Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 85 (3.11.1887)
- Date
- 1887-11-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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auf ihrem Kopfe ein rundes schwarzes Käppchen sitzt. Heber dem Hemde tragen sie dann daS übliche Arba-Kanfoth (Gebctmäntelchen), dessen vier Zizich oder Schaufäden, wie Troddeln binabhängen. Jeder dieser Kaufleutc trägt ein Bündel Straußfedern unter dem Arme, die er sogleich den angekommenen Europäerinnen zum Verkaufe anbietet. Fast ein jeder dieser Straußfedernhändler spricht ein wenig englisch oder italienisch, gerade soviel, um sich verständlich machen zu können. Tie gesuchtetsten Straußfedern sind die schwanen, die daher auch einen eooruien Preis haben. Diese Federn sind ein wichtiger Handelsartikel für die Juden Adens und mancher derselben verfügt in feinem Testamente, wie sich seine Söhne nach seinem Tode in seine Straußfedern theilen sollen. Legt ein Dampfer früh Morgens in Aden an, so wird mau nicht einen jüdische» Straußfedernhändler am Landungsplätze erblicken, da sie alle in ihren Wohnungen oder Synagogen beisanlmensitzen und sich der Ruhe und Andacht hingeben. Feuilleton. Aie Kerrin von AMarvitz.*) _ l Ahron und Rahe! hatten einander sehr lieb; sie durften sich lieb haben, denn sie waren Bruder und Schwester. Das Merkwürdige war nur, daß Nahe! ihrem ältesten Bruder Ahron viel mehr zugethan war als ihrem Zwillingsbruder Fcibifch. Ahron zählte 22 Jahre; er brauchte nicht erst zu sagen, daß er ein Nachkomme Jakobs fei; man hätte auch ohnedies den Juden sofort erkannt. Sein schwarze?, lockiges Haar, seine schwarzen glänzenden Augen, seine Adlernase und sein schwarzes Bärtchen, das eben zu keimen begann, legten die Lermurhung nahe, daß die Wiege feiner Voreltern nicht immer an den Ufern der Zwitiawa, sondern einstens an den Ufern des Jordans gestanden habe. Diesen ausgeprägten jüdischen Typus trugen alle Kinder des Gutspächters Moses Krakauer bis auf Rahel, die weder ihren Eltern noch ihren Geschwistern, ja, nicht einmal ihrem Zwillingsbruder Feibifch im Entferntesten ähnlich sah. Schön war sie. die achtzehnjährige Jungfrau; aber ihre Schönheit schien - *) Nachdruck verbale«. UeberfekangSrrcht vorbebalren. — Ewer unsrer Freunde terrur vor einiger Zeit in Maricndad Familie kennen, dir ihn mit ihren rirlebnifscn bekannt ViLch^. z§ir haben die Geschichte so wiedererzähll, wie sie sich rrngna. Hai und'haben nur di« Namen geändert. 1517 nicht ererbt 3» fein; ihr blondes Haar, ihre blauen, sanften Augen, ihre feine, aristokratische Gestalt unterschieden sie sowohl von ihre» Geschwistern wie von ihren ehemalige» Gespielinnen und jetzigen Freundinnen. ES war an einem schönen Sommertage de- JahreS 1865, als ein Reisewagen vor dem Gehöstr des Gutspächters Moses Krakauer stand. Dieser wollte mit seiner Frau und seinem Sohue Ahron „auf die Beschau" fahren. Ahron sollte heirathen, und es war ihm „eine sehr gute Partie" angetragen worden. Die Eltern waren einig; eS kam nur noch darauf an, ob die jungen Leute einander gefallen würden. Der Gutspächter und seine Frau fliegen bereits in den Wagen, während Ahron von feiner Schwester Rahel Abschied nahm. „Ahron," sagte diese, «„mache die Augen auf und lasse Dich nicht überrumpeln!" „„ipabe keine Angst, mein Schwesterchen; wenn sie nicht so aussieht wie Du, dann nehme ich sie m/fif "» •l"7- Die Zusammenkunft sollte in dem Gasthofe eines zwischen dem Wohnorte der beiden Parteien gelegenen Dorfes statthaben. Jsak Lemberger war bereits mit Frau und Tochter eingctroffen. In einem Privatzimmer des Gasthofes war der Tisch sehr schön gedeckt. Von beiden Seiten hatte mau Milch und Kuchen mitgebracht, so daß der Wirth nur den schwarzen Kaffee und den Zucker zu liefern hatte. Bald saßen die sechs Personen um den runden Tisch herum, aßen, tranken und unterhielten sich miteinander. Fünf von ihnen waren heiter und vergnügt, während Ahron still und in sich gekehrt da saß. Lea Lemberger war ein schöne-, stattliches Mädchen, aber sie entsprach dem Ideale nicht, das sich Ahron von seiner künftigen Gattin gemacht hatte, und dieses Ideal trug die Züge seiner Schwester Rahel. Die Verstimmung Ahron'S wirkte lähmend auf die Heiterkeit der Uebrigen. Lea suchte vergeblich mit dem einsilbigen, jungen Manne eine anregende Unterhaltung anzuknüpsen, die beiden Mütter beobachteten ihre Kinder; nur die beiden Väter dachten nicht an die Möglichkeit, daß zwei hübsche, wohlerzogene, junge Leute einander nicht gefallen könnten; sie hatten sich in ein Gespräch über die beste Art der Pferdefütterung — auch Lemberger war GutSpächter — vertieft, und achteten nicht auf daS, waS vorging. Der Kaffee war getrunken, und die mitgebrachten Vorräthe an Kuchen waren größtentheilS aufgezchrt; die beiden Gutspächter hatten sich darüber geeinigt, daß, ttotz der gegemheiligen Behaup-