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Der Israelit · 1887-11-03 · Heft 85 (3.11.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 85 (3.11.1887)
Date
1887-11-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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. 1515 gezwungen das Schächten zu erlerne», dem es nun zu verdanken ist, daß noch weitere « Familien koscheren Haushalt führen. Es liegen die Gemeindeverhältniffe überhaupt im Argen; außer mcm rso und t» cv findet kein Gottesdienst statt, es ist keine Synagoge vorhanden, nicht einmal ein Friedhof ist im Besitze der Gemeinde und werden die Todten auf dem Communalfriedhof begraben. Dabei sind dieVermögensverhältniffe der Mitglieder im Ganzen sehr günstig, und wäre cs ein Leichtes für Synagoge und Bcgräbnißplatz zu sorgen. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Wien. Rcichsraths-Abgcordnetcr Dr. Bloch erhielt nachstehendes Telegramm: „Meine fünfzehnjährige Tochter wurde vor drei Wochen verleitet, sich zu taufen und befindet sich im Kloster Smolska in Krakau. Alle möglichen behördlichen Interventionen, die ich einleklete, um tncinc Tochter wieder zu erlangen, bleiben erfolglos. Wollen Eucr.Wohlgeboren die Güte haben, dies dem hohen Ministerium zur Kcnntniß zu bringen, damit meine Tochter sofort aus dem Kloster entlassen wird. Abraham Gronner, Bauunternehuler, Sucha." Wien. Ich mache darauf aufmerksam, daß der „Bolksfreund" und „Ocsterr. Reformer" den Leipziger Defraudanten Dr. Jerusalem fälschlich für einen Juden erklären, während er wüthcndcr Antisemit war. Preßburg, 10. Octobcr. Dieser Tage wurde hier in einem alte» Hause der „Schöndorscrstraßc*, beim Wegräumcn der Dielen unter denselben Ucbcrreste eines männlichen Leichnams gefunden, welcher nach Ansicht der Sachverständigen dort mehr als NO Jahre gelegen haben muß. Man vcrmulhet nun, daß die Uebcrrcste dem Leichnam eines gewissen Abraham Oppenheimer gehören. Dieser lebte vor mehr als 60 Jahren in Preßburg, wo er einen Juwelenhandcl betrieb. Er hatte kein öffentliches Geschäft, sondern ging mit seinen Waarcn hausircn und wurde sehr oft in die Hotels und zu Privatlundschasren gerufen. Eines Tages wurde er zu einer Kundschaft bestellt. Er nahm sein Kästchen, in welchem sich die Schmmksachen befanden und einen Geldbetrag mit sich und entfernte sich, ohne seiner Familie zu sagen, wohin er ging. Ter Unglückliche kehrte nicht mehr zurück und blieb bis auf den heurigen Tag verschwunden. Ein Sohn desselben, Theodor Oppenheimer, lebt heute noch in Wien; er ist 85 Jahre alt. Pesth. Herr Akbir, welcher jüngst in Szege» dm verstorben ist, hat, wie „Jew. World" berichtet, den Armen dieser Stadt, ohne Unterschied der Coufession, 1200,000 fl. vermach^ wovon die Zinse» jährlich und das ganze Kapital nach 25 Jahren vertheilt werden sollen. 15000 fl. siud für die Armen des hl. Landes in dringenden Lagen re» servirt. Italien. Rom. Die officiöse „Niforma", das Organ des ital. Ministerpräsidenten, bringt einen Artikel» in welchem es den Antisemitismus beklagt, welcher in Tunis nunmehr Wurzel faßt und von Algier dahin geschleppt worden ist. Gerade die Juden bekleiden die hervorragendsten Ehrenämter und ihr Patriotismus sei über jeden Zweifel erhaben. Bulgarien. In der neugcwähltcn Sobranje gibt es nach der Nationalität außer der überwiegende» Mehrheit der Bulgaren noch 27 Türken, 3 Grieche«, 1 spanischen Juden und 1 Rumänen. . Rußland. Petersburg, 27. Oktober. Die hiesigen ein tisemitcnblättcr haben von der Ecnsurbchörde An- Eircular erhalten, wo nach ihnen verboten wird, die Scmitcnfrage überhaupt zu berühren und das Wort Shid d. h. Jude hetzerisch z» gebrauchen. Dieses Verbot wird durch finanzpolitische Rücksichten erklärt .und als von dem Finanzminisier Wischncgradsky ausgehend bezeichnet. Egypten. Kairo, im Lctobcr. Nur noch wenige Tage oder Wochen und an den westlichen Gestaden des Rothen Meeres wird der Donner der Kanonen von Neuem grollen 'und das Blut gefallener Krieger wird dort den Boden befeuchten und düngen. Italien rüstet sich nämlich zum Kriege gegen Arcffymcn, um an dessen Beherrscher, dem NeguS (König) Johannes, Rache zu nehmen für das Blut seiner im vergangenen Jänner bei Dogali unweit der Hafenstadt Massauah unschuldig und meuchlerisch hingeschlachtctcn Kinder. Tie Blicke des Abendlandes werden sich dann neuerdings diese»! Meere zuwenden und mancher Israelit, der hie und da auch an seine iu den fernen und fernsten Weltgegenden lebenden Glaubcusbrüder zu denken pflegt, wird sich dann gewiß in seinem Innern fragen, leben in jene» Ländern und Gebieten auch Israeliten und werde» dieselben nun gleichfalls von der Furie und der

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