Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 85 (3.11.1887)
- Date
- 1887-11-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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151 ft Geisel deS Krieges zu leiden haben. Ich will daher dieser Frage schnell zuvorkommcn und dieselbe, bevor sie gar noch gestellt wird, beantworten. An den Gestaden des Nöthen Meeres, das wir Israeliten schon seit Jahrtausenden -po c* „das Schilfmeer" nennen — im Norden dieses Meeres und zwar unweit der Siadi Suez, in deren Nähe unsere Väter einst die Salzfluch durchschritten, gibt es heute noch viel Nohr und Schilf — existiren nur einige jüdische Gemeinden und zwar in den jetzt zur Türkei gehörenden zwei Hafenstädten, Mokka und Hodcida, und dann noch kleine jüdische Ansiedelungen in Tschiddah, der bekannten Hafenstadt Mekka?, dann im schon erwähnten Suez, das am gleichnamigen Kanäle liegt, ferner in Suakim, das schon zu Egypten gehört, aber von den Engländern besetzt gehalten wird, damit cs nicht den sudanesischen Rebellen, den bekannten Anhängern des verstorbenen Mahdi in die Hände falle, dann in Mafsauah, das die Italiener besetzt halten, und schließlich auch in der Hafenstadt Zcilah, die zwar zum Sultanat Darrar gehört, wo aber gleichfalls eine englische Garnison liegt. In den beiden genannten Hafenstädten Mokka und Hodcida, welche in der Provinz Pemcn liegen, wohnen zumeist Juden, die aus dem Innern Arabiens. dorthin eingcwandert sind und sich vom Handel oder einem Handwerke ernähren. Im vorigen Jahrhundert war Mokka, da? Eldorado unserer Frauenwelt, da von dort her der bekannte vortreffliche Kaffee kommt, eine bedeutende Handelsstadt, da in derselben der ganze im glücklichen Arabien wachsende Kaffee und die von dorther kommenden wohlriechenden Gewürze, nach allen Wcltgcgenden verschifft wurden. Leit damals ist jedoch der schöne und geräumige Hafen der Stadt fast gänzlich versandet, so daß kaum mehr die gewöhnlichen Fischcrbarkcn in denselben einlaufcn können. Der ganze Handel des Platzes hat sich daher nach dem weiter nördlich gelegenen Hodcida, welches zugleich die Hafenstadt von Sana, der Hauptstadt Pemens, ist. gezogen und mit dem Handel sind zugleich auch die meisten Juden von dort ausgcwandert und haben sich gleichfalls in Hodcida angesiedclt. Nördlich von Hodcida beginnt die Provinz Hcdschas. in der die beiden den Moslims heiligen Städte, Mekka und Medina, liegen und in der mir einziger Ausnahme der Hafenstadt Tschiddah, weder Juden noch Christen wohnen dürfen. Ter Srifrrr de» Islam hat nämlich die Juden, weil sic seine Lehre nicht annchmcn wollten, aus dieser Provinz verbannt und diese Anordnung Mohamcd'S hat noch heute, trotzdem seit damals schon volle dreizehn Jahrhunderte vergangm sind, ihre volle Giltigkeit. Tie wenigen Juden, die dann in Tschiddah leben, sind aus Aden oder Egypten dorthin eingcwandert. Vor einigen Jahren hatte auch der österreichische Lloyd einen Agenten in dieser Stadt, der Jude war. Dnselbe hieß Levy und war ein Triestmer. In Lue-, das an der Mündung des gleichnamigen Kanals liegt, wohnen einige jüdische Familien, die aus Egypten, Italien und Oesterreich dorthin zogen. Dieselben besitzen dort ein gemiethetes Betlokal und auch einen Schachet (Schächter), der ihnen von hier zugcschickt wurde. Ja Suakim. da4 gleichfalls zu Egvptcn gehört, wohnten bis vor fünf Jahren gar keine Juden. Erft seitdem die Engländer eine Garnison dorthin gelegt, einige Kriegsschiffe daselbst stationirt und auch einen Gon» verncnr daselbst bestellt baden, weilen dort einige Juden. Zu den hohen Feiertagen pflegen dieselben nach Suez zu kommen, um dort ihre Andacht zu verrichten. Südlich von Suakim liegt Maffauah. das den Italienern gehört und halten sich dort im Ganzen drei jüdische Familien auf. Auch unter der dortigen italienischen Garnison befinden sich einige Inden. Noch weiter südlich liegt Zcilah, die Hafenstadt des Sultanats Harrar, das sich seit drei Jahren gleichfalls in den Händen der Engländer befindet. Tie gleichfalls zu England gehörende arabische Seestadt und Festung Aden, welche den südlichen Schlüffe! zum Norhen Meere bildet, liegt nämlich am Fuße eines kahlen von der Sonne ganz schwarz gebrannten Felsens, auf dem gar nichts gedeiht, nicht cinnkal Dornen oder Disteln. Ja selbst das Trrnkwaffer fehlt dort und muß daher die Bevölkerung mit dem in Eistcrnen aufgefangenen Rcgenwasser vorlieb nehmen. Die Engländer haben daher die zwei an der afrikanischen Küste befindlichen und Aden gerade gegenüber, gelegenen Städte Bcrberah und Zcilah occupirt, um von dort her erstgenannte Stadt mir frischen Lebensmitteln und Vieh versorgen zu können. Auch den schwunghaften Handel mit Straußfedern, den die Juden Adens betreiben» verdanken sie zumeist den genannten zwei afrikanischen Hafenstädten, wohin die Srraußfedcrn in großen Quantitäten aus dem Innern Afrikas gebracht werden. Zwar finden sich auch in Arabien Sträuße, aber ihre Federn sind nicht so lang und so schön, wie die Afrikas. Legt daher ein europärscher Dampfer auf der Fahrt von oder nach Indien in Aden an, so wird man sogleich an der Landungsbrücke ein ganzes Rudel von Leuten stehen sehen» die der großen Hitze halber» nichts mehr als ein langes weißes oder farbiges Hemd trage», während