißt ein Alter von 60 Jahren. Sebah ein Atter von 70 Jahren.* Allein, es ist nicht anzunehmen, daß der königliche Sänger hier um eine Ledcnsvcrlängcrrmg von zehn Jahren gebetet habe: er hätte ja dann um Sebah allein beten sollen und hätte Siknah gar nicht zu erwähnen brauchen; denn, wenn Jemand 70 Jahre alt wird, muß er selbstverständlich früher «0 Jahre alt geworden sein. Deßhalb gibt Raw Acha diese Amwort nicht, sondern erklärt den Psalmvers dahin, daß David gebetet habe, Gott möge ihn nicht allein weise, sondern auch dem Wortlaute nach att werden lassen; nicht etwa der Lebenslust und der Genußsucht halber, sondern lediglich zu dem Zwecke, daß er nicht allein der Mitwelt, sondern auch der Nachwelt den Ruhm des Allmächtigen verkünde. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deuts chlaud. Darmstadt, 1. Nov. In der gestrigen Sitzung der hiesigen Strafkammer wurde ein hiesiger Privatier wegen Urkundenfälschnng zu 14 Tage» Gefäogniß vcrnrthcilt. Das Erimen bestand darin, daß der Angeklagte ein mit der Unterschrift des hiesigen Rabbiners Dr. Marx versehenes Telegramm nach Pfungstadt gesandt und dadurch einen dortigen Schlächter und Lehrer veranlaßt hatte, sofort hierher zu kommen, wodurch derselbe abgehaüen wurde, an der in Pfungstadt stattfindenden Wahl des Vorstandes der israclirischen Gemeinde Thri! zn nehmen und in Folge dessen ein vom Angeklagten gewünschtes Resultat bei der Wahl herbeigeführt wurde. Berlin. 3. November. Ter Vorstand der Synagoge »B'ne Verith* (zu unterscheiden von den Logen gleichen Namens) die wir erst unlängst in dem Aufsatze über die . Berliner Gotteshäuser berührt, versendet folgenden Prospect, ans dem wir