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Der Israelit · 1887-11-03 · Heft 85 (3.11.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 85 (3.11.1887)
Date
1887-11-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1513 Shawl umhüllt bm Oberkörper, unter dem nur um die Taille reiche- Goldjpangen hervorblitzcn. Auf dem ücfschwarzcn Haar leuchtet ein Golddrokattuch fest au die Stirn gelegt und in den Nacken medersallend, die seinen, meist blaffen, scharfen, aber edlen Züge der Töchter Judäas vorrheilhafl umrahmend. Tie Jahrhunderte alte Klage des verfolgten Volkes Israel scheint iu diesen Frauengesichtem erstarrt, die hier noch nicht würdcbcraubt, die Schmach noch als Unrecht ertragend, als ideale Gestalte» zwischen uns wandeln. Die Juden selbst tragen in Algier einen Turban und eine An türkisches Gostüm. Blaue weite Pluderhosen, seidene straffgezogcue Strümpfe und elegante Lackschuhe, einen breiten, gewöhnlich rothcn Taillcngurt, eine verschnürte Jacke, aus deren aufgeknöpften Aermcln weiße bauschige Hcmdärmcl hervorschimmern. In Tunis tragen sie am Kopfe noch die hohe zugespitzte Salma, eine kegelförmige, silberne oder goldene Filigranarbeit, von deren Höhepunkt ein weißer Schleier nicdcrfällt. Im Ganzen machen sic hier, vom Standpunkt des Schönheitssinnes ans, einen weit angenehmeren Eindruck, als bei unS in Europa. Ter Jude ist Orientale, und nur in diesem Nahmen versteht man sein unS fremdartiges Wesen. Ter Haß der Araber gegen die Jude» ist fanatisch. Die heimischen TurkoSrcgimcntcr mußten nur auS dem Grunde aus Algier versetzt werden, da sie wiederholt Judcnmassakrcs in den Straßen begangen. Tiefer Haß hat den Hauptgrund in dem beleidigten Stolze der Araber. Früher lebte der Jude vielleicht nicht geliebt, aber geduldet zwischen ihnen. Erst seit die Franzosen nach Unterwerfung des, Landes den Juden eine Massermaturalisalivn gewährten, die sic dem Araber aus politischen Gründen versagen zu.muffen glaubten — also die Israeliten gesellschaftlich über die früheren Herren des Landes erhoben wurden, entflammte die unversöhnliche Nachsucht des Arabers. Wie der „Servus" öder „Colona" in Rom dem stolzen Patricier gegenüber nie ein freier, sondern nur ein frcigclaffcncr Sclave wurde, so wird der despotische Araber den afrikanischen Inden nie als gleichgestellten, geschweige denn als höher berechtigten Staatsbürger anerkennen. - Heidelberg, 29. Octobcr. In der Sitzung des acc. mathematischen Vereins zu Heidelberg am 28. Octobcr hielt Herr Tr. Zimmer (Richtjude) eine Ansprache,, in der er Hcrm Dr. Schapira zu seiner Ernennung zum Professor die Glückwünsche des Vereins überbrachte. Herr Professor Schapira erwiederte, daß eS ihm unmöglich sei, den Gefühlen Ausdruck zu geben, die ihn durchftrömtcn. Wenn ein Privatdozent zum Professor ernannt werde, so sei dies zwar eine hohe Gnade dcS Fürsten, doch so sei ja der gewöhnliche Lauf der Dinge. Wenn aber er als Jude, alS Nunc, als cingcwandcrter russischer Jude sich solch' hoher Guust zu erfreue» habe, so habe der allverehrte Rektor der Universität, Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden, damit einen Beweis feiner edlen, vorurtheilsfreien Gesinnung gegeben, für die Redner nicht genug des Dankes finde» könnte. Dem Juden sei der Talmud die Quelle seiner Eitate, so möge auch ihm erlaubt sein, sich eines solchen Eitaics zu bedienen: Der Talmud fragt: Wen mußt Du mehr ehren. Deinen Vater oder Deinen Lehrers Und er erwiedcrt: Deinen Lehrer; denn jenem verdankst du nur das körperliche, diesem das geistige Leben. Rußland sei sein körperliches, Deutschland, Baven, das Gott segnen möge, an dem er mit der vollen Liebe hänge, sein geistiges Vaterland. Er binct die Anwesenden ans Baden, auf Deutschland, einen Salamander zu reiben. Das Präsidium übernimmt daS Commando desselben. Tie Rede fand in der fast ausschließlich ans Nichtjndcn bestehenden zahlreichen Versammlung, iu der sich auch protestantische Theologen befanden, lauten uugethciltcn Beifall. Heidelberg. Herr Professor Dr. Oppenbcimcr läßt in jedem Semester unter den hiesigen isracl. Studenten eine Liste zur Unterstützung armer israel. Studenten circulircn.- Im vergangenen Semester hatte die Liste 137 Unterschriften mit durchschnittlich drei Mark Spende bei einer Unterschrift. Berlin, 14. Qctobcr. Am heutigen Tage waren, wie die „Voss. Ztg." bemerkt, gerade 40 Jahre seit der Habilitation dcS ersten jüdischen Prwar-Toccntcn an der Berliner Universität, Robert Rcmak's lgeb. am 26. April 1815 in Posen) verstrichen. Seine Habilitation hatte eine eigene, sehr interessante Vorgeschichte, die nach actcumäßiger Darstellung folgenden Verkauf nahm. Unterm 24. Januar 1543 hatte Dr. Robert Remak bei dem Unterrichts-Ministerium die Anfrage gestellt,-ob er als Jude von der Habilitation alS Privatdocent der utcdicinischcn Facultät ausgeschlossen sei. Am 7. Februar wurde er abschlägig bcschiedcn und am 14. März wandte er sich mit seiner Bitte uumittel»

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